Waldsee
Kaffeekränzchen für Seniorinnen: Schöne Erinnerungen an die Kerwe
„Eigentlich gehören wir noch nicht dazu“, verrät Elisabeth Tremmel und lacht. Erst ab 90 Jahren werden die Damen aus Waldsee zum Kerwekaffee eingeladen. Da jedoch nicht alle Plätze vergeben werden konnten, wurden auch einige Jüngere von der Ortsgemeinde eingeladen. „Ich finde das schön“, betont Tremmel und nippt an ihrem Sektglas, das der Beigeordnete Steffen Sternberger-Hahn (SPD) gerade vor ihr platziert hat.
Für Tremmel und Fuchs ist der Tag quasi ein Heimspiel. Die beiden sind seit Jahrzehnten TG-Mitglieder. Der Förderverein der Turngemeinschaft ist diesmal Ausrichter der dreitägigen Kerwe. Den TG-Singfrauen, die das Nachmittagsprogramm eröffnen, gehören die beiden Damen immer noch an. Die Kerwe im Ort hat ihnen schon in jungen Jahren gut gefallen. „Ich bin am liebsten Boxauto gefahren“, sagt Tremmel. Für Fuchs war als Kind etwas anderes das Größte: „Am Liebsten saß ich im Kettenschlenker.“ Damit meint sie das Kettenkarussell, das gefühlt haushoch seine Runden gedreht hat. Heute ist es vor allem die Gemeinschaft, die nicht nur Tremmel und Fuchs an der Kerwe gefällt.
Transport zum Kaffeekränzchen mit Bürgerbus
„Die ganze Atmosphäre gefällt mir und das Zusammensein“, erzählt Anna Keller. Mit ihren 94 Jahren ist sie eine der drei ältesten Frauen, die zum Kaffeetrinken gekommen sind. „Das ist richtig schön und eine gute Sache“, findet die gleichaltrige Erika Knittel. Loni Strohmenger war im vergangenen Jahr zum ersten Mal als Gast beim Kaffeekränzchen. Dass sie die Einladung mit 91 Jahren wieder annimmt, war für die Waldseerin selbstverständlich. „Ich freue mich, weil ich gern auf die Kerwe gehe“, verrät Strohmenger. Gefallen hat ihr die Idee des gemeinsamen Kaffeetrinkens schon seit vielen Jahren. „Das hat Tradition. Die ältesten Männer werden im Sommer zum Fischerfest eingeladen“, weiß Strohmenger. Gut findet sie das Angebot, mit dem Bürgerbus zum Treffen abgeholt und wieder nach Hause gebracht zu werden. Die Feuerwehr übernimmt den Fahrdienst.
Bürgermeisterin Claudia Klein (CDU) weiß, dass es für viele anderweitig keine Möglichkeit gibt, selbstständig zur Kerwe zu kommen. „Das Kaffeekränzchen ist daher eine schöne Gelegenheit für die älteren Damen, zusammenzukommen und zu plaudern“, weiß sie. Elf Frauen stehen insgesamt auf der Liste von Sternberger-Hahn, der sich um das Organisatorische vor Ort kümmert. Für ihn ist es eine Freude, zu sehen, dass sich die Gruppe wohl fühlt. Für sie ist extra ein Tisch unmittelbar vor der Bühne aufgestellt worden.
200 Helfer sorgen für Erfolg der Kerwe
Dort gibt’s ein abwechslungsreiches Programm, das sich wie ein roter Faden durch die Kerwe-Tage zieht. So zog das traditionelle Pfefferessen Gewerbetreibende, Bauhof und Verwaltung in die Sommerfesthalle. Etwas Neues testete die TG auch, wie der Vorsitzende des Fördervereins, Reiner Magin, berichtet: Mitmachstationen für Kinder in der Rheinauenhalle.
„Alle Ideen stammen vom Vergnügungsausschuss, der sich seit Monaten Gedanken über die Ausgestaltung der Kerwe macht“, betont er. Stolz ist er auf rund 200 Helfer und das Ergebnis, das an allen Tagen mit einem guten Zuspruch belohnt wird. Der Abschluss mit einer Zeitreise zurück in die 1980er-Jahre ist dabei ein ebensolcher Erfolg wie der Auftakt am Samstag mit dem TG-Spielmannszug, dem – wie Magin sagt – einzigen verbliebenen in der Region.