Bobenheim-Roxheim Interview: Bürgermeister Müller sieht im Impfbus keine Vorteile

Michael Müller ist sauer auf den Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises.
Michael Müller ist sauer auf den Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises.

Landrat Clemens Körner (CDU) hat am Montagnachmittag den Impfbus der BASF bekommen – und eine geharnischte E-Mail des Bobenheim-Roxheimer Bürgermeisters. Hier erläutert Michael Müller (SPD), was ihn an der Idee eines mobilen Impfzentrums so ärgert.

Herr Müller, was stört Sie daran, dass der Impfbus den Norden des Rhein-Pfalz-Kreises bedient? Darüber müssten Sie im Namen Ihrer Bürger doch froh sein, denn die müssen dann nicht den weiten Weg nach Schifferstadt, ins Impfzentrum des Kreises auf sich nehmen.
Der Impfbus stellt nur einen weiteren Raum und ein Transportmittel für das Material dar, aber alles andere müssen die Gemeinden beisteuern: Räume und Ausstattung zur Vorbereitung und zur Beobachtung der Geimpften sowie das komplette Fachpersonal wie etwa Apotheker. Das ist so, als würden wir selbst ein eigenes Impfzentrum aufbauen und betreiben. Was soll uns das bringen? Für Personen, die belegbar nicht das Schifferstadter Impfzentrum erreichen können, haben wir Kommunen ja Fahrtdienste eingerichtet.

Sie haben dem Landrat einen Ihrer Meinung nach besseren Vorschlag gemacht. Welchen?
Dem Vorschlag von Landtagsmitglied Martin Haller (SPD) zu folgen und die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim sowie die Gemeinde Bobenheim-Roxheim dem Impfzentrum Frankenthal zuzuordnen. Der Zug vom Bahnhof im Ortsteil Bobenheim zum Hauptbahnhof Frankenthal braucht gerade mal vier Minuten. Und die Bewohner des Ortsteils Roxheim wären wohl schneller in der Stadt als am Impfbus. Denn der würde vermutlich an der Jahnhalle oder der Kreissporthalle im Norden der Gemeinde stationiert. Mir will nicht einleuchten, dass wir als kleine Kommune aus eigener Kraft etwas aufbauen sollen, das es ein paar Kilometer nebenan schon gibt und das sogar noch enorme Kapazitäten frei hat. Der gerechte Ausgleich wurde vom Land bereits in Aussicht gestellt, Frankenthal wird daraus kein Nachteil erwachsen.

Landrat Körner fürchtet, dass es dann ein Chaos bei der Zuweisung von Personal, Material und Impfstoff sowie bei der Kostenerstattung gibt. Der RHEINPFALZ sagte er, es sei nicht sinnvoll, „mitten im reißenden Fluss die Pferde zu wechseln“. Ist das kein Argument?
Mit Verlaub, seit Ausbruch der Pandemie sind wir Gemeinden wöchentlich, ja fast täglich gezwungen, die Pferde zu wechseln, weil uns – ungefragt – neue Aufgaben übertragen werden. Allein die an uns Gemeinden weitergegebene Verpflichtung, möglichst über Nacht Schnelltestzentren aufzubauen, ist dafür spiegelbildlich. Dabei ist die Frage doch berechtigt, ob im Rahmen des Infektionsschutzes nicht die Kreisverwaltung für Testzentren zuständig wäre. Immerhin und ein schwacher Trost: Wenigstens besorgt der Kreis das Material dafür.

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