Hessheim / Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Feuchttücher machen Kläranlagen zu schaffen

So bitte nicht! Feuchte Reinigungstücher sollen nicht über die Toilette entsorgt werden.
So bitte nicht! Feuchte Reinigungstücher sollen nicht über die Toilette entsorgt werden.

Feuchte Tücher für Hygiene und Reinigung gelangen allzu oft über die Toilette ins Abwasser. Das bereite den Entsorgungsbetrieben immense Probleme, berichtet Ralf Keller, Werkleiter der Verbandsgemeinde Leiningerland und Leiter des für die Heßheimer Kläranlage zuständigen Abwasserzweckverbands.

Herr Keller, warum sind Feuchttücher im Abwasser gefährlich?
Diese Tücher bestehen meist aus einem Polyester-Viskose-Gemisch, oder es sind Kunstharzfasern beigemischt. Das macht sie reißfest, aber sie lösen sich im Wasser nicht auf wie etwa Toilettenpapier. Im Abwasserkanal verfilzen sie und bilden mit weiteren Feststoffen wie Windeln oder Spül- und Putzlappen zähe Stränge bis armdicke Klumpen. Dieser Zopfmix, wie wir das nennen, verstopft die Abwasserpumpen und bringt sie zum Stillstand. Im schlimmsten Fall kann sich dann in der Kanalisation ein Rückstau bis ins Wohnhaus bilden. Zum Verständnis: Das Abwasser muss vom Wohnhaus zur Kläranlage. Wo kein Gefälle im Kanalsystem vorhanden ist, helfen Pumpen nach und bringen das Abwasser auf ein gewisses Höhenniveau, sodass es anschließend im Freigefälle weiterfließen kann oder über eine Druckleitung weitergeführt wird.

Wie oft passiert es, dass die Pumpen stillstehen? Und könnten Siebe das nicht verhindern?
Nein, Siebe sind für diesen Einsatz relativ ungeeignet, weil einerseits meist der Platz für die Installation im Pumpwerk fehlt und zum anderen das Gewebe permanent verschmutzt wäre, was wiederum den Durchfluss behindern würde. Die Reinigung der Siebe wäre zeitaufwendiger als die gelegentliche Behebung der Verstopfungen in den Pumpen. Wir haben in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim elf Pumpwerke, in der VG Leiningerland sind es 30. Dabei ist jedes Werk zur Sicherheit bei einem etwaigen Ausfall mit zwei Pumpen ausgestattet. Im Schnitt kommen solche Verstopfungen etwa zweimal im Monat in den einzelnen Kläranlagen vor. Bei fünf Anlagen wären das zehn Einsätze monatlich. Das erfordert rund 500 Arbeitsstunden im Jahr, die Kosten liegen im höheren fünfstelligen Euro-Bereich.

Was wünschen Sie sich also von den Bürgern und Verbrauchern?
Dass sie sich für Feuchttücher entscheiden, die laut Hersteller biologisch abbaubar sind, sich also im Wasser auflösen. Oder dass sie, statt Feuchttücher zu benutzen , einfach Toilettenpapier mit einer Lotion befeuchten. Oder sogar ganz darauf verzichten und wiederverwendbare Baumwollwaschlappen benutzen. Eine weitere Möglichkeit wäre, einen Abfalleimer in Bad oder Toilette zu platzieren und dort die Tücher zu entsorgen. Aber Feuchttücher sind nicht unser einziges Problem. Wir haben in unseren Kläranlagen auch mit Speisefetten und Lebensmittelresten zu kämpfen, die über die Spüle oder Toilette entsorgt werden. Speisefett wird fest, setzt sich an den Abwasserrohren ab und verengt den Querschnitt, das Abwasser fließt langsamer, die Rohre müssen gereinigt werden. Lebensmittelreste in der Kanalisation können eine Rattenplage verursachen. Um das zu vermeiden, müssen die Verbandsgemeindewerke Leiningerland und der Abwasserzweckverband Mittleres Eckbachtal alljährlich eine sehr aufwendige und teure Nagetierbekämpfung betreiben, die sich ebenfalls im fünfstelligen Euro-Bereich bewegt.

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