Otterstadt
„Älter werden in Otterstadt“: Wohnprojekt soll jetzt Fahrt aufnehmen
Felix Gress saß am Mittwochabend vor den Mitgliedern des Otterstadter Bau- und Umweltausschusses, die zu einer gemeinsamen Sitzung ins Rathaus gekommen waren. Der Mann aus Römerberg will sein Elternhaus und das dazugehörige Grundstück in der Speyerer Straße für ein Wohnprojekt für ältere, hilfs- und pflegebedürftige Menschen zur Verfügung stellen. Er bot der Gemeinde vor mehr als einem Jahr eine Zusammenarbeit an. Sie bietet sich an, weil ihr das benachbarte Gebäude mit der Hausnummer 34 gehört. Zusammen könnte ein rund 1000 Quadratmeter großes Areal für das Wohnprojekt entstehen. Das Gemeindegebäude stehe zurzeit sowieso leer und müsste saniert werden, sagte Lothar Ritthaler (CDU), der nach den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr seit Ende August neuer Erster Beigeordneter der Ortsgemeinde ist.
Ritthaler, der ebenfalls neue Ortsbürgermeister Theo Böhm (CDU) und Felix Gress haben im Dezember eine Absichtserklärung unterzeichnet. Der Investor sagte, dass er Verständnis für die Verzögerungen habe, die mit den angesprochenen Kommunalwahlen und dem damit verbundenen Wechsel an der Ortsspitze und in den politischen Gremien begründet wurden.
Gress erläuterte, dass das Vorhaben mehr als ein Bauprojekt sei, sondern als „Aufbruch für das künftige Zusammenleben von älteren und jüngeren Menschen in Otterstadt“ angesehen werden könne. „Das Projekt soll dazu dienen, dass Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt leben und wohnen können und dafür ihren Heimatort und ihre sozialen Kontakte nicht verlassen müssen“, sagte Gress. Er betonte, dass er sich auf die Zusammenarbeit und den „frischen Wind des frisch gewählten Rats“ freue. Gleichzeitig hielt er mit seinen Erwartungen nicht hinter dem Berg: „Das soll kein Hobby werden, bis ich 80 bin. Wir sollten das jetzt durchziehen.“
Lenkungskreis soll nächste Schritte vorbereiten
In der Ausschusssitzung wurde ein Lenkungskreis ins Leben gerufen, der die nächsten Projektschritte vorbereitet und begleitet. Dem Gremium sollen neben Felix Gress unter anderem die Ortsspitze, Vertreter jeder politischen Kraft im Gemeinderat, des Seniorenbeirats und der Verbandsgemeindeverwaltung angehören. Als Berater könnte Harald Nier, Diplom-Psychologe aus Waghäusel, hinzugezogen werden. Er ist einer der wenigen Beauftragten des Landes für das Projekt „WohnPunkt RLP – Wohnen mit Teilhabe“ und hat bereits in der Projektgruppe „Älter werden in Otterstadt“ mitgewirkt.
Gress erwartet von dem Lenkungskreis, dass dieser einen Nutzungskatalog für das Gelände erstellt und die Wünsche priorisiert. Die Rede ist von einer Tagespflegeeinrichtung und Apartments. Außerdem ginge es darum, ein Baumodell zu entwickeln, die Kosten und den Träger zu klären sowie einen Bau- und Erschließungsplan auf den Weg zu bringen. Der Lenkungskreis kann laut Lothar Ritthaler allerdings keine Entscheidungen für die Gemeinde treffen. Dieses Recht haben allein die politischen Gremien.
Bianca Staßen (SPD) ist froh, dass das Projekt Fahrt aufnehmen soll und sieht es auch als „Begegnungsstätte für alle Generationen“ an. Sonja Regenauer (CDU) erinnerte an ein ähnliches Vorhaben in Kirrweiler, woraufhin Eckhard Sans (gkL) und Lothar Daum (BIO) anregten, sich dieses Projekt vor Ort sowie das Gress-Areal in Otterstadt noch einmal anzuschauen.