Ludwigshafen Erfolgsgeschichte: 20 Jahre Palatinum

«Mutterstadt.»25 Millionen Mark. So viel hat sich die Gemeinde Mutterstadt das Vorhaben damals kosten lassen, das sie gemeinsam mit der Turn- und Sportgemeinde (TSG) verwirklicht hat. Dem Verein gehört das Gelände, auf dem das Palatinum von 1995 bis 1998 errichtet wurde. Dafür, dass die TSG die Fläche für das Projekt zur Verfügung stellte, erklärte sich die Kommune bereit, für den Verein eine Sporthalle zu bauen. Sie steht heute neben dem Palatinum und gehört der TSG. Dann kam die Idee auf, zwischen Fest- und Sporthalle zusätzlich ein Restaurant zu errichten. „Wir haben aus den schlechten Erfahrungen mit der Neuen Pforte gelernt, wo sich die Gastronomie nicht rentabel betreiben ließ. Unter der Woche beleben die Sportler die Gaststätte, am Wochenende die Besucher verschiedener Veranstaltungen“, erklärt Gunther Holzwarth, Büroleiter der Mutterstadter Gemeindeverwaltung. Nicht umsonst führe noch die erste Wirtsfamilie das Lokal, inzwischen jedoch in zweiter Generation. Ein solches Veranstaltungshaus wie das Palatinum, das die Gemeinde als Eigenbetrieb führt, haben sich die Mutterstadter bereits in den 1960er-Jahren gewünscht. Den Gesang- und sonstigen Musikvereinen hat jahrzehntelang ein Saal gefehlt, der für große Konzerte taugt – sowohl akustisch als auch für viele Zuhörer. Den Sportvereinen wiederum hat der im Dorf vorhandene Platz für ihre vielen Trainingseinheiten und Wettkämpfe nicht gereicht. Die Engpässe sollten das Palatinum und die neue TSG-Halle beheben. „Der Festsaal bietet mit Reihenbestuhlung bis zu 800 Gästen Platz, bei Bankettbestuhlung mit Tischen und geöffnetem Foyer bis zu 560. Die Akustik wurde professionell eingemessen“, informiert Marliese Renner, die das Palatinum leitet. „Es gab anfangs sogar Stimmen, die mehr als 1200 Sitzplätze forderten“, erinnert sich Holzwarth. Doch die jetzige Größe habe sich bewährt. Das Problem heute sei eher, dass die Vereine immer kleiner werden, ihre Mitgliederzahlen schwinden. Manche gebe es schon gar nicht mehr, während Anfang der 80er-Jahre „ein Gesangverein oder der Mundharmonikaclub schon mal die Rundsporthalle mit 1200 Leuten füllte“. Durch die Zusammenarbeit mit der Salten Theater Promotion in Limburgerhof – die Agentur ging 2016 nach dem Tod der Gründerin und Geschäftsführerin Lilo Salten in Insolvenz – seien viele Stars und bekannte Ensembles ins Palatinum gekommen, zum Beispiel Sängerin Joy Fleming, Schauspieler Pierre Brice und das Glenn Miller Orchestra. Ganz so viele Kulturveranstaltungen wie früher gibt es Renner zufolge mittlerweile nicht mehr. Dennoch sei die Auslastung des Hauses konstant, steige tendenziell sogar leicht. Es habe sich lediglich der Schwerpunkt verschoben. „Das Hauptaugenmerk liegt jetzt auf der Vermietung an Firmen, die hier Tagungen oder Schulungen abhalten“, erzählt sie. „Und wir haben auch viele Hochzeiten mit 300 bis 500 Gästen.“ Daneben seien hochrangige Politiker wie die beiden ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder (siehe „Zur Sache“) hier zu Gast gewesen. „Etwas Besonderes war sicher auch die Konzertreihe mit der Staatsphilharmonie, die jedoch leider irgendwann aus finanziellen Gründen eingestellt werden musste“, hebt Holzwarth hervor. Immer besser angenommen werde das jährliche Open-Air-Konzert auf dem Platz vor dem Palatinum, das aus dem Seniorentreff hervorging und zunächst als Konzert im Hof firmierte. Stets ausverkauft und sehr beliebt seien die Veranstaltungen des Fußgönheimer Spielkreises. „Ich finde es außerdem gut, dass der Neujahrsempfang mit namhaften Künstlern bei uns stattfindet“, merkt Renner an. So könnten jetzt auch viele Bürger daran teilnehmen, wohingegen das Ganze davor nur ein Stehempfang für geladene Gäste im Rathausfoyer gewesen sei. Den Ortswechsel habe Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) veranlasst. Darüber hinaus habe das Palatinum samt Vorplatz, da sind sich Holzwarth und Renner einig, den zahlreichen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 1250-jährigen Bestehen der Gemeinde im vergangenen Jahr eine perfekte Bühne geboten. „Bis zum heutigen Tag loben die Kunden immer wieder das Ambiente, die schönen Räume“, sagt Renner. Wermutstropfen gibt es trotz allem Erfolg. So ist das Budget von 25 Millionen Mark zwar eingehalten worden, aber laut Holzwarth wurde bei den Bauarbeiten auch manches eingespart, was heute bedauert werde. „Zum Beispiel, dass keine kleineren Nebenräume geschaffen wurden und die Gaststätte nicht über eine eigene Toilette verfügt“, sagt er. Diese Dinge hätten zwar nachträglich korrigiert werden können, „aber das hätte um ein Vielfaches höhere Kosten verursacht“.