VG Lambsheim-Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kommunale Teststellen seit einem Jahr aktiv

In voller Schutzmontur: Mehr als 8500 Stunden waren die Helfer vom DRK-Ortsverein Lambsheim fürs Testen in der Verbandsgemeinde
In voller Schutzmontur: Mehr als 8500 Stunden waren die Helfer vom DRK-Ortsverein Lambsheim fürs Testen in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim im Einsatz.

Vor einem Jahr eröffnete die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ihre ersten eigenen Testzentren. Die Verantwortlichen berichten von schlaflosen Nächten, glühenden Telefonleitungen und wie es mit den kostenlosen Bürgertests weitergeht.

Alles beginnt mit der Landtagswahl im März 2021, als die Wahlhelfer vor ihrem Einsatz auf das Coronavirus getestet werden sollen. Die Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim bittet den Lambsheimer Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) um Hilfe, und die Ehrenamtlichen sind zur Stelle. Dem Bürgermeister der VG, Michael Reith (SPD), kommt dabei eine Idee, die Anklang findet: die Errichtung kommunaler Testzentren in den großen Sporthallen in Großniedesheim und Lambsheim. In der RHEINPFALZ und den sozialen Medien startet das DRK einen Aufruf für Helfer. „Anderthalb Wochen später ging es dann schon los“, erzählt Serge Endrizzi, stellvertretender Vorsitzender des DRK-Ortsvereins.

Gefragtes Angebot

Nachdem die Teststellen offiziell beim Land registriert worden sind, finden ab 17. März 2021 die ersten kommunal organisierten Bürgertests statt. „Die ersten zwei Materialbestellungen haben wir mit einem ehrenamtlichen Fahrer des DRK direkt in Mainz im Zentrallager in einer Kaserne abgeholt, da die Sachen ansonsten nicht rechtzeitig vor Ort gewesen wären“, erinnert sich Reith. Kaum wird getestet, fragen die Leiter der ansässigen Grundschulen nach einem Angebot für ihre Schüler. Die DRK-Mitglieder bilden mobile Teams, die zum Testen mit Rollkoffern voller Ausrüstung in die vier Grundschulen sowie die zwei Verwaltungsstellen der VG kommen. Neben den beiden verpflichtenden Tests pro Woche wird ein dritter, freiwilliger angeboten. Das gibt Lehrern und Schülern Sicherheit, ist Reith überzeugt. Bis heute wurden 31.600 Schnelltests in den Schulen gemacht.

Für Kindergärten gibt es dagegen keine gesetzlichen Testvorgaben. Mittlerweile finden zwei bis drei Testungen pro Woche in sechs Kitas innerhalb der VG statt. Diese hat bisher laut Reith für die 2170 Helferstunden in den Schulen und den zwei Verwaltungsstellen 43.400 Euro gezahlt, weil sie als Trägerin das DRK damit beauftragt hat. Die Tests in den Kitas zahlen die Ortsgemeinden.

Die Nachfrage nach Teststellen steigt indes weiter. „In den ersten zwei Monaten habe ich jede Nacht bis 1, 2 Uhr gemacht und getan. Das war hart mit nur ganz wenig Schlaf“, erinnert sich Endrizzi. „Unser Ziel war, den Bürgern breitgefächert und möglichst täglich Testmöglichkeiten in der VG zu bieten.“ Anderthalb Monate nach Start des Angebots wird deshalb ein weiteres Testzentrum in Heßheim eröffnet, ein halbes Jahr später kommt noch eines in Beindersheim hinzu.

Frau in Tränen ausgebrochen

Endrizzi hat noch Bilder von der ersten festgestellten Infektion im Kopf: „Die Frau brach in Tränen aus und wusste nicht, wie es weitergeht.“ Gerade am Anfang habe man bewusst bei der Benachrichtigung von Positiven „alte Rotkreuzler“, wie Endrizzi es nennt, hinzugerufen, die besser damit umgehen konnten. „Für die Mitarbeiter war das eine komische Situation.“ Heute, ein Jahr später, empfangen die meisten Bürger ihr Testergebnis auf digitalem Wege, ohne dass die DRK-Helfer etwas mitbekommen.

