Rhein-Pfalz Kreis Neues Miteinander

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Sie tragen Namen wie „13haFreiheit“, „SWK“ (Solidarischer Wohn- und Kulturraum) oder „UmBAU2-Turley“. Gemeinsam ist diesen Gruppen der Wunsch nach alternativen Wohn- und Lebensformen mit Gleichgesinnten. Ein Wunsch, der auf dem Gelände der ehemaligen Turley-Kaserne in Mannheim für einige inzwischen Realität geworden ist. Bei einem Tag der offenen Tür haben die Bewohner ihre Wohnprojekte am Wochenende vorgestellt.

Noch gleicht das Gelände der Kaserne im Mannheimer Stadtteil Käfertal einer großen Baustelle. An vielen Stellen wird gleichzeitig gearbeitet, manche Gebäude sind bereits fertig, andere noch nicht einmal begonnen. Auch bei den neuen Häusern der gemeinschaftlichen Wohnprojekte stehen noch kleinere Restarbeiten an. Dennoch leben hier seit dem Sommer mehr als 100 Menschen. Das größte Projekt gehört der Gruppe „13haFreiheit“. Sie hat das denkmalgeschützte, um das Jahr 1900 errichtete Gebäude Nummer 472 der einstigen Kaiser-Wilhelm-Kaserne gekauft und saniert. Aus den vormaligen Soldaten-Räumen entstanden 29 Wohnungen. „Wir sind voll belegt, hier leben 51 Erwachsene und 15 Kinder“, informiert Bewohnerin Evelyn Beyer. Einzelpersonen, Paare, Familien und Wohngemeinschaften, Jung und Alt, Behinderte und Nichtbehinderte wohnen hier zusammen. Für gemeinsame Aktivitäten gibt es den großen Gemeinschaftsraum. Einen schmucken dreigeschossigen Neubau mit Dachterrasse hat sich nebenan die Gruppe „SWK“ hingestellt. Im Haus gibt es wie in einer Wohngemeinschaft Privaträume, dazu Gemeinschaftsräume für alle. Die Gruppe bestehe derzeit aus 18 jüngeren Erwachsenen und vier Kindern, erklärt Bewohnerin Lena Werner. Gleich daneben hat die Gruppe „UmBAU2-Turley“ auf vier Geschossen einen CO2-neutralen Neubau errichtet. In zwölf Wohnungen leben rund 30 Menschen, Singles, Paare und Familien. „Ich bin überrascht, wie gut es bei uns lief. Es wurde gebaut wie geplant, und es gibt sogar eine Dachterrasse“, berichtet Werner. „Mit 7,60 Euro Miete pro Quadratmeter sind wir sehr zufrieden“, nennt sie Baukosten von 1,8 Millionen Euro. Für den Umbau der großen Kaserne wurden 4,5 Millionen Euro kalkuliert. „Dazu haben wir viel zurückgebaut und einiges an Eigenleistung hineingesteckt“, sagt Bewohner Michael Boltz. Eigenleistung war auch beim 2,6 Millionen-Euro-Neubau von „UmBAU2-Turley“ gefragt. „Wir haben 8,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete erreicht“, ist auch Bewohner Günter Bergmann zufrieden. Möglich sei dies, weil konsequent auf einen niedrigen Baupreis geachtet und keine Profitspanne angestrebt worden sei. Auf den ersten Blick kompliziert, aber offenbar zuverlässig funktioniert die Finanzierung der drei Projekte nach dem Syndikatsmodell. Für jedes Haus wird dabei eine Hausbesitz GmbH gegründet, die als Vermieter auftritt. Gesellschafter sind die jeweilige Hausgemeinschaft sowie ein bundesweiter Verbund von inzwischen 112 Hausprojekten. Ein späterer Verkauf des Hauses wird somit blockiert. Für die eigentlichen Baukosten wird Geld eingesammelt, Einlagen von Bewohnern, vor allem jedoch Direktkredite von Menschen, die diese Idee des Wohnens unterstützen möchten und dafür eine kleine Verzinsung erhalten. Der Rest wird mit normalen Bankdarlehen finanziert. „Wir sind alle nur Mieter. Die Abzahlung des Hausbaus findet über die Mieten statt“, erläutert Bergmann das Prinzip. Dieses funktioniere seit rund 20 Jahren, in dieser Zeit sei lediglich ein Projekt gescheitert. Da auf Turley inzwischen kein Platz mehr für neue Projekte ist, soll ein nächstes gemeinschaftliches Wohnprojekt auf dem Franklin-Gelände entstehen. Hierfür werden aktuell noch Interessierte gesucht. Informationen finden diese im Internet unter www.epizentrum-mannheim.de.

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