Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Landratswahl: Ein Fünfkampf zeichnet sich ab

Wer bezieht im Kreishaus am Ludwigshafener Europaplatz das Büro des Landrats? Es zeichnet sich ab, dass fünf Kandidaten auf dem
Wer bezieht im Kreishaus am Ludwigshafener Europaplatz das Büro des Landrats? Es zeichnet sich ab, dass fünf Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen werden.

Der vorgezogene Wahltermin am 23. Februar 2025 hat alle Parteien unter Zugzwang gesetzt. Der Termin ist tatsächlich auch der erste mögliche für die Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin von Clemens Körner (CDU). In die Diskussion, wer auf dem Chefsessel im Kreishaus Platz nehmen wird, kommt jetzt langsam Bewegung.

Die Grünen schicken mit dem Altriper Maurice Kuhn (26) den Vorsitzenden ihrer Fraktion im Kreistag ins Rennen. Das Votum von Kreisvorstand und Kreistagsfraktion sei einstimmig gewesen, berichtet der Parlamentsangestellte im RHEINPFALZ-Gespräch. „Wir wollen den Menschen im Kreis ein Angebot machen, denen grüne Zukunftsthemen wie zum Beispiel Klimaschutz wichtig sind.“ Gleichzeitig sehe er seine Kandidatur auch als positives Zeichen, dass „junge Biografien unterstützt werden“. Allerdings muss Kuhns Kandidatur bei einer Mitgliederversammlung finalisiert werden.

Seinen Hut in den Ring werfen will auch der Neuhofener Bürgermeister Ralf Marohn (FDP). Es sei ihm bewusst, dass sich im Fall eines Wahlsiegs seine berufliche Situation verändern würde. Weshalb er vorsichtshalber Vorbereitungen treffe, sich aus den geschäftsführenden Positionen, die er begleite, zurückzuziehen. „Ich betreibe das mit dem ernsthaften Ziel, Landrat zu werden“, betont Marohn im RHEINPFALZ-Gespräch, der zehn Jahre lang Beigeordneter in Neuhofen war und seit sieben Jahren Bürgermeister des Ortes ist. Sollte er die Wahl gewinnen, würde er Bürgermeister bleiben, sagt der 57-Jährige. Und er läutet gleich den Wahlkampf ein: „Ich bin nach meinem Wissen der einzige Bewerber, der schon mal eine Direktwahl gewonnen hat“, sagt er selbstbewusst. Der Auslöser, sich um das Amt zu bewerben, sei der geplante Umzug der Kreisverwaltung nach Schifferstadt. Da sei er anderer Meinung als die Kreisverwaltung. Die Kreis-FDP muss ihn noch bei einer Mitgliederversammlung als Kandidaten wählen. Das soll noch vor Weihnachten passieren.

Ebenfalls vor Weihnachten will die AfD eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Denn auch sie hat „Bestrebungen, in Richtung Kandidatur für das Landratsamt etwas zu machen“, sagt Stefan Scheil, Kreisvorsitzender der Partei. „Wir haben jemanden, der das machen möchte.“ Wer genau das sei, das wolle er noch nicht sagen. Aber immerhin so viel: „Es ist ein Mann.“

Knörr würde sich freuen

Die CDU hat angekündigt, am Montag, 16. Dezember, ab 19 Uhr im Maxdorfer Carl-Bosch-Haus ihren Kandidaten zu nominieren, aber offiziell noch keinen Namen genannt. Der Name, der in den vergangenen Wochen am häufigsten fiel, wenn es um einen möglichen Nachfolger für Landrat Clemens Körner ging, ist der des Waldseers Volker Knörr. Dass es auf den 48-Jährigen, der aktuell als Erster Beigeordneter bereits Stellvertreter des Landrats ist, hinauslaufen wird, dürfte nach Knörrs Antwort auf die Frage nach einer möglichen Kandidatur klar sein: „Ich würde mich freuen, wenn ich nominiert werde“, sagt er. Alles weitere werde man sehen. Das Vorziehen der Landratswahl wegen der Bundestagsneuwahl habe jedenfalls alles ganz schön durcheinandergewirbelt. Knörr ist 2017 in die Kreisspitze gewählt worden – damals als dritter Beigeordneter. Der Waldseer, der beruflich als Schulleiter der Adolf-Diesterweg-Realschule plus in Oggersheim tätig ist, hat sich im Kreis jahrelang um den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft gekümmert. Bei den Kommunalwahlen 2024 war er Spitzenkandidat der CDU im Rhein-Pfalz-Kreis. Er ist auch Mitglied des Waldseer Ortsgemeinderats sowie des Verbandsgemeinderats Rheinauen. In seiner Heimatgemeinde hat Knörr unter anderem früher Handball gespielt und er ist begeisterter Fasnachter beim Karnevalverein Uno.