Die Testangebote an festen Standorten sparen Zeit für Auf- und Abbau. Anziehen, loslegen. „Die Kunst ist, für alle Termine ausreichend Helfer zu finden“, erklärt Endrizzi. 24 Freiwillige sind es beim Start im März 2021, ein Jahr später 96, die entweder schon beim DRK waren oder mittlerweile „aus versicherungstechnischen Gründen“ Mitglied geworden sind. „Die meisten wollen es aber auch bleiben“, betont der Vorsitzende. „Ich habe ein super Team, die übernehmen Verantwortung. Darauf kann ich mich verlassen.“

Geld vom Land ist ausreichend

In Hochzeiten stemmen sieben Mitarbeitende täglich 180 Tests in den kommunalen Zentren. Die DRK-Helfer erhalten eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Stunde. Damit fallen Endrizzi zufolge monatliche Kosten von über 15.000 Euro für die Teststellen an. Gegenfinanziert werde das über die Landesinitiative „Testen für alle“, denn die bezahle pro Test 8,50 Euro.

Außerdem wichtig: die Ausstattung. Kreis und Land kümmern sich um Schulungsmaterial für die Mitarbeitenden sowie Materialnachschub. „Es kann auch mal schwierig werden, bei allen Zentren den Überblick zu behalten“, sagt Endrizzi, der die monatlichen Bestellungen mit fünf weiteren Verantwortlichen organisiert. Bis zur Lieferung dauert es vier Wochen. „Man muss also vorausplanen“, macht Endrizzi klar – das sei gerade bei kurzfristigen Änderungen der offiziellen Teststrategie immer wieder schwierig. Nicht nur wegen des Bedarfs: Als etwa ungeimpfte Arbeitnehmer getestet werden mussten, habe es Beschwerden sowie Pöbeleien gegen Politiker gegeben – zu Angriffen auf Helfer sei es aber nicht gekommen.

Telefone laufen heiß

Die Telefone in der Verwaltung sind derweil über Tage dauerbesetzt. Die Koordination der Termine sei mit „extrem viel Arbeit“ verbunden gewesen, erinnert sich Fachbereichsleiter Thomas Bauer, zuständig für Bürgerdienste, Bildung, Soziales und Integration. „In Zahlen kann man das gar nicht ausmachen.“ Um die vielen Anfragen, die sich auch um allgemeine Pandemiethemen drehen, bewältigen zu können, wird ein „Corona-Büro“ in der Verwaltungsstelle Heßheim geschaffen. Zeitweise arbeiten dort vier Verwaltungsmitarbeiter an extra dafür eingerichteten Arbeitsplätzen. Sie führen und kontrollieren Terminlisten, informieren Bürger am Telefon und bereiten Dokumente vor.

Mit der Einführung des Online-Buchungssystems, das nach kurzem Ruckeln am 1. Mai startet, wird das „Corona-Büro“ auf einen Mitarbeiter verkleinert. Heute ist die separate Einheit aufgelöst. Corona-Anfragen, meist von älteren Bürgern, laufen nebenbei im Verwaltungsalltag. Noch ein Vorteil der Online-Buchung: Dem DRK in den Zentren liegen die Daten der Testpersonen nun gleich bei der Anmeldung vor.

Als es mit den Tests rund läuft, nimmt die VG auch das Impfen in die Hand. Denn die ersten Besuche des Landesimpfbusses laufen organisatorisch schleppend. „Da haben wir gedacht: Das können wir eigentlich besser“, erzählt Endrizzi. „und dann haben wir’s gemacht.“ Computer, Laufwege, Beschilderung: Die Infrastruktur muss erst mal stehen, bevor es losgehen kann. Alle packen mit an, auch der Großniedesheimer Bürgermeister Michael Walther (SPD), der den Strom der Impfwilligen, die zur Premiere am 21. Dezember in die Eckbachhalle kommen, persönlich steuert.

