Rhein-Pfalz Kreis Landeschefin auf den Zahn gefühlt

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Maxdorf. Einem Spitzenpolitiker ganz nah sein und diesem ehrlich, authentisch und überraschend persönlich im Frage-Antwort-Spiel zu begegnen – das haben Schüler in Maxdorf erlebt. Bei der Veranstaltungsreihe „Maximal nachgefragt“ des Lise-Meitner-Gymnasiums hat sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den Schülerfragen gestellt. Es ging dabei um den Umgang mit der CDU, den Flughafen Hahn, die Europakrise, Shopping-Freuden der frisch gebackenen Oma oder auch US-Präsident Donald Trump.

Die Frage-Antwort-Stunde am Donnerstagabend beweist, dass ein Politikergespräch keineswegs knochentrocken sein muss, sondern mit der richtigen Mischung aus Fragen einen hohen Unterhaltungswert haben kann, ohne dass der Informationsgehalt geschmälert wird. Die Veranstaltungsreihe „Maximal nachgefragt“ hat der Sozialkundelehrer Stefan Broscheit ins Leben gerufen. Startschuss war 2013, seitdem konnten die Schüler in Maxdorf einigen Politikern und Zeitzeugen auf den Zahn fühlen. „Politik ist weit weg. Der Gedanke, der hinter dieser Veranstaltung steckt, ist, die Politiker in die Nähe der Schüler zu holen“, erklärt Broscheit. Besonders stolz sei er, dass es gelungen sei, innerhalb eines Schuljahres sowohl Julia Klöckner (CDU) als auch Dreyer gewinnen zu können. Dass es letzten Endes mit der Ministerpräsidentin klappte, ist eine nette Geschichte, die fast schon zur Gewohnheit für die rheinland-pfälzische Regierungschefin wird, wie diese lachend bemerkt: „Immer wenn ich zu Maybrit Illner gehe, treffe ich Schüler, die mich an ihre Schule einladen“ - so auch im Falle von Maxdorf. Bei 5000 Anfragen im Jahr, die auf die gebürtige Neustadterin einprasseln, war ihre Zusage ein Glücksfall für Maxdorf. Das Konzept der Veranstaltung: Zehn Schüler in fünf Zweierteams stellen die Fragen, die gemeinsam im Sozialkundeunterricht einer zehnten Klasse erarbeitet wurden. Kurz bevor der geladene Gast die Mensa im Meitner-Gymnasium betritt, herrscht freudige Erregung unter den Interviewern. Schnell wird noch einmal ein Blick auf die Fragen geworfen, die ganz im Stile der Profi-Interviewer aus dem Fernsehen auf Karteikarten prangen. „Ich finde es sehr interessant, mit Leuten zu sprechen, die etwas bewirken“, bemerkt die 17-jährige Seline Kirstein, eine der Interviewerinnen des Abends. Sie ist zum ersten Mal dabei und sichtlich beeindruckt. Fast schon alte Hasen dagegen sind Olivia Bien, 16, und Patrick Fruth, 18, die schon Julia Klöckner im Herbst an dieser Stelle im Kreuzverhör hatten. „Man lernt Politiker von einer anderen Seite kennen“, unterstreicht Bien den Vorteil der Veranstaltung. Ihr Klassenkamerad ergänzt: „Kein Interview ist wie das andere.“ Die Fragen der Schüler umspannen eine große Bandbreite, Malu Dreyer wird „durchleuchtet“, die Schüler sparen heikle Themen nicht aus. So enthüllen die Antworten in den fünf Themenblöcke eine sympathische Politikerin, die die Umstände um den Flughafen Hahn als peinliches Erlebnis, Trump als Bedrohung und den designierten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz als Hoffnungsträger sieht. Für ein Interview mit einer Ministerpräsidentin sind die Einstiegsfragen ungewohnt persönlich. Warum nicht? Politiker sind schließlich auch nur Menschen, sagen sich die Schüler wohl bei ihrer Auswahl. Und werden belohnt. Dreyer erzählt von Enkelchen Lene, ihrer „hochpädagogisierten“ Kindheit mit Schulleiter und Erzieherin als Eltern, ihrem studentischen Exkurs in die Anglistik und katholische Theologie sowie ihrer „Keinesfalls-Politik-Ausgangslage“, die sie schließlich über ein Jurastudium und die Tätigkeit als Staatsanwältin wenig später als Bürgermeisterin nach Bad Kreuznach führte – als Versuchsprojekt es doch mit der Politik zu probieren. Ihr Alltag? „Lange Tage“, entgegnet die Landesmutter und Bundesratspräsidentin, „sehr bunt und schwer gefüllt“. Jahreslichtblick sei ein Shoppingtrip in Trier mit Studienfreundinnen, antwortet sie auf die Frage, ob sie Kontakte von früher pflege. Ob sie sich eine Freundschaft mit Julia Klöckner vorstellen könne? „Überparteiliche Freundschaften? Da muss man sich schon sehr mögen“, lautet Dreyers Antwort, mit der sie Lacher erntet. Weitere Fragen gelten der NPD, der Beziehung zur CDU und dem Konzept der G8-Gymnasien, zu denen auch Maxdorf gehört, und den Wirrungen um den Flughafen Hahn. Die Auflockerungsrunde bringt noch mal Leichtigkeit und Privates in den ansonsten ernsten politischen Fragenkatalog. Da sie zwischen jeweils zwei Begriffen wählen soll, „outet“ sich Dreyer als Hunde bevorzugende Turnschuhträgerin, die auf gesundes Essen setzt, der FDP vor der Linken den Vorzug gibt, Wein und Bier je nach Laune wählt und die Disco der Oper voranstellt. Auf eine einsame Insel würde sie ihren Mann, ihr I-Phone und ein Buch mitnehmen, und an einem perfekten Tag dürfen Ausschlafen, Freunde, Kino und Shoppen nicht fehlen. Malu Dreyer sei für die Anwesenden nun kein unpersönliches Bild, sondern ein „normaler Mensch“, zieht Broscheit das Fazit des Abends.

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