Speyerer Umland Neue Debattenkultur und Pfälzer Kulturgut

Stolze Preisträger bei der Ehrung in Ludwigshafen: Die Clemens-Beck-Grundschule hat mit ihrem Dubbeglas-Film überzeugt.
Stolze Preisträger bei der Ehrung in Ludwigshafen: Die Clemens-Beck-Grundschule hat mit ihrem Dubbeglas-Film überzeugt.

Um neue Tugenden, die in den Otterstadter Gemeinderat Einzug gehalten haben, und um eine Huldigung des Dubbeglases durch Dudenhofener Grundschüler geht es im Wochenrückblick.

Gemeinderat: Es wird so gerne geplaudert

Ortsgemeinderat Otterstadt, acht Tagesordnungspunkte, eineinhalb Stunden Sitzung. Für Otterstadter Verhältnisse ist das ein Sprint. Wir erinnern uns: In der vergangenen Legislaturperiode konnten Rats- und Ausschusssitzungen mehr als vier Stunden dauern. Diese Marathon-Veranstaltungen sind offenbar, hoffentlich oder bitte zum Glück vorbei. Der neue Ortsbürgermeister Theo Böhm (CDU) hat seine Mannschaft gut im Griff, führte am Mittwochabend souverän durch die Sitzung und übergab das Wort immer an seine Beigeordneten-Kollegen Lothar Ritthaler (CDU) und Harald Endres (gkL), wenn es um deren Verantwortungsbereiche ging.

Endres war es auch, der in eine Debatte, die kurz auszuufern drohte, Struktur und Disziplin hineinbrachte. Es ging um das angedachte Wohnprojekt für ältere Menschen in der Speyerer Straße (Gress-Projekt), für das ein Lenkungskreis Ideen und Vorschläge erarbeiten soll. Der Lenkungskreis setzt sich aus Vertretern aller Ratsfraktionen sowie der Ortsspitze und Verwaltung zusammen, Entscheidungen darf nur der Rat treffen. Das ein oder andere Ratsmitglied wollte aber schon mitreden, bevor der Lenkungskreis überhaupt zum ersten Mal getagt hat. Birgid Daum (BIO) regte eine Vor-Ort-Begehung in dem Anwesen an, weil der Großteil der Kommunalpolitiker das Gebäude bislang nicht von innen gesehen hat. Ihr Mann Lothar Daum wollte wissen, ob Lothar Ritthaler jetzt auch dem Lenkungskreis vorsteht – altbekanntes Misstrauen des BIO-Manns gegenüber CDU-Politikern. Und Sonja Regenauer (CDU) erwähnte noch einmal, ein ähnliches Wohnprojekt in Kirrweiler als Vorbild zu nehmen. Es wurde geredet und geredet und dann kam Harald Endres: „Wir sollten nicht jetzt schon alles diskutieren, sondern den Lenkungskreis Vorschläge erarbeiten lassen“, sagte er. Sein Wort in Gottes Ohr. Die Ratsmitglieder gehorchten.

Da passte es ganz gut, dass Birgid Daum zum Ende der Sitzung von den drei Obrigkeiten sprach, die sich Mühe geben – gemeint waren die drei Mitglieder der Ortsspitze, Böhm, Ritthaler, Endres. Gelächter im Saal. Zuvor hatte Daum ihr Missfallen darüber zum Ausdruck gebracht, dass in Sachen gärtnerbetreutes Grabfeld auf dem Friedhof immer noch nichts passiert ist. Das ist übrigens auch so ein Thema, über das in Otterstadt schon Endlos-Debatten geführt wurden. Jetzt soll es im Friedhofsausschuss besprochen werden. Es war Heike Schneider (SPD), die Birgid Daum ermahnt hatte, gnädig mit der neuen Ortsspitze zu sein. „Sie geben sich echt Mühe“, sagte Schneider und Daum pflichtete ihr bei.

Gelächter gab es ebenso, als ein Ratsmitglied erklärte, wie man effektiv invasive Ameisen-Arten bekämpft, sprich über den Jordan bringt. Der Name des Ratsmitglieds bleibt hier bewusst unerwähnt, nicht dass Tierschützer auf den Plan gerufen werden. Und wenn Sie sich jetzt wundern, welche Themen in einer Ratssitzung alles angesprochen werden, von denen auf der Tagesordnung nie die Rede war: In Otterstadt ufert der Punkt „Anfragen der Ratsmitglieder“ immer aus, dauerte in der Vergangenheit schon mehr als eine halbe Stunde und wird häufig zur Plauderstunde – Unterhaltung garantiert.

Filmwettbewerb: Ein Hoch aufs Dubbeglas

Der Pfälzer liebt sein Dubbeglas. Das gilt generationenübergreifend – auch wenn der Nachwuchs natürlich Traubensaft statt Weinschorle daraus schlürft. Was läge also bei einem Filmwettbewerb mit dem Titel „40 Sekunden meine Pfalz“ näher, als das ikonische Trinkgefäß in den Mittelpunkt zu stellen? Für die Klasse 3b der Dudenhofener Clemens-Beck-Grundschule, die dafür einen Beitrag bei der Medienanstalt Rheinland-Pfalz einreichen wollte, jedenfalls nichts. Und so stand das Thema, das die Schüler gemeinsam mit Klassenlehrerin und Konrektorin Heike Jochim sowie Fachlehrer Andreas Blättner festlegten, schnell fest. „Was mer mit’m Dubbeglas alles ohstelle kann …“ lautet der Titel des Streifens, der Dudenhofen als Film-Metropole auf der Landkarte platzieren könnte – Spargelwood statt Hollywood sozusagen. Gedreht hat die damalige 2b ihre filmische Liebeserklärung ans Dubbeglas Ende des vergangenen Schuljahres. Die Kinder hätten so viele Ideen für die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Gläser gehabt, dass sogar noch eine längere Version des Films erstellt wurde, mit dem die Klasse beim Bürgermedienpreis Rheinland-Pfalz sowie beim Speyerer Wellensiek-Preis mitmachen will, berichtet Blättner. Die Verantwortlichen der Medienanstalt waren jedenfalls von den kreativen Dubbe-Dudenhofenern überzeugt: Die Klasse gewann den Hauptpreis von 300 Euro.

Ein schönes Wochenende wünschen Nadine Klose und Timo Leszinski

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