Helfer leisten 8570 Arbeitsstunden

Fachbereichsleiter Bauer hebt die „wichtige und starke Leistung“ des DRK-Ortsvereins Lambsheim hervor: „Ohne die wäre es nicht gegangen.“ Mit den Test- und Impfangeboten in der VG sei man Vorreiter im Rhein-Pfalz-Kreis gewesen. Fehler seien unvermeidbar, denn man könne sich nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten. „Wichtig ist, dass man daraus lernt“, findet Bauer. Bei Ereignissen wie der Pandemie neige die Gesellschaft dazu, „in den Strom zu geraten und davon mitgerissen zu werden, anstatt sachlich und vernünftig nachzudenken, ohne in Aktionismus zu verfallen.“ Aber, so betont er, diejenigen, die sagen „Wir fangen jetzt an“, seien mindestens genauso wichtig. „Die Mischung macht’s.“

38.000 Schnelltests wurden in einem Jahr über das Land für die kommunalen Testangebote bestellt, hinzu kommen 9000 Lollytests für Kitas und Testzentren. 8570 Stunden haben die Helfer gearbeitet, um in der Pandemie so viel Sicherheit wie möglich zu bieten. „Ich persönlich bin extrem zufrieden damit“, zieht Bürgermeister Reith Bilanz. Serge Endrizzi empfindet es als besonders, wie gut vernetzt die Menschen in der VG seien. „Was ich mitnehme aus dieser Zeit: Wenn man will, dann geht’s auch.“

Ende noch nicht in Sicht

Wie lange wird es die Testzentren noch geben, jetzt, wo die Beschränkungen bald aufgehoben werden? „Gute Frage“, sagt Endrizzi. „Ich denke, wir werden noch eine Zeit lang geöffnet haben, allein um lokale Ausbrüche zu erkennen und den Menschen bei einem positiven Selbsttest einen offiziellen Nachweis auszustellen. Am Ende bleiben wir so lange offen, wie das Land uns sagt.“ 30 bis 40 Tests werden derzeit täglich in den kommunalen Testzentren durchgeführt, das Personal wurde auf drei bis vier Mitarbeitende reduziert.

Reith kündigt darüber hinaus an, die kleinen Teststellen in Beindersheim und Heßheim zu schließen, sollte die Nachfrage weiter sinken. Er betont aber: „Gerade jetzt, wo die Inzidenzen wieder stark ansteigen, halte ich es persönlich für den falschen Weg, die allgemeinen Bürgertests einzustellen. Man sollte die Maskenpflicht und die Bürgertests kostenlos beibehalten.“

Kinder der Karl-Wendel-Schule in Lambsheim haben den Helfern Bilder gemalt.
Kinder der Karl-Wendel-Schule in Lambsheim haben den Helfern Bilder gemalt.
Die Testträger wurden von einem Helfer mit einem Programm selbst entwickelt und per 3D-Drucker hergestellt.
Die Testträger wurden von einem Helfer mit einem Programm selbst entwickelt und per 3D-Drucker hergestellt.
Die erste Materiallieferung vor dem Start der Testzentren holte ein Fahrer noch persönlich in einem Lager in Mainz ab.
Die erste Materiallieferung vor dem Start der Testzentren holte ein Fahrer noch persönlich in einem Lager in Mainz ab.
Neben den vier Teststellen war der DRK-Ortsverein auch in den Verwaltungsstellen, Grundschulen und Kitas zum Testen.
Neben den vier Teststellen war der DRK-Ortsverein auch in den Verwaltungsstellen, Grundschulen und Kitas zum Testen.
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