Üblicherweise sprechen Parteien auf der Suche nach Kandidaten für eine Landrats- oder Bürgermeisterwahl diejenigen aus ihren Reihen an, die bereits eine herausgehobene Funktion erfüllen. Das sei bei der Kreis-SPD auch passiert, berichtet auf Anfrage Michael Reith, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Das heißt: Man hat den Diplom-Verwaltungswirt gefragt, ob er für das Amt des Landrats kandidieren kann oder möchte, weil er die SPD-Fraktion im Kreistag anführt. „Ich habe aber kein Interesse“, sagt der 52-Jährige, „ich möchte gern VG-Bürgermeister bleiben.“ Er wurde 2022 für die Amtszeit von acht Jahren gewählt, hat also noch sechs Jahre vor sich und möchte seine Wähler nicht enttäuschen, wie er sagt. Würde ihn der Landratsjob denn reizen, wenn er sich jetzt am Ende seiner zweiten Amtszeit befinden würde? Reith lacht, bleibt aber bei seiner Antwort: „Wie gesagt, ich bleibe für die nächsten sechs Jahre Bürgermeister der Verbandsgemeinde.“

Über SPD-Mann Michael Müller wurde ebenfalls spekuliert, auch wenn er „nur“ einfaches Kreistagsmitglied ist. Der 54 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt will ebenfalls Bürgermeister bleiben, in dem Fall der verbandsfreien Gemeinde Bobenheim-Roxheim. Seine zweite Amtszeit begann vor knapp drei Jahren, als hauptamtlicher Ortschef beträgt seine Amtsperiode ebenfalls acht Jahre. „Ich will unbedingt Bürgermeister bleiben“, versichert Müller auf Anfrage. Gerade mache es so richtig Spaß, weil seit der Kommunalwahl die Stimmung und das Arbeitsklima im Gemeinderat und im Team der Beigeordneten so gut sei.

Der Name der Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen Silke Schmitt-Makdice fiel außerdem, wenn es um mögliche SPD-Kandidaten ging. Doch die Hanhofenerin, die auch Ortsbürgermeisterin ihrer Heimatgemeinde ist, macht klar: „Ich bin hier verwurzelt und strebe kein weiteres Amt an.“

Weg frei für Staßen?

Damit dürfte bei der Nominierungskonferenz am 17. Dezember, 18.30 Uhr, evangelisches Gemeindezentrum Maxdorf, der Weg frei sein für Bianca Staßen. Die derzeitige Kreisbeigeordnete aus Otterstadt wirft ihren Hut in den Ring: „Ich möchte gerne als Landrätin kandidieren und stelle mich zur Wahl innerhalb der SPD“, sagt sie. Allerdings bestehe bis zur Nominierung des SPD-Kandidaten in knapp zwei Wochen die Möglichkeit einer Gegenkandidatur. „Ob ich es also werde, kann man erst nach der Mitgliedervollversammlung sagen“, schränkt sie ein. Wie ihr voraussichtlicher CDU-Konkurrent Knörr ist Staßen 48 Jahre alt und im Lehramt – in ihrem Fall an der IGS Speyer – tätig.

Auch die Leidenschaft für die Fasnacht teilt sie mit ihm: Seit ihrer Kindheit ist Staßen beim Karneval Club Otterstadt aktiv. Auch sie ist über die Orts- in die Kreispolitik gekommen: Seit 2014 ist Staßen im Otterstadter Ortsgemeinderat, seit 2019 im Verbandsgemeinderat. Zweimal kandidierte sie vergeblich als Ortsbürgermeisterin, einmal für den Landtag. Vor fünf Jahren wurde die Sozialdemokratin Erste Kreisbeigeordnete, seit den Wahlen in diesem Jahr ist sie zweite Beigeordnete. Sie kümmert sich um den Geschäftsbereich Jugend und Soziales, der ihre Herzensangelegenheit sei. Die Verwaltung will sie im Falle ihrer Wahl modernisieren. Diese müsse wieder „mit Herz und Verstand geführt werden“, sagte sie jüngst im RHEINPFALZ-Gespräch.

Keinen Kandidaten wird nach derzeitigem Stand die FWG stellen. Ein möglicher Bewerber wäre Patrick Kunz gewesen. Doch der 47 Jahre alte Schifferstadter will nach eigenem Bekunden Landtagsabgeordneter bleiben und strebt auch bei der Landtagswahl 2026 wieder an, für die Freien Wähler einen Platz im Mainzer Landtag zu ergattern. Kunz hat konkrete Erwartungen an die Person, die die Nachfolge von Clemens Körner antritt. „Er oder sie muss Verwaltung verstehen. Wenn man nicht weiß, wie eine Verwaltung tickt, verliert man Jahre bei der Entwicklung.“ Es gehe darum, den Kreis zukunftssicher aufzustellen, vor allem im Punkt Digitalisierung der Verwaltung.

Auch der Name von Marc Hauck kam im Zusammenhang mit einer Kandidatur immer wieder hoch. Der Liberale hat 25 Jahre politisches Ehrenamt auf dem Buckel, ist Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und zweiter Beigeordneter von Dannstadt-Schauernheim. Diese Doppel-Rolle genüge ihm, sagt der 46-Jährige. Zudem engagiert er sich im Kreisvorstand der FDP und ist im Kreistag. Körners Nachfolger „sollte die massiven Probleme der Kreisverwaltung angehen und sich um die Verwaltungsangelegenheiten kümmern“. Er benennt drei Schwachstellen: Kfz-Zulassungsstelle, Ausländerbehörde und Bauamt.

Maurice Kuhn
Maurice Kuhn
Ralf Marohn
Ralf Marohn
Volker Knörr
Volker Knörr
Bianca Staßen
Bianca Staßen
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