Altrip
Nachwuchstaucher legen Prüfung im Jägerweiher ab
„Ihr seid in mein Reich eingedrungen und habt mich verärgert“, grollte die Wassergöttin zuerst noch. Um sie zu besänftigen, zeigten ihr junge Leute in Taucheranzügen, mit Masken, Schnorchel und Flossen gerüstet, einen Tanz. Natürlich sah das drollig aus, denn Taucher auf dem Trockenen watscheln nicht unbedingt elegant daher. Aber die Herrscherin der Unterwasserwelt war versöhnt. Simone Dungs vom Tauchsportclub Speyer verkörperte die Gottheit, die dieses mal nicht als Neptun, sondern Neptunia erschien. Götter dürfen das. Dann wurden die jungen Leute feierlich in die Reihen der tauchenden Jünger aufgenommen.
Am Samstagabend war der Abschluss des Jugendzeltlagers mit der „Tauchertaufe“. Die Jugendlichen, die gerade getanzt haben, müssen vor Göttin Neptunia niederknien, mit Maske und Schnorchel. „Ich taufe Dich auf den Namen ...“, und dann kommt meist eine Kombination von Vorname und Unterwasserlebewesen. Die Täuflinge bekommen alkoholfreien Kindersekt in ihren Schnorchel gefüllt, den sie leer trinken müssen. Da wird auch mal gehustet. Neptunia ist zufrieden, und der letzte Abend des Zeltlagers klingt am Lagerfeuer aus.
Würdig erwiesen haben sich die Nachwuchstaucher, weil sie zuvor an Kursen teilgenommen haben. Ähnlich wie bei Jugendlichen, die sich schwimmend über Wasser halten und dafür Abzeichen machen können, gibt es auch für den Tauchsport-Nachwuchs Leistungsnachweise in Bronze, Silber und Gold. „Die Jugendlichen machen eine Ausbildung in mehreren Stufen“, erklärt Peter Gaa aus Mutterstadt, der Präsident des LVST. Die Ausbildung beginnt in der sicheren Umgebung eines Hallenbads und geht dann im freien Gewässer weiter – wie hier im Jägerweiher. Im Gegensatz zum Hallenbad gibt es hier auch echte Bewohner der Unterwasserwelt zu sehen.
Im Jägerweiher gibt es Hechte und Welse, beides Fischarten, die ziemlich groß werden können. „Also zweieinhalb Meter hat der Wels bestimmt gehabt“, sagt Felicitas Bleichner, eine 14-jährige Taucherin aus Klingenmünster. Als der Reporter leise Zweifel anmeldet, bringt einer der Jugendlichen ein Foto zum Beweis. Einige der jungen Leute fotografieren bei ihren Tauchgängen. Wasserdichte Kameras sind inzwischen handlich klein und günstig zu haben. Deshalb gehört auch ein Fotowettbewerb zum Jugendzeltlager, bei dem Sachpreise vergeben werden.
Die vier Tage am Jägerweiher waren leider ziemlich verregnet. Nun sind Taucher zwar nicht wasserscheu, aber abends am Lagerfeuer ist es schon schöner, wenn es nicht von oben gießt. Zum Glück hat das noch geklappt. „Das ist schon schön, wenn man mit den Freunden da im Kreis sitzen kann“, sagt Leonard Blaszczyk. Der 14-Jährige aus Gau-Algesheim (Kreis Mainz-Bingen) taucht schon die Hälfte seines Lebens und ist zum dritten Mal beim Zeltlager am Jägerweiher.
„Wir machen das seit mindestens 30 Jahren“, sagt Gaa. Aus der Vorderpfalz sind es die Tauchclubs aus Speyer, drei Clubs aus Ludwigshafen sowie aus Frankenthal mit Jugendlichen aus den Städten und dem Rhein-Pfalz-Kreis. Auch aus dem Rest des Landes sind Clubs vertreten. Zum Landesverband gehören 42 Tauchclubs. Tauchen dürfe man nur, wo es ausdrücklich erlaubt ist, erklärt Gaa. 50 Jugendliche im Alter von acht bis 16 Jahren aus ganz Rheinland-Pfalz und 30 Erwachsene sind dieses Mal beim Zeltlager dabei.
Der Jägerweiher habe an diesem Wochenende 17 Grad Wassertemperatur. Die Sichtweite liege bei etwa drei Metern, an der tiefsten Stelle reiche der Weiher etwa zehn Meter abwärts. Welche Fische es zu sehen gibt, zeigen die Betreuer auf farbigen Tafeln: Zander, Wels, Hecht, Barsch, Karpfen und Aal sind hier abgebildet. Die Tauchgänge der Jugendlichen, die sich alle mit Anzügen warm halten, dauern maximal 20 Minuten. Wer unter 14 Jahre ist, darf einmal am Tag unter Wasser, die Älteren zweimal.
Auf dem Zeltplatz haben die Tauchsportler auch Technik aufgebaut, zum Beispiel einen Kompressor, um die Pressluftflaschen zu befüllen. Erstmals dabei ist der Landesbeauftragte für Inklusion, der den Jugendlichen vermittelt, wie Menschen mit Behinderungen am Tauchsport teilnehmen können.