Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bobenheim-Roxheim: Drei junge Männer helfen Handwerksbetrieben, sich gegenseitig zu helfen

Markus und Martin Holl sowie Marcel Jäger (von links) freuen sich, dass ihr Internetportal für Handwerksbetriebe gut ankommt. Fo
Markus und Martin Holl sowie Marcel Jäger (von links) freuen sich, dass ihr Internetportal für Handwerksbetriebe gut ankommt.

Fachkräftemangel und Auftragsschwankungen machen Handwerksbetrieben zu schaffen. Wenn das Geschäft gerade brummt , kommen die Firmen schnell mal an ihre Belastungsgrenze. Eine Lösung für das Problem bieten Martin und Markus Holl vom Betrieb Holl Elektro-Technik in Bobenheim-Roxheim zusammen mit Marcel Jäger mit einem besonderen Internetportal.

„Check and Work“ heißt das Projekt, mit dem sich Handwerksbetriebe schnell und einfach gegenseitig unterstützen können. Die Idee ist simpel: „Ein Unternehmen, bei dem es gerade so gut läuft, dass die Aufträge nicht mehr mit den eigenen Mitarbeitern bewältigt werden können, kann auf unserer Internetseite Unterstützung finden“, erläutert Martin Holl. So werde auch Firmen geholfen, die gerade freie Kapazitäten haben.

Martin Holl, der mit seinem Bruder Markus im elterlichen Elektrotechnikbetrieb Holl in Bobenheim-Roxheim arbeitet, kennt das Problem: „Es kann auf Baustellen unerwartet zu Verzögerungen kommen. Aufträge können sich dadurch kurzfristig um Tage oder sogar Wochen verschieben.“ Die Internetplattform helfe den Firmen dabei, solche unerwarteten Terminprobleme effizient auszugleichen. Die Devise lautet „kooperieren statt konkurrieren“.

Den Kooperationsvertrag handeln die Firmen selbst miteinander aus

Wer Unterstützung braucht, kann im Netz unter www.checkandwork.de eine Suchanfrage stellen. Das geht auch gewerkübergreifend. Alle teilnehmenden Betriebe, die für den Auftrag infrage kommen, werden per E-Mail informiert und können sich direkt bei dem Kollegen melden. Sie schließen dann mit der anderen Firma einen Vertrag ab. I

Bislang ist es dazu nur bei Aufträgen aus privater Hand gekommen. Ihre Zusammenarbeit können die beiden Betriebe anschließend bewerten. Wer bei „Check and Work“ mitmachen will, muss sich auf der Plattform registrieren. „Mit einem Firmencheck kontrollieren wir dann, ob ein Gewerbenachweis und – sofern angegeben – ein Meisterbrief vorliegen“, sagt Martin Holl.

Auf die Idee kamen die Brüder vor etwa eineinhalb Jahren. Ihre Firma hatte auf einer Baustelle für ein neues Fitnessstudio in Heppenheim zu tun. „Wir waren vollkommen ausgelastet, als der Architekt mit einer Liste weiterer Arbeiten kam“, erzählt Elektromeister Markus Holl. Ein Trockenbauer, der ebenfalls auf der Baustelle beschäftigt war, habe dann den Kontakt zu einem örtlichen Elektrobetrieb hergestellt. „Die kamen mit drei Mitarbeitern, und nach drei Tagen waren alle zusätzlichen Arbeiten erledigt“, sagt Holl. „Der Kunde war glücklich, und der Kollege, der wegen einer Projektverschiebung freie Kapazitäten hatte, konnte seine Mitarbeiter produktiv einsetzen.“

Deutschlandweit haben sich mehr als 160 Betriebe auf dem Portal registriert

„Wir haben uns dann gefragt, wie wir Handwerksunternehmen im Internet zusammenbringen können“, berichtet Martin Holl. Wirtschaftsingenieur Marcel Jäger, ein Freund der Brüder, half bei den IT-Arbeiten. In ihrer Freizeit arbeiteten die drei an der Internetseite. „Das ist ein Job neben dem Job. Es hat etwa ein halbes Jahr gedauert, bis die Seite lief“, sagt Jäger. Seit 25 Wochen ist die Plattform nun am Start. Seither haben sich deutschlandweit mehr als 160 Betriebe registriert. Auf Instagram hat „Check and Work“ gut 1250 Follower. Von der Resonanz sind die Initiatoren selbst überrascht. „Wir hatten mit viel weniger gerechnet. Bislang läuft das alles über Mund-zu-Mund-Propaganda“, meint Jäger.

Die Nutzung der Plattform ist kostenlos. Über einen Spendenknopf können die Firmen das Projekt finanziell unterstützen. Bei der Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz, bei der die Holls und Jäger „Check and Work“ vorgestellt haben, sei das Projekt sehr gut angekommen. Auch andere Kreishandwerkerschaften, Handwerkskammern und der Zentralverband des Deutschen Handwerks seien auf die Plattform aufmerksam geworden und ermunterten Betriebe zur Teilnahme, so Martin Holl.

Die beiden Brüder möchten junge Leute für Handwerksberufe begeistern

Auf der Internetseite gibt es eine Verknüpfung mit der Aktion „#lustaufhandwerk“, mit der junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk begeistert werden sollen. Das ist den Holls ein Anliegen. „Das Handwerk bietet beruflich ausgezeichnete Perspektiven“, betont Markus Holl, der nach einer Ausbildung zum Elektroniker für Gebäude- und Systemtechnik im elterlichen Betrieb seinen Meister gemacht und sich zum Betriebswirt Handwerk weitergebildet hat. Bruder Martin Holl, der bei der BASF eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik absolviert und dann in Mannheim Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat, kehrte nach vierjähriger Tätigkeit bei dem Chemiekonzern in den heimischen Betrieb zurück. „Für mich stand früh fest, dass die Industrie nicht mein Standbein bis zur Rente sein würde“, sagt Martin Holl. „Die Aufgaben im Handwerk sind vielfältiger, und man hat viel mehr Kontakt zu den Kunden.“

Im Netz

www.checkandwork.de

Zur Sache

Die Firma Holl Elektro-Technik GmbH gibt es seit 30 Jahren. Damals wagte Heinz Holl den Sprung in die Selbstständigkeit. Seit 25 Jahren ist der Meister- und Innungsbetrieb für Elektrotechnik im Bobenheim-Roxheimer Gewerbegebiet In den Fuchslöchern ansässig. Dort konnten Betriebs-, Büro- und Wohnräume gleichermaßen errichtet werden. Inzwischen arbeiten die Söhne Markus und Martin Holl mit in der Firma. Mit den Jahren sei der Kundenstamm größer geworden, erläutert Juniorchef Markus Holl. Neben den klassischen Elektroarbeiten seien vor allem die Hausautomation (Smart Home) und Sicherheitstechnik zum Schwerpunkt geworden. Dazu gehörten Alarm- und Brandmeldeanlagen sowie Videoüberwachungs- und Zutrittskontrollsysteme. Etwa 70 Prozent seiner Aufträge erhalte der achtköpfige Betrieb von gewerblichen Kunden und der Industrie.

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