Mutterstadt
Neuer Pächter fürs Palatinum dringend gesucht
Es ist eine Entscheidung für die Familie – und die geht nun mal über alles. „Es ist uns wirklich schwergefallen“, sagt Danijela Radanovic und blickt zu ihrem Mann Melenko. Der 48-Jährige nickt zustimmend. Der gebürtige Bosnier ist seit 24 Jahren Koch hier, seit es das Palatinum gibt. Die 46-Jährige ist mit dem Restaurant, das einst ihr Vater Ljubko Zecevic führte, aufgewachsen, hat sein Lebenswerk seit 2017 weitergeführt und ihre eigene, professionelle Handschrift hinterlassen. Der Betrieb war nach eigenen Angaben gut aufgestellt. Und eigentlich läuft er auch wieder auf Hochtouren, seit die Corona-Beschränkungen nach und nach gefallen sind. Auch während der Lockdowns sind die Radanovics mit den staatlichen Hilfen gut über die Runden gekommen. „Dennoch hat Corona bei uns Spuren hinterlassen“, sagt Danijela Radanovic. Vor allem fehle es am Personal. Das wenige Stammpersonal, das schon bei ihrem Vater unter Vertrag war, ist geblieben, aber die anderen Hilfen, die sie für das vielfältige Angebot benötigen, die seien in andere Branchen gewechselt. „Neues Personal zu finden, ist kaum möglich“, sagt Melenko Radanovic.
Das Paar musste immer mehr Aufgaben selbst erledigen: „Wir arbeiten sieben Tage die Woche, haben kaum noch Zeit fürs Private.“ Das Familienleben komme zu kurz, vor allem die elfjährige Tochter. Die Eltern und Schwiegereltern, die früher mithalfen, sind nun älter, der Vater schwer erkrankt. „Wir sind auf uns allein gestellt“, sagt sie, die Belastungsgrenze sei längst überschritten. „Wir mussten uns zu diesem Schritt entscheiden, um nicht als Familie kaputt zu gehen. Wir hatten hier viele schöne Jahre, tolle Feiern und Feste und bedanken uns sehr bei unseren Gästen und Mitarbeitern. Doch nun ist Schluss.“
Gemeinde bedauert die Entscheidung
„Das trifft uns als Gemeinde sehr“, gibt Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) unumwunden zu, wenngleich er die Entscheidung vollends respektiere. So auch Klaus Maischein, Vorsitzender der TSG Mutterstadt. Beide betonen die sehr gute und respektvolle Zusammenarbeit mit den Pächtern, ein Grund, „warum wir den Abschied umso mehr bedauern“, sagt Schneider. Der TSG und der Gemeinde ist bewusst, was sie verlieren: Einen laut Schneider gut geführten, gesunden Gastrobetrieb mit einem Angebot, das nur schwer seines Gleichen sucht.
Inhaber des Palatinums – und damit auch der Gaststätte, der Turnhalle und des Veranstaltungshauses – ist die Gemeinde. Für sie ist das Palatinum in vielen Bereichen wichtig: Es ist Sportstätte der TSG, Treffpunkt für die Vereine, kulturelles Zentrum und wird von vielen Bürgern für Feiern jeder Art genutzt. Außerdem kocht Familie Radanovic für die Schulen und Kitas in der Gemeinde die Mittagessen. Der Umfang des Gastro-Angebots ist also groß – vom Mensa-Essen über Fingerfood, Speisen für den kleinen Hunger nach der Turnstunde, klassisches Restaurant-Essen bis hochpreisige Geschäftsessen, Büfetts und Menüs für Familienfeiern aller Art. Restaurant, Sportlerklause und Terrasse bieten zusammen bis zu 190 Sitzplätze, im Palatinum-Foyer können noch einmal 50 Gäste bewirtet werden und im großen Saal etwa 530.
Neuer Pächter sollte erfahren sein
All das erfordere Erfahrung und Flexibilität – und genau das sollte der neue Pächter mitbringen. „Es sollte niemand sein, der das noch nie zuvor gemacht hat und das jetzt mal ausprobieren möchte“, betont Schneider, „zumal wir an langfristigen Verträgen interessiert sind und auch ein Betreiberkonzept von den Bewerbern fordern“. Aus diesem Grund wird das Unternehmen cbg aus Bad Kreuznach, ein Sachverständigenbüro für Gastronomie und Hotellerie, die Gemeinde bei der Pächtersuche unterstützen.
Schneider und Maischein hoffen auf einen nahtlosen Übergang, denn es sind bereits Sportveranstaltungen fürs Spätjahr geplant. Und: „Wenn das Restaurant zu lange leer steht, könnten Stammkunden verloren gehen. Der Pachtvertrag endet am 31. August, ab dem 1. September könnte der Neue loslegen. Die Übernahme der Kita- und Schulessen ist laut Schneider keine Bedingung. Ebenso müsse auch nicht die Pächterwohnung zwingend mitgepachtet werden. Der Bürgermeister ist überzeugt, dass das Palatinum-Restaurant für den neuen Wirt ein breites Umsatzspektrum bietet. „Zudem liegt es zentral, hat einen großen Parkplatz, eine erst kürzlich modernisierte Küche – und Stammpersonal“, wirbt er für den Neuanfang mit einem neuen Pächter.
Bloß raus aus der Selbstständigkeit
Und wie geht es für die Radanovics weiter? „Wir möchten beide ins Angestelltenverhältnis wechseln, in dem man wochentags arbeitet und am Wochenende frei hat. Bei mir wird es mit Sicherheit etwas mit Zahlen sein“, sagt Danijela Radanovic und lacht. Ihre Kindheit verbrachte sie in Bosnien bei den Großeltern. Als der Krieg in ihrer Heimat ausbrach, war sie 16, die Eltern, die schon Deutschland arbeiteten, holten ihre Kinder hierher. Sie wollte damals auf gar keinen Fall in die Gastronomie. „Meine Eltern haben viel arbeiten müssen und hatten wenig Zeit für die Familie.“ Darum hat sie hier erfolgreich die Berufsfachschule für Rechnungswesen absolviert, Industriekauffrau gelernt und zehn Jahre als Bilanzbuchhalterin gearbeitet. Dann verliebte sie sich in den Koch, zwei Kinder haben sie, der Sohn ist schon 20. Die Familie verstehe ihre Entscheidung – und mittlerweile auch ihr Vater.
Noch Fragen?
Interessierte Pächter können sich bei der Gemeinde unter Telefon 06234/946450 oder per E-Mail unter info@mutterstadt.de melden.