Römerberg
Natur-Kita-Gruppe: Waldromantik Fehlanzeige
Wohlweislich wird die Gruppe, die organisatorisch an die katholische Kita St. Marien angeschlossen sein soll, seit einiger Zeit in den Planungen der Gemeinde nicht mehr als „Wald-Kita-“, sondern als „Natur-Kita-Gruppe“ bezeichnet. Denn Wald im Sinne größerer zusammenhängender Baumbestände ist vom geplanten Standort doch ein ganzes Stück entfernt – anders als beispielsweise bei der geplanten Wald-Kita in Waldsee, die ihren Stützpunkt tatsächlich auf einer Waldlichtung haben soll. Die Römerberger Kita-Gruppe soll hingegen auf einem gemeindeeigenen Gelände westlich des Fußballvereins Heiligenstein „In den Rauhweiden“ ihren Platz bekommen – in der Nähe des Wendehammers, wo in der Vergangenheit die Hako-Rennen stattfanden.
Der fehlende Wald ist aber nicht der einzige Nachteil, der in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung Erwähnung fand. So sei als erhebliches Manko bei einem Ortstermin mit Vertretern von Kreis- und Landesjugendamt kritisiert worden, dass es im Sommer nicht genügend Schattenplätze gibt, um Erzieherinnen und Kinder vor der Hitze zu schützen. In jedem Fall müsste eine Schutzhütte für extreme Witterungsverhältnisse gebaut sowie Ver- und Entsorgungsleitungen gelegt werden. Weitere Argumente, die gegen den Standort sprechen, führte Helge Harder (CDU) an: So werde die nahegelegene Straße stark von Lkw frequentiert und es gebe ein großes Druckwasserproblem in dem Bereich.
Andere Standorte ausgeschieden
Warum also keinen anderen Standort suchen? So galt vor wenigen Monaten noch ein Platz in der Nähe der Heiligensteiner Grillhütte als Favorit. Doch der ist laut Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) nicht mehr im Rennen. Die möglichen Aufenthaltsorte für die Kinder in der Nähe seien abgelaufen, aber letztlich abgelehnt worden. „Es sollen keine fertigen Orte sein, sondern welche in der Natur“, lautete die Erklärung des Bürgermeisters. Den Bereich der Jugendfreizeitstätte in Mechtersheim habe das Forstamt abgelehnt, und auch in Berghausen käme kein Standort in Frage. Ein Problem stelle dar, dass es in Römerberg viele Naturschutzgebiete gebe, die nicht als Standort für die Natur-Kita-Gruppe genutzt werden dürften. Die Wiese „In den Rauhweiden“ stehe hingegen nicht unter Naturschutz.
Dass es auf dem ehemaligen Hako-Rennen-Gelände klappt mit der geplanten Kita-Gruppe ist allerdings auch noch nicht in trockenen Tüchern, wie der Bürgermeister berichtete. „Es muss sichergestellt sein, dass es genügend Aufenthaltsmöglichkeiten in der Natur in der Nähe gibt“, sagte Hoffmann. „Solche Flächen müssen wir noch nachweisen.“ Sollte außerdem eine Lösung für das Problem fehlender Beschattung gefunden werden, sähen die Jugendämter das Gelände als geeignet an.
Keine Begeisterung
Im Ortsgemeinderat hielt sich die Begeisterung für den offenbar einzig möglichen Standort in engen Grenzen: „Unter Natur-Kita hat sich wahrscheinlich jeder etwas anderes vorgestellt als eine Kita im Gewerbegebiet“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Mathias Müller. „Es widerstrebt mir, einen Auftrag an die Bauabteilung rauszugeben, wenn wir den Standort eigentlich garnicht wollen.“ Sein Fraktionskollege Günter Walburg zweifelte das Argument an, dass andere Standorte durch viele Naturschutzgebiete ausgeschlossen seien. In Waldsee handle es sich beim Kita-Standort auch um Auwald. Und Naturschutzgebiete gebe es in Römerberg gar nicht so viele, sondern Landschaftsschutzgebiete.
Herbert Martin Kälberer (SPD) bekannte zwar, sich nach einem Ortstermin „ziemlich desillusioniert“ gefühlt zu haben. Gleichwohl machte er klar, dass Römerberg die zusätzlichen Kita-Plätze brauche und äußerte die Befürchtung, dass es in der laufenden Legislaturperiode nichts mehr damit wird. „Wir wollen die Kita an dem Standort, weil wir eine Kita brauchen“, sah es auch Jürgen Schall (Grüne) pragmatisch. „Es bleibt uns nichts anderes übrig“, schloss sich auch Käthe Maier (CDU) dieser Argumentation an. Bei zwei Enthaltungen beschloss der Gemeinderat, den ausgesuchten Platz als Standort für eine Schutzhütte zur Verfügung zu stellen.
