Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Inklusion unter Wasser: Tauchen für Menschen mit Behinderungen

Die Probleme behinderter Menschen kennenlernen: Teilnehmer des Jugendzeltlagers üben den Umgang mit Rollstühlen auf dem Weg zum
Die Probleme behinderter Menschen kennenlernen: Teilnehmer des Jugendzeltlagers üben den Umgang mit Rollstühlen auf dem Weg zum Wasser.

Menschen mit Behinderungen können die Unterwasserwelt entdecken. Beim Jugendzeltlager des Landesverbands Sporttauchen in Altrip (Rhein-Pfalz-Kreis) hat dessen Beauftragter für Inklusion über Möglichkeiten informiert, gemeinsam zu tauchen.

„Das Tauchen bietet für Menschen mit Behinderungen viele Möglichkeiten, sich selbst neu zu erleben“, sagt Lars Beyer, der als Inklusionsbeauftragter beim viertägigen Zeltlager dabei ist. Beyer ist ausgebildeter Tauchlehrer für Menschen mit Behinderungen. 50 Jugendliche aus ganz Rheinland-Pfalz und 30 Erwachsene sind in Altrip dabei, darunter sind dieses Mal noch keine Taucher mit Behinderungen. Zur Inklusion gehöre, dass über die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen informiert werde und Möglichkeiten der Teilhabe gesucht werden, erklärt Beyer.

Er hat in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund (LSB) ein Informationsangebot zusammengestellt. Wichtiger Punkt für die Tauchsportler ist dabei, wie sie selbst für Menschen mit Behinderungen aktive Partner und Helfer sein können. Dazu gehöre, selbst ein Gefühl für körperliche Einschränkungen zu bekommen. Vom LSB hat Beyer dafür Material mitgebracht: verschiedene Brillen, die Sehbehinderungen simulieren, und Rollstühle. „Menschen, die außerhalb des Wassers auf Rollstühle angewiesen sind, können im Wasser beim Tauchen ganz neue Erfahrungen machen und ihren Körper neu erleben“, erklärt Beyer.

Barrierefreier Zugang nötig

Ein Problem sei dabei nicht das Wasser, sondern der Weg dorthin. Da gebe es auch am Jägerweiher noch einiges zu verbessern. „Für Rollstuhlfahrer ist es wichtig, einen barrierefreien Zugang zu haben. Dazu gehört ein rollstuhlgerechter Weg zum Tauchgewässer und dort dann eine Rampe, die den Weg ins Wasser ermöglicht“, erklärt Beyer. Für die Kinder und Jugendlichen hatte er eigentlich einen Rollstuhl-Parcours geplant, der ein Gefühl für die Bedürfnisse der Rollstuhlfahrenden wecken sollte – allerdings machte der vom Regen aufgeweichte Boden das unmöglich. Erst am letzten Tag versuchten sich Kinder beim Spiel mit Rollstühlen.

Menschen, die auf dem Land körperlich eingeschränkt sind, können im Wasser unter geeigneten Umständen neue Erfahrungen machen. „Menschen, die teilweise gelähmt sind, können beim Tauchen ihren Körper als schwerelos erleben“ erklärt Beyer. Für Menschen, die außerhalb des Wasser nur sitzen könnten, sei dies ein besonderes Erlebnis. Auch Menschen, denen Gliedmaßen fehlen, können tauchen: Unter den Tauchlehrern im Landesverband sei ein Mann, dem ein Bein fehle.

„L“ steht für „Low Sugar“

Es gibt einige körperliche Voraussetzungen, die gegeben sein müssen. Ulrich Döhner, Arzt und ausgebildeter Spezialist für Medizin des Tauchsports, ist als Betreuer und Leiter des Sanitätsteams vor Ort. „Die Trommelfelle müssen in Ordnung sein, die Lunge und das Herz müssen gesund sein“, erklärt er. Das seien dieselben Voraussetzungen, die auch bei Tauchern ohne körperliche Einschränkungen erfüllt sein müssen. Taucher unter 40 Jahre müssen alle drei Jahre ihre Fitness nachweisen, über 40 Jahre sogar jedes Jahr, erklärt Döhner.

Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sei es wichtig, beim Tauchen Partner zu haben, die ihre Bedürfnisse kennen und im Notfall auch helfen können. Als Beispiel nennt er Diabeteskranke. Hier kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Folgen können Benommenheit und Orientierungslosigkeit sein. Hier könne der Betroffene seinen Tauchpartnern ein Zeichen geben: Döhner zeigt mit den Finger ein „L“, das international für „Low Sugar“, niedrigen Blutzucker, stehe. Der Tauchpartner könne dann dem Betroffenen eine Zuckerlösung verabreichen. Das sollte aber zuvor geübt werden.

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