Böhl-Iggelheim / Neustadt
Neue Jagdschule in der Pfalz: Mehr Menschen wollen Jäger werden
Ruhe. Entspannung. Natur. „Jagen hat etwas Meditatives“, sagt Kathrin Schindler. „Die Menschen sehnen sich nach Achtsamkeit, gerade in diesen Zeiten.“ Gemeinsam mit fünf Mitstreitern hat die 47-Jährige eine neue Jagdschule im Neustadter Ortsteil Lachen-Speyerdorf gegründet.
„Es ist ein ganz klarer Trend erkennbar, dass mehr Menschen Jäger werden wollen“, betont Schindler. Die Zahl der Jäger steigt in Deutschland. Ende 2024 hatten bundesweit fast 461.000 Menschen einen Jagdschein – ein Rekordwert. Innerhalb von drei Jahrzehnten ist die Zahl der Jagdscheine laut Deutschem Jagdverband um mehr als ein Drittel gestiegen. „Draußen in der Natur zu sein, sich um den Lebensraum der Tiere zu kümmern, das Wild als Lebensmittel zu verarbeiten und zu essen: Das ist alles gerade beliebt“, sagt sie. Die Menschen würden sich nach der Natur und der Stille dort sehnen.
So kam es zur Jagdschule
Schindler ist seit neun Jahren passionierte Jägerin. Sie wollte den Menschen in der Region das Angebot machen, sich auch von der Jagd und der Natur begeistern zu lassen. Deswegen hat sie zusammen mit fünf Mitstreitern eine Jagdschule gegründet. Firmensitz ist in Böhl-Iggelheim, das Übungsgelände bei Neustadt. Schindler selbst hat schon an einer anderen Jagdschule unterrichtet. Gemeinsam mit Franz Sprissler, der bereits 700 Menschen durch die Jagdprüfung gebracht hat – und nun auch Mitgründer des neuen Jagdschulzentrums Pfalz ist. Außerdem im Team sind: Inge Sprissler, Felipe Rössler, Gerd Schmitt und Michael Conder. Letzterer war selbst sogar Schüler von Schindler und will nun das neue Jagdschulzentrum aktiv mitgestalten. „Im Prinzip ist die Idee einer eigenen Jagdschule am Tisch beim Abendessen geboren“, sagt Schindler. Das war vor rund einem Jahr.
Die sechs Gründer haben sich durch die Jagd kennengelernt, seien alles Jäger aus Leidenschaft und sind mittlerweile teils im gleichen Revier aktiv. „Wir haben alle von Anfang an an einem Strang gezogen“, erklärt Conder. „Jeder bringt seine Stärken ein, sonst hätten wir das hier nicht so schaffen können.“ Zwölf Monate später ist aus einer Idee Realität geworden. Am 21. Februar startet das erste Kurswochenende in Lachen-Speyerdorf. „Die Vorfreude ist riesig. Unser Traum geht in Erfüllung“, betont Conder.
So sind die Kurse aufgebaut
Bis dahin war es aber ein harter Weg. „Wir mussten ganz formale Dinge angehen wie etwa notarielle Beglaubigungen oder Genehmigungen der oberen Jagdbehörde. Und dann mussten wir hier in Lachen-Speyerdorf alles vorbereiten und uns um die entsprechende Ausstattung kümmern“, erklärt Kathrin Schindler. „Da ist im vergangenen Jahr schon einiges an Zeit drauf gegangen.“ In ihrem Revier seien sie in den vergangenen Monaten selbst deswegen nicht so oft unterwegs gewesen, wie sie Lust gehabt hätten.
Aber die Vorfreude, bald ihre Schüler unterrichten zu können, überwiege, sagt Schindler. Jeder habe sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert – je nach Stärke und Vorliebe. Während Schindler beispielsweise Naturschutz unterrichtet, doziert Sprissler über Federwild und Conder über Wildkrankheiten.
An sieben Wochenenden findet der Kurs statt, danach wird mündlich, schriftlich und praktisch geprüft. „Der Jagdschein ist recht umfassend. Es ist viel Stoff, den man lernen muss. Locker wird das auf jeden Fall für niemanden“, betont Michael Conder.
