Römerberg
„In Deutschland brauchen Projekte Zeit“
Fünf Jahre ist es her, dass die Ratsfraktionen in Römerberg den Anstoß für eine neue Trainingshalle in der 10.000-Einwohner-Gemeinde gaben. Vereinsvertreter lagen den Kommunalpolitikern damit schon länger in den Ohren. Ein Grund dafür ist, dass sich die Sportvereine – auch während der Pandemie – vor Interessenten nicht retten können und es teilweise lange Wartelisten für Trainingsstunden gibt. Das Problem ist, dass die vorhandenen Hallenkapazitäten in der Gemeinde begrenzt sind, das Ausweichen in andere Orte ist nicht unbedingt möglich, weil die Sportstätten auch dort ausgebucht sind.
Das beschäftigt die Vereinsvertreter und Politiker, die sich diese Woche auf Einladung von Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) erstmals an einen Tisch gesetzt haben. Hoffmann, der auch für das Bürgermeisteramt in der Verbandsgemeinde kandidiert, strebte eine Versachlichung der Debatte an – mit den Vertretern von Vereinen, allen Römerberger Fraktionssprechern aus dem Gemeinderat, den Beigeordneten sowie Matthias Braun von der beauftragten Planungsfirma und Gunter Stemmann aus dem Bauamt der Verbandsgemeindeverwaltung. Denn in der Vergangenheit scheint die Unzufriedenheit bei den Vereinen gewachsen zu sein, weil sich der angedachte Neubau hinter der Grundschule in Berghausen hinauszögert. Der Ortsbürgermeister erwähnte in diesem Zusammenhang eine Veröffentlichung eines Vereinsvertreters, in der dazu geraten worden sei, auf die Gemeinderäte Druck auszuüben. Das sei kein guter Stil, sagte Hoffmann.
Finanzsituation, Zuschussdschungel, Personalnot
Bei der zweistündigen Sitzung wurde zusammengefasst, was auch in der Vergangenheit immer wieder angeklungen ist: Römerberg braucht Geld, um die Halle unterhalten zu können. „Darauf achtet die Kommunalaufsicht“, sagte Hoffmann. Als nächstes muss deshalb eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt werden. Architekt Matthias Braun nannte als Kosten für die neue Halle rund 3,27 Millionen Euro, machte aber gleichzeitig deutlich, dass sich mit dieser Zahl nicht kalkulieren lasse, weil es im Baubereich immer eine Kostensteigerung gebe.
Grundlegend verdeutlichten die Kommunalpolitiker, dass die Gemeinde finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. „Unsere Zahlen sind katastrophal. Die Bereiche Schule, Erziehung und der Bauhof fressen alle unsere Steuereinnahmen auf“, sagte CDU-Fraktionschef Mathias Müller. Deshalb muss sich die Gemeinde neue Einnahmequellen erschließen, was jedoch Zeit braucht. Angesprochen wurden das angedachte Gewerbegebiet in Berghausen, für das die Gemeinde aber immer noch nicht alle Grundstücke habe, und der vorgesehene Windpark. Hoffmann zufolge könnte der Windpark jährlich 75.000 Euro in die Gemeindekassen spülen. Um an Geld für die Halle zu kommen, kann die Gemeinde auch Zuschüsse beantragen. Diese sind jedoch an verschiedene Bedingungen geknüpft, außerdem ist Römerberg nicht die einzige Gemeinde, die um finanzielle Unterstützung beim Kreis und Land bittet.
Alle sind sich einig
Um die finanzielle Situation zu verbessern, könnte die Gemeinde auch die Steuern erhöhen, aber das ist eine bei den Bürgern unpopuläre Maßnahme, bemerkte Ortsbürgermeister Hoffmann. Seine Aussage: „Wenn eine Gemeinde seine Vereine fördern möchte, muss die Politik Spielräume finden.“ Hoffmann und die anderen Parteienvertreter bekräftigten gegenüber den Sportlern, dass alle eine neue Trainingshalle wollen. „Das ist kein Unvermögen oder Unwillen, sondern die Tatsache, dass in Deutschland Projekte Zeit brauchen. Das haben wir uns nicht ausgesucht“, sagte Hoffmann. Er verwies zu alledem noch auf die Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung, die den Prozess zu managen hat. Dort arbeiteten drei Ingenieure, die 250 Projekte am Laufen hätten, sagte der Ortsbürgermeister und verdeutlichte damit deren Arbeitsbelastung. Worauf Hoffmann übrigens auch noch hinwies, ist die Halle in Waldsee, die dort vor ein paar Jahren innerhalb kurzer Zeit für rund 2 Millionen Euro in einfacher Bauweise errichtet wurde. „Eine solche Halle dürften wir heute schon nicht mehr bauen, weil sich die Vorgaben bei der Wärmedämmung geändert haben“, sagte der Ortsbürgermeister.
Schlussendlich waren die Vereinsvertreter informiert, woran es hakt, und zwar meistens an Umständen, die nur schwer beeinflussbar sind. Christian Theysohn, Vorsitzender des TuS Heiligenstein, nahm aus der Sitzung mit, „dass es einen Plan gibt, der verfolgt wird, der aber nicht morgen zu einer Halle führt“. Hoffmann hatte zuvor von einem Baubeginn 2025 gesprochen, „wenn alles optimal laufen würde“. TuS-Volleyball-Abteilungsleiterin Christine Walter lobte das Gesprächsangebot zur Trainingshalle, die letztlich auch die Freizeitattraktivität der Gemeinde steigert. Und damit war es auf den Punkt gebracht: Wenn man miteinander statt übereinander spricht, ist allen geholfen.