Bobenheim-Roxheim
Interview: Warum an der Gemeindebücherei nicht gespart werden sollte
Frau Guthmann, der schlimmste anzunehmende Fall bei der Haushaltskonsolidierung wäre, dass der Gemeinderat entscheidet, die Bücherei im Pfalzring zu schließen. Das würde er dann vermutlich mit dem Hinweis auf größere und attraktivere Bibliotheken in den benachbarten Städten tun. Wäre das wirklich so schlimm?
Ja, das wäre schlimm. Viele denken, eine Bücherei sei ein Ort für Bücher, aber sie ist ein Ort für Menschen. Jede Gemeinde ab 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern sollte sich eine hauptamtlich fachlich geleitete und gut ausgestattete Bücherei leisten, so ist es in der Verwaltungsvorschrift zum Landesbibliotheksgesetz nachzulesen. Unsere Gemeindebücherei ist ein generationenübergreifender Treffpunkt. Eine ihrer Kernaufgaben ist die Sprach- und Leseförderung, und dafür ist ein umfangreiches Medien- und Veranstaltungsangebot vorhanden bis hin zu Fortbildungen für Erzieherinnen. Außerdem: Familien haben zunehmend weniger Geld zur Verfügung, und eine öffentliche Bücherei ist insbesondere wichtig für Kinder aus bildungsfernen Familien.
Das kleinere Übel, sofern der Rat überhaupt den Rotstift ansetzen will, wäre die Reduzierung der Öffnungszeiten, um Personalkosten zu sparen. Könnten Sie damit leben?
Nein. Es ist wichtig, dass die Gemeindebücherei angemessene Öffnungszeiten einhalten kann. Die erwähnte Verwaltungsvorschrift empfiehlt: mindestens 20 Wochenstunden an mindestens fünf Tagen. Wenn die Öffnungszeiten gekürzt werden, setzt das einen fatalen Kreislauf in Gang: Die Ausleih- und Nutzerzahlen gehen zurück, die Bücherei verliert an Attraktivität, sie generiert weniger Einnahmen und ist dann noch schneller das Opfer von Kürzungsvorschlägen. Das würde schleichend zu einer Schließung führen. Das Personal und die Öffnungszeiten wurden 2018 schon einmal gekürzt. Die Gemeindebücherei hat lange gebraucht, um sich von diesen Einbruch der Zahlen zu erholen. Aufgrund der damaligen, in unseren Augen völlig überzogenen Kürzungsmaßnahme haben wir den Förderverein gegründet.
Haben Sie dann vielleicht eine andere Idee, um in der Einrichtung die Kosten oder die Einnahmen zu erhöhen?
Daran möchte ich mich als Vorsitzende des Fördervereins nicht beteiligen. Meine Aufgabe sehe ich eher darin zu zeigen, dass die Gemeindebücherei ihr Geld wert ist, wenn sie personell und finanziell gut ausgestattet ist.
Ein Interview mit dem Bobenheim-Roxheimer Bürgermeister über die Hintergründe der Sparvorschläge lesen Sie hier.