Hohes Interesse an Kursen
Alles, was hierzulande gejagt werden kann, sei prüfungsrelevant, erinnert Franz Sprissler. „Deswegen werden schwerpunktmäßig Wildarten wie Wildschwein, Rotwild oder auch Raubwild unterrichtet“, sagt er. Auch ein Seehund zum Beispiel sei im Jagdrecht, „aber der spielt in der Pfalz natürlich keine Rolle, weil es schwimmt nun mal kein Seehund im Speyerbach“, erklärt Sprissler.
Der erste Kurs ist mit zehn Teilnehmern ausgebucht. „Wir haben auch schon Anmeldungen für die nachfolgenden Kurse im Jahr“, erklärt Kathrin Schindler. Je nachdem, wie gut der erste Kurs abläuft, könnten sich die Dozenten auch vorstellen, die Teilnehmerzahl zu erhöhen. Viermal in diesem Jahr bietet das neue Jagdschulzentrum weitere Kurse für den Jagdschein an. Kostenpunkt für die sieben Wochenenden: 2550 Euro. „Aber wir machen das auch nicht aus finanziellen Gründen“, sagt Schindler. Und die Gruppe musste erstmal kräftig investieren. „Alleine die Tierpräparate hier kosten zig Tausende Euro“, erzählt Schindler – und zeigt auf eine Wand voller ausgestopfter Wildtiere.
Räumlichkeiten sehr geeignet
Dass die Jagdschule ihren Unterricht hier überhaupt abhalten darf, bezeichnen die Gründer als Glücksfall. „Wir können den ehemaligen Teil einer Gaststätte des Schützenvereins in Lachen-Speyerdorf nutzen“, erklärt Franz Sprissler. Da er im Schützenverein sehr aktiv ist, kam der Kontakt zustande. „Die leerstehenden Räume hier haben sich für unsere Jagdschule einfach super angeboten“, erzählt der Jäger.
Ein weiterer Vorteil: „Die Schießübungen finden direkt nebenan statt. Andere Jagdschulen müssen oft weit fahren fürs Schießtraining“, sagt Sprissler. Und das Revier, das Franz Sprissler gepachtet hat, befindet sich rund um die Jagdschule. „Wir sitzen sozusagen mitten im Revier.“ Es sei also alles für einen guten Start angerichtet.
Bild des Jägers ändern
Das wichtigste Anliegen der sechs Gründer: Sie wollen die Grundlage für gute, neue Jäger schaffen. „Da wollen wir einen wichtigen Teil dazu beitragen“, sagt Michael Conder. Denn es gebe viele Vorbehalte. „Es kursiert bei vielen noch das Bild im Kopf, dass der Jäger nur umhergeht und Tiere totschießt. Aber genau darum geht es eben nicht. Das Schießen ist der kleinste Teil“, betont Conder. Vielen Menschen fehlte das Verständnis und das Wissen. Alle Jäger müssten sich an Regeln halten, und vor allem Naturschutzaspekte stünden im Fokus. Das Jagen sei wichtig für die Hege und Pflege im Wald, außerdem würden die Lebensräume der Tiere geschützt.
Apropos Tiere: „Eine Jagd ohne Hund ist Schund. Das ist ein alter Jagdspruch, aber der stimmt, wie ich finde“, sagt Conder. Seine Resi sei bei jeder Jagd dabei. Der Deutsch Drahthaar tollt im Schulungsraum der Jagdschule herum. Resi wird dann natürlich auch vor Ort sein, wenn Conder und seine Mitstreiter in wenigen Tagen den ersten Schülern im Jagdschulzentrum in Lachen-Speyerdorf auch die unterschiedlichen Hunderassen und ihre Einsatzbereiche bei der Jagd näherbringen. „Denn auch das gehört zur Prüfung“, betont Conder. „Es wird jetzt einfach Zeit, dass es losgeht. Wir können es kaum erwarten.“
Die Jagdschule im Netz:
www.jagdschulzentrum-pfalz.de