VG Rheinauen / Rhein-Pfalz-Kreis Kein Strom, kein Wasser, kein Handy – Kreis und Verbandsgemeinde proben für die Katastrophe

Einsatzzentrale in Altrip: Von dort agiert die Feuerwehr.
Einsatzzentrale in Altrip: Von dort agiert die Feuerwehr.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat verdeutlicht, welche Verantwortung Behördenchefs im Ernstfall tragen. Es müssen Führungsstrukturen vorhanden sein, damit erforderliche schnelle Hilfe ankommen kann. Die Verbandsgemeinde Rheinauen und der Rhein-Pfalz-Kreis haben sich jüngst einem Stresstest unterzogen, um das gemeinsam zu üben. Das Szenario: Die kritische Infrastruktur fällt aus – das heißt, es gibt kein Wasser, keinen Strom, keine Wärme und kein Mobilfunknetz mehr.

Die fiktiven Wettermeldungen, die Rheinauens Bürgermeister und Verwaltungschef Patrick Fassott (SPD) erreichen, lassen nichts Gutes erahnen. Auf die Verbandsgemeinde steuert ein Orkan zu, es ist kalt und schneit. Der Strom fällt aus, die Wasserversorgung schwächelt, es gibt kein Mobilfunknetz mehr und schließlich drohen sogar Überschwemmungen.

Dieses fiktive Szenario war Grundlage für den Stresstest, bei dem die Zusammenarbeit zwischen dem Rhein-Pfalz-Kreis als Katastrophenschutzbehörde und der Verbandsgemeinde Rheinauen getestet wurde. Kreis, Verbandsgemeinde und deren Freiwillige Feuerwehr sind in den vergangenen Monaten von Jörg Schrömges geschult worden.

Schrömges hat den Stresstest konzipiert. Er arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in Bonn und hat eine Beratungsfirma, die Kommunen sowie Feuerwehren und Rettungsdienst in Sachen Katastrophenschutz berät, ausbildet und trainiert. Diesbezüglich arbeitete er auch schon mit der VG Römerberg-Dudenhofen zusammen.

Seit der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal werde dem Katastrophenschutz eine höhere Bedeutung beigemessen, sagt Schrömges. In Kommunen im Ahrtal fehlten unter anderem Alarm- und Einsatzpläne sowie Führungsstrukturen in den Verwaltungen. Das Land überarbeitete daher jüngst sein Brand- und Katastrophenschutzgesetz und schreibt unter anderem solche Führungsstrukturen auf Kreis- und Verbandsgemeinde-Ebene jetzt vor.

88 Personen am Stresstest beteiligt

Bei dem jüngsten Stresstest arbeiteten solche Führungsstäbe zusammen. Die Mitarbeitenden der Rheinauen-Verwaltung agierten im Rathaus in Waldsee, die Mitglieder des Krisenstabs des Rhein-Pfalz-Kreises versammelten sich – wie die Technische Einsatzleitung (TEL) des Kreises – im Katastrophenschutzzentrum in Schifferstadt. Die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen war mit ihrer Führungsstaffel in Altrip in der dortigen Einsatzzentrale. Insgesamt waren 88 Menschen sowie 14 Mitarbeiter der Beratungsfirma, die die Übung überwachte, beteiligt.

Im Ratssaal im Rathaus in Waldsee: Hier kommt der Verwaltungsstab zusammen und arbeitet die Aufgaben ab.
Im Ratssaal im Rathaus in Waldsee: Hier kommt der Verwaltungsstab zusammen und arbeitet die Aufgaben ab.

Der Fokus bei dem gemeinsamen Stresstest lag auf der Kommunikation und der Übergabe der Einsatzleitung von der Verbandsgemeinde auf den Kreis. Denn wenn die Lage zu groß wird, das bedeutet ab Alarmstufe 4, übernimmt der Kreis die Einsatzleitung. Das heißt, dass dann der Landrat – und nicht mehr der Bürgermeister – die Verantwortung trägt und vom Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) fachlich beraten werden soll. Der Verwaltungsstab der Gemeinde und die Freiwillige Feuerwehr arbeiten dann weiter die Einsätze in ihrer Verbandsgemeinde ab und erhalten Unterstützung vom Kreis.

Beim Stresstest wurde fiktiv ein Altenheim evakuiert, Bewohner wurden anderswo untergebracht. Denn bei einem Stromausfall kann die Versorgung der Menschen – zum Beispiel Senioren, die an Beatmungsgeräte angeschlossen sind – nicht mehr gewährleistet werden.

Zudem musste die Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme wiederhergestellt werden, etwa indem Trinkwasser, Notstromaggregate und Kraftstoff beschafft wurden. Die Kommunikation der Stäbe lief zeitweise über Satellitentelefone, weil fiktiv zeitgleich auch Internet, Mobilfunk und Telefonleitungen ausgefallen waren. Die Verwaltungen probten ebenso, wie die Bevölkerung gewarnt und mit Informationen versorgt werden kann.

Übungen sind von großer Bedeutung

Mit dem Verlauf der Übung ist Robin Klamm, Referatsleiter für Brand- und Katastrophenschutz bei der Kreisverwaltung, zufrieden: „Die Aufgaben wurden erfolgreich umgesetzt und dabei alle Schnittstellen zwischen politischer Leitung, der Stabsleitungen und der TEL-Leitung mit einbezogen.“

Landrat Clemens Körner (CDU) sagt: „Der Katastrophenschutz spielt für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eine elementare Rolle. Im besten Fall wird er nie gebraucht, im schlimmsten Fall muss er aber kompetent und handlungsfähig sein. Deswegen sind diese Übungen von entscheidender Bedeutung.“ Rheinauens Bürgermeister Fassott pflichtet ihm bei und erklärt, dass dazugewonnene Erkenntnisse künftig in die Arbeit miteinfließen sollen. Als Beispiel nennt er, dass weitere Personen für den Verwaltungsstab qualifiziert werden sollen, weil bei einer langanhaltenden Lage Mitarbeiter im Schichtsystem arbeiten müssten. Fassott sieht den Stresstest außerdem als logischen weiteren Schritt nach der großen Katastrophenschutzübung vor zwei Jahren in den Rheinauen und misst dem Thema weiter große Bedeutung bei. Das heißt, dass weitere Übungen angedacht sind.

Schrömges attestiert der VG Rheinauen eine „super Arbeit“. Die Verantwortlichen in der Verwaltung und bei der Feuerwehr sowie die Mitarbeitenden in den Stäben seien trotz der Anforderungen nicht in Stress verfallen, sondern sehr strukturiert vorgegangen, sagt Schrömges. Er und sein Team analysieren nun die Ergebnisse der Übung und arbeiten sie mit dem Kreis und der Verbandsgemeinde auf. Danach geht es mit den nächsten Verbandsgemeinden weiter. Denn jede Kommune im Rhein-Pfalz-Kreis soll geschult und einmal einem solchen Stresstest unterzogen werden.

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