Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Bedarfsplaner: „Transparenz ist mir wichtig“

Mehr als 7000 Kita-Plätze gibt es im Rhein-Pfalz-Kreis: Zwischen zu wenigen und zu vielen Plätzen gilt es für Kreis und Gemeinde
Mehr als 7000 Kita-Plätze gibt es im Rhein-Pfalz-Kreis: Zwischen zu wenigen und zu vielen Plätzen gilt es für Kreis und Gemeinden die Waage zu halten.

Klaus Krieger, der bei der Kreisverwaltung für die Kita-Bedarfsplanung zuständig ist, spricht über den Balanceakt, nicht zu wenige und nicht zu viele Kitas zu haben.

Herr Krieger, wie würden Sie die Lage beim Thema Kita-Plätze im Rhein-Pfalz-Kreis derzeit einschätzen?
Derzeit können weitestgehend alle Kinder im Kreis mit Kita-Plätzen versorgt werden. Der Fokus bei der Bedarfsplanung liegt aktuell – neben einer ausreichenden Anzahl an Betreuungsplätzen – auf dem Ausbau des Betreuungsangebots hin zu einer vollumfänglichen Betreuung über die Mittagszeit mit Mittagessen. Schwierig wird es in manchen Gemeinden dann, wenn es vermehrt zu unvorhergesehenen Zuzügen kommt.

Klaus Krieger
Klaus Krieger

Können Sie ein paar Zahlen nennen? Bekommen Eltern in der Regel den gewünschten Platz für ihre Kinder? Und in welchen Gemeinden gibt es am meisten Probleme?
Im laufenden Kindergartenjahr gibt es 7353 Plätze für Zwei- bis Sechsjährige, darunter 5442 Plätze mit Betreuung über Mittag und Mittagessen. Es wird mit 7243 Kindern dieses Alters gerechnet, für die ein Kita-Platz gebraucht wird. Das ergibt einen Überhang von 110 Kindern. Hinzu kommen 136 Plätze mit Betreuung über Mittag für unter Zweijährige, 460 Hortplätze für Schulkinder und 20 integrative Plätze für Kinder mit Behinderungen. In den kommenden Jahren sinkt die Anzahl der Kinder voraussichtlich, was den Überhang an Plätzen vergrößert. Im Kita-Jahr 2028/29 könnten nur noch 6500 Plätze für die Zwei- bis Sechsjährigen gebraucht werden. In der Regel bekommen Kinder derzeit den gewünschten Platz. Aktuell gibt es den größten Ausbaubedarf in Mutterstadt.

Sie planen die Bedarfe. Woher nehmen Sie die Zahlen? Wie weit schauen Sie dabei in die Zukunft?
Die aktuellen Kinderzahlen werden über das Internet-Portal der kommunalen Spitzenverbände in Rheinland-Pfalz abgefragt. Dort werden die Kinderzahlen der Meldeämter monatlich veröffentlicht. Zur Prognose der Kinderzahlen werden die Zahlen des Statistischen Landesamts sowie die Prognosen im Schulentwicklungsplan des Rhein-Pfalz-Kreises herangezogen. Neben dem laufenden Kindergartenjahr enthält der Bedarfsplan die Vorausschau für die kommenden drei Kindergartenjahre.

Wie stark können Prognose und Realität voneinander abweichen? Und was sind die Gründe, warum Prognosen nicht eintreffen?
Das liegt in der Natur der Sache: Die Prognosen zum Zuzugs- und Wegzugsverhalten sowie die Geburtenquote können nur eine Tendenz wiedergeben. Die Abweichungen in der Realität können daher durchaus stärker und bei den einzelnen Gemeinden auch sehr unterschiedlich ausfallen.

Hat das neue Kita-Gesetz Ihre Arbeit erschwert? Schließlich muss nun berücksichtigt werden, dass Kita-Plätze durch die nötigen Umbauten wegfallen.
Ich würde es nicht als „erschwert“ bezeichnen. Stattdessen ist einfach der Aspekt hinzugekommen, mit der Bedarfsplanung die noch vorhandenen Plätze, bei denen keine durchgehende Betreuung möglich ist – sondern nur am Vormittag und dann erst wieder am Nachmittag –, in Betreuungsplätze mit einer durchgehenden Betreuung über Mittag und Mittagessen zu transformieren.

Spielt auch der Personalmangel in Ihren Überlegungen eine Rolle?
Nein, das ist nicht der Fall.

Die Bedarfsplanung hat zum Teil weitreichende Konsequenzen für die Gemeinden und die Eltern, wenn eine geplante Kita dann doch nicht gebaut wird, wie zum Beispiel in Dudenhofen oder aktuell in Römerberg. Verstehen Sie, wenn Eltern da verunsichert sind? Ist das mit ein Grund, warum Sie Ihre Prognosen auch in Veranstaltungen vor Ort erklären?
Dafür habe ich allergrößtes Verständnis. Und ja, das spielt für mich eine große Rolle. Mit ist es wichtig, dass Eltern mit dieser Transparenz einen entsprechenden Einblick in die aktuelle Situation und die geplanten Maßnahmen erhalten.

Ist es immer möglich, die Zahlenebene und die Ebene der persönlichen Betroffenheit zusammenzubringen?
Die persönliche Betroffenheit der Eltern bewegt mich dazu, in jedem Einzelfall sehr umfassend zu überlegen und zu prüfen, wie den Eltern geholfen werden kann. In den meisten Fällen findet sich dann auch ein Weg.

Ist es bisher immer sachlich geblieben? Oder wurden Sie auch schon angegangen, beziehungsweise verantwortlich gemacht für Probleme?
Bisher ist es sachlich geblieben. Und wenn Eltern doch mal unsachlich wurden, wenn sie sich mit Platzproblemen bei mir meldeten, konnten wir bisher immer mit viel gegenseitigem Verständnis zur Sachebene zurückkehren. Als zuständiger Mitarbeiter beim Kreisjugendamt für die Bedarfsplanung gebe ich meine entsprechende Verantwortlichkeit immer zu erkennen. Wenn ich deswegen „angegangen“ werde, ist dies für mich in Ordnung – solange es dabei sachlich bleibt.

In Römerberg war die fehlende Trägervielfalt Thema. Wie sehen Sie das? Haben Sie Einflussmöglichkeiten?
Wir als Jugendamt haben die gesetzliche Pflicht, auf eine bedarfsgerechte Angebotsvielfalt hinzuwirken. Im Rahmen dieser Verpflichtung – und um in Römerberg zumindest eine kommunale Kita anbieten zu können – wäre aus unserer Sicht für die neue Kita eine kommunale Trägerschaft zu begrüßen. Die Entscheidungshoheit liegt allerdings bei der Gemeinde.

Wird sich das Problem des Mangels an Kita-Plätzen durch sinkende Kinderzahlen in Zukunft von selbst erledigen?
Der Platzmangel wird in erster Linie durch die in den jeweiligen Gemeinden geplanten Baumaßnahmen behoben. Die sinkenden Kinderzahlen haben allerdings den Effekt, dass der Druck bis zur Fertigstellung der Baumaßnahmen nicht ganz so hoch ist.

x