Otterstadt
Mit dem Verein Ortsbild geprägt und Menschen beglückt
Otto Berthold kann es manchmal selbst kaum fassen, was er und seine Mitstreiter in den vergangenen 26 Jahren alles mit dem VHNO in und für Otterstadt gemacht haben. Alleine rund 100 Veranstaltungen waren es, berichten Berthold und Rudi Regenauer, der neue Mann an der Vereinsspitze. Otto Berthold hat 1977 bereits zu den Gründervätern des so rührigen Vereins gehört. „Ich bin eines Tages aufgewacht und die Pappeln in der Fahrlache waren weg“, erinnert sich der Otterstadter. Diese seien damals, als Naturschutz noch ein Randthema war, kurzerhand gefällt worden, weil ihr Flaum auf die Tennisplätze fiel. Der Anblick der so veränderten Landschaft habe ihn geschockt, erinnert sich Berthold. Deshalb habe damals ein Grüppchen Gleichgesinnter die Gründung des VHNO angestoßen, dem die Bewahrung der Natur, aber auch der dörflichen Gemeinschaft ein Anliegen war und ist.
Bis Otto Berthold zum Vorsitzenden gewählt wurde, vergingen dann noch einmal fast 20 Jahre. 1996 wurde er Nachfolger von Rudi Flory. „Ich habe gesagt, ich mache es erst, wenn ich in Ruhestand bin. Als es soweit war, haben sie mich beim Wort genommen“, blickt der 83-Jährige zurück. Zusammen mit einem Kreis von hoch engagierten Mitstreitern – Rudi Regenauer nennt sie die „goldene Generation“ – hat Berthold seitdem die unterschiedlichsten Ideen umgesetzt, auf die sich hier nur auszugsweise Schlaglichter richten lassen: Fast jeder dürfte den auffälligen Wappenkreisel zwischen Otterstadt, Speyer und Waldsee kennen. „Das war unsere Idee“, sagt Otto Berthold stolz. Nicht nur das: Auch hat der Verein die Wappen selbst angefertigt und den Kreisverkehr ansprechend gestaltet. „Vorher war das ein Schandfleck“, weiß der langjährige VHNO-Vorsitzende noch.
Brunnen als Geschenk
Ein Geschenk an die Otterstadter sollte ein Brunnen sein, den der Verein anlässlich seines 25-jährigen Bestehens bauen ließ. Für diesen konnte der VHNO den renommierten Bildhauer Gernot Rumpf gewinnen. Seit 2004 sprudelt der Otterdritschebrunnen in der Lindenstraße. Auch der 2021 in Betrieb genommene Glockenbaum auf dem Erich-Flory-Platz sollte ein Geschenk des Vereins an das Dorf sein – diesmal anlässlich des 1000-jährigen Bestehens. Otto Berthold lässt durchblicken, dass ihn die Reaktionen aus der Politik damals enttäuscht haben – es gab längere Diskussionen darüber im Ortsgemeinderat. In der Bevölkerung werde der Glockenbaum, der derzeit als Zeichen gegen den Krieg auch die ukrainische Nationalhymne spielt, gut angenommen. Insgesamt sei das Verhältnis des Vereins zur nicht immer einfachen Otterstadter Ortspolitik meist gut gewesen, findet Rudi Regenauer. „Wir haben den Eindruck, dass man den Verein zu schätzen weiß.“ Der Verein beziehe zwar bei umweltpolitischen Themen Stellung, sei aber überparteilich.
Ein besonderes Anliegen sind dem VHNO die Störche, deren Wiederansiedlung in Otterstadt er beförderte. 50 Jahre lang habe es die Tiere im Dorf nicht mehr gegeben, bis der Verein – zunächst im Koller, dann im Ort selbst auf der Schule – Nester baute. Mithilfe eines flugunfähigen Storchs in einer Voliere wurden die ersten Tiere angelockt. Bald darauf brütete das erste Storchenpaar in Otterstadt. „Seitdem wurden 40 oder 50 Jungstörche hier hochgezogen“, freut sich Otto Berthold. Für das Nest auf dem Schuldach wurde jüngst eine neue Webcam in Betrieb genommen, auf die sogar aus Amerika oder Südafrika zugegriffen wird. Und falls es noch eines Beweises bedarf, dass der Nachwuchs vom Klapperstorch gebracht wird: Nach der Rückkehr der Störche nach Otterstadt sei er binnen zweieinhalb Jahren fünffacher Opa geworden, berichtet Berthold augenzwinkernd.
Prominente Gäste
Nicht nur fürs Ortsbild und für die Natur hat der VHNO unter Otto Berthold viel getan. Ein Riesenerfolg waren stets die Vorträge von interessanten Persönlichkeiten, die der Verein in das Dorf lotste. Den Survival-Experten und Aktivisten Rüdiger Nehberg sprach Otto Berthold vor Jahren kurzerhand bei einem Vortrag in Hockenheim an und fragte, ob er nicht auch nach Otterstadt kommen wolle. Und er kam. Genauso wie Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, Fotograf Michael Martin und viele andere, die abenteuerliche Geschichten zu erzählen hatten. Eine Abenteurer-Ader hat Otto Berthold auch selbst: Von Otterstadt bis nach Santiago de Compostela sei er in Etappen gelaufen, und ums Mittelmeer sei er gesegelt, insgesamt rund 70 Länder habe er bereist, erzählt er ganz nebenbei. Doch das Herz ist und bleibt in Otterstadt, wo der 83-Jährige aufgewachsen ist und schon immer lebt.
Von der Verköstigung von hunderten Besuchern in einer eigens eingerichteten und liebevoll gestalteten „Kerwestubb“ über ein Theaterstück zur Gründung der heutigen Verbandsgemeinde Rheinauen vor acht Jahren, bei dem sogar der Landrat mitspielte, bis zu einer 14 Meter langen Attrappe einer Lokomotive, die beim Karpfenfest-Umzug durchs Dorf gezogen wurde – es ließe sich noch vieles aufzählen, was Otto Berthold in den Sinn kommt, wenn er an Aktionen des VHNO in den vergangenen 26 Jahren denkt. Eines der letzten größeren Projekte, bevor Corona den Verein wie so viele andere zu einer Zwangspause verdammte, war das Anlegen einer Mandelbaum-Allee in der Fahrlache. Sie ist nicht weit entfernt von den Pappeln, deren Fällung einst Otto Berthold schockte und eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte namens VHNO einläutete.