Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Internistin übernimmt Hausarztpraxis Kreuzer

Vanessa Röger hat den Landarztberuf kennen und lieben gelernt. Deshalb will sie die Praxis ihrer Chefin übernehmen.
Vanessa Röger hat den Landarztberuf kennen und lieben gelernt. Deshalb will sie die Praxis ihrer Chefin übernehmen.

Im Land geht die Angst vor Hausarztmangel und Praxissterben um. Da ist es eine gute Nachricht, wenn eine Medizinerin sagt: „Ich bin mit Leib und Seele Hausärztin und übernehme die Praxis, in der ich angestellt bin.“ Vanessa Röger wagt in Bobenheim-Roxheim den Sprung in die Selbstständigkeit.

Zum 1. Januar übergibt Gabriele Kreuzer ihre Arztpraxis in der Stettiner Straße an die Frau, von der sie seit fast zehn Jahren als angestellte Internistin unterstützt wird. Wer weiß, ob die Fachärztin für Allgemeinmedizin für ihre Nachfolge noch andere Optionen gehabt hätte. Viele Ärzte im Rentenalter haben ja Probleme, jemanden zu finden, der ihre Praxis weiterbetreiben will. Und auch Bobenheim-Roxheim hat vor nicht allzu langer Zeit deswegen eine Hausarztpraxis verloren. Im jetzigen Fall aber ist alles gut gegangen.

Vanessa Röger, promovierte Fachärztin für Innere Medizin, liebt ihre Arbeit im ländlichen Raum und mag in den Chor der jungen Kollegen ohne Niederlassungsambitionen nicht einstimmen. Dabei hat die 44-Jährige ja selbst in jungen Jahren das Angestelltenverhältnis der Selbstständigkeit vorgezogen. „Ich war zunächst in Pforzheim als Internistin im Krankenhaus beschäftigt“, erzählt Röger, die heute mit Mann und zwei Kindern in Grünstadt lebt. „Nach der Geburt meiner zweiten Tochter erschien mir der ambulante Dienst dann besser mit dem Familienleben vereinbar zu sein.“ Die passende Stelle fand sie bei Gabriele Kreuzer. Zurück an eine Klinik will sie nicht mehr. „Die Arbeit macht so viel Freude, wenn man die Patienten gut kennt und oft drei Generationen einer Familie behandeln darf“, schwärmt Röger vom Hausarztberuf. „Man bekommt ganz viel zurück und spürt ein großes Vertrauen.“ Außerdem sei das Arbeitsfeld breit gefächert.

Verunsicherte Patienten

Vor etwa zwei Jahren habe sich abgezeichnet, dass ihre Chefin kürzer treten und den Betrieb verkaufen wolle. Es sei naheliegend und „ein logischer Schritt“ gewesen, dass sie die Nachfolge antreten würde, erinnert sich Röger. Und die ängstlichen Fragen vieler Patienten („Gell, Sie bleiben doch da, Frau Doktor?“) taten das Übrige, um sie zu überzeugen. „Ich will nicht noch mal neu anfangen und ich will hier auch niemanden im Stich lassen.“ Nach fast zehn Jahren in Bobenheim-Roxheim und mit dem Wissen, wie die einzelnen Patienten so gestrickt sind, traute sie sich zudem zu, „so eine Praxis zu managen“.

Gleichwohl war und ist die Übernahme keine Kleinigkeit für die zweifache Mutter. Schließlich muss sie einen happigen Kredit aufnehmen, um den Praxiskauf zu finanzieren. Neben der Einrichtung und den medizinischen Geräten übernimmt Vanessa Röger schließlich auch und vor allem die Patienten, sofern diese zustimmen, und den Ruf und Stellenwert der Praxis. Abgekauft wird im Grunde alles, was sich die bisherige Inhaberin in der Stettiner Straße aufgebaut hat. Die noch zu renovierenden Räumlichkeiten wurden und werden langfristig gemietet.

Sie und ihr Mann hätten sich den Schritt gut überlegt, berichtet die 44-Jährige. Hilfreich bei der Kaufpreisbestimmung sei die Kassenärztliche Vereinigung. Die biete zudem einen Lotsenservice an, den Praxisübernehmer zu verschiedensten Aspekten um Rat fragen könnten. Ein simples Beispiel ist das Abrechnungswesen, für das Röger bald verantwortlich sein wird. Gabriele Kreuzer stehe bei betrieblichen Fragen ebenfalls noch zur Verfügung, sie wird eigenen Angaben zufolge zwei Tage in der Woche weiter Chirotherapie, Osteopathie und Akupunktur anbieten.

Von Zuschüssen ausgeschlossen

Ein bisschen enttäuscht ist Röger vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit. Das fördert die hausärztliche Versorgung (unter anderem Praxisübernahmen) in ausgewählten Regionen. Röger freute sich, dass Bobenheim-Roxheim wegen des Altersdurchschnitts seiner niedergelassenen Hausärzte einer Förderregion angehört, und hoffte auf einen Zuschuss von 20.000 Euro, den sie gern in den Kauf eines Langzeit-EKG-Geräts gesteckt hätte. Auf RHEINPFALZ-Anfrage begründet das Ministerium die Absage mit den aktuellen Förderrichtlinien. Die seien darauf ausgerichtet, dass zusätzliche Ärztinnen und Ärzte im Fördergebiet tätig würden. Röger ist aber schon hier tätig.

Dem Einwand, dass auch der Übergang von einer Anstellung in eine sonst möglicherweise wegfallende Niederlassung eine Stärkung der Versorgung bedeuten kann, stimmt die Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums zu: „Derartige Argumente spielen durchaus eine Rolle bei Überlegungen für eine Weiterentwicklung unserer Förderprogramme. Aktuell jedoch gilt die jetzige Fassung.“

Zwei „Näpa“ machen Hausbesuche

Das kann Vanessa Röger die Freude darüber, „dass das hier bald meins ist“, wie sie sagt, nicht nehmen. Die Angst vor Überforderung nehmen ihr vier Mitarbeiterinnen: eine Arzthelferin, eine Angestellte für Telefon und Büro sowie zwei nichtärztliche Praxisassistentinnen (Näpa). Letztgenannte dürfen niedergelassene Mediziner in bestimmten Bereichen entlasten, etwa bei Haus- und Pflegeheimbesuchen. „Das ist eine große Erleichterung und wird von der KV auch gut bezahlt“, meint Röger.

Apropos Bezahlung. Die Grünstadterin gehört nicht zu den niedergelassenen Ärzten, die über ihr Einkommen klagen. „Man kann keine Reichtümer anhäufen, aber man wird für seine Leistung gut entlohnt“, sagt sie und ist zuversichtlich, als demnächst Selbstständige „gut über die Runden“ zu kommen.

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