Mutterstadt
Leute im Landkreis: Ein Spätromantiker als Vorbild
„Wo ich das herhabe, weiß ich selbst nicht“, antwortet Heinz Hub auf die Frage nach den künstlerischen Genen in seiner Familie und schmunzelt. Ein Onkel sei kalligrafisch talentiert gewesen, er selbst dagegen habe bereits im Vorschulalter – „also eigentlich schon immer“ – gerne gezeichnet. Von Beruf war der 79-jährige Chemie-Ingenieur und genießt seinen Ruhestand. In jungen Jahren war er in seiner Freizeit begeisterter Leichtathlet. 1973, mit 30, beendete er aber seine aktive Karriere als Mittel- und Langstreckenläufer und begann hobbymäßig zu malen. Doch er wollte nicht nur seiner „Passion frönen“, sondern noch etwas draufsetzen.
Über die Ölmalerei kam er zum Aquarellieren und entwickelte dabei eine eigene Technik. „Ich male so, wie wenn ich in Öl malen würde, mit ganz wenig Wasser“, erklärt der Senior. Dabei ist Heinz Hub Autodidakt, er hat nie einen Kurs oder ein Kunstseminar besucht. Motive wie Dorfidyllen mit Gassen, Winkeln und Häusern, aber auch Stillleben, Landschaften und Blumen reizen ihn. Dabei möchte er diese möglichst naturgetreu wiedergeben. Sein Vorbild ist der deutsche Maler und Zeichner der Spätromantik und des Biedermeiers, Carl Spitzweg – wegen dessen Fähigkeit, Feinheiten, Licht und Schatten sowie Tiefe herauszuarbeiten, erläutert Hub.
30 Tage lang
Malte Heinz Hub zunächst nur für sich selbst, ging er bald dazu über, gemalte Glückwunschkarten zu verschenken, die er später gerahmt wiederfand. „Das nächste Mal kann ich gleich Bilder im Rahmen mitbringen“, war die logische Konsequenz, die er daraus zog, und damit die Hürde überwunden, nach zehn Jahren mit seiner Kunst auch in die Öffentlichkeit zu gehen. In 15 Einzel- und Gruppenausstellungen hat er seine Werke inzwischen präsentiert, sogar in Südtirol waren sie zu sehen, aber auch in seiner Heimat, etwa 2017 in der Ausstellung „Mutterstadt: Gestern – Heute“ zum 1250-jährigen Bestehen der Gemeinde.
Im Januar des vergangenen Jahres bekam er eine besondere Anfrage. Alexandra Ries, Leiterin des Mutterstadter Seniorenstifts Pro Seniore, suchte jemanden, der Gemälde von Mutterstadt hat, die für die Heimbewohner als Bezug dienen könnten. Kurzerhand fotografierte Heinz Hub seine Gemälde ab und spendierte mit den Abzügen für die Flure der Seniorenresidenz neue Hingucker. Im Mai hatte man die Idee, mit einem Altarbild der protestantischen Kirche einen zukünftigen neuen Andachtsraum im Keller des Seniorenstifts zu verschönern. Der Künstler nahm die Herausforderung an und investierte 30 Tage mit 134 Malstunden, um ein 2,3 Meter hohes Wandbild mit einer Fläche von sechs Quadratmetern in Acryl an die Wand zu zaubern. Dafür fotografierte er vorab das Original, um es schließlich auf den Maßstab eins zu zehn herunterzubrechen. So der Plan. Unzählige Male habe er versucht, für die Aufnahmen jemanden im Pfarrbüro zu erreichen. Als man ihm endlich einen Schlüssel aushändigte und er die Kirchenpforten öffnen wollte, stand das Portal sperrangelweit auf, da für den Gottesdienst gerade Blumen arrangiert wurden. „Soweit mein Schlüsselerlebnis“, berichtet Hub und lacht.
Porträts lehnt er ab
An die Arbeiten an dem Gemälde im Andachtsraum erinnert er sich gern. „Es war eine herrliche Ruhe im ,Tatort Keller’. Oft kam ich mir vor wie ein einsamer Höhlenmaler in der Urzeit“, beschreibt er die Atmosphäre. Geld hat er dafür nicht verlangt. Auch sonst engagiert sich der Vater einer Tochter (46) und eines Sohnes (43) ehrenamtlich: 1992 trat er in den Verein Pfälzer Maler ein und war sechs Jahre lang Vorsitzender. Seit 1980 ist der gebürtige Ludwigshafener Mitglied in der Mutterstadter Ortsgruppe des Historischen Vereins der Pfalz und Gründungsmitglied sowie Leiter der Arbeitsgruppe „Kunst- und Galeriewesen“. 2010 wurde er zum Turmmaler von Lambsheim ernannt. Und aus dem Verkaufserlös seiner Werke spendet er seit 2003 regelmäßig für die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung.
Es gibt fast nichts, was Heinz Hub nicht auf die Leinwand bringen kann, darunter auch individuelle Auftragsarbeiten. Nur Porträts lehnt er ab. „Ich würde die Leute so malen, wie sie aussehen, und möchte aber, dass sie mich weiterhin freundlich grüßen“, sagt er mit seiner humorvollen Art. 3170 Bilder hat er in seinem Künstlerleben schon gemalt, alle chronologisch mit laufender Nummer und charakteristischen Daten festgehalten in seinem Arbeitsbuch. Alle haben für ihn einen persönlichen Stellenwert. Fest steht für ihn: „Hinter jedem Bild steckt eine Erinnerung.“