Rhein-Pfalz Kreis
Im Blickpunkt: Gerolsheim vor den Kommunalwahlen
Hintergrund: „Tor zur Weinpfalz“ steht auf einem Schild am Ortseingang von Gerolsheim. Es verweist auf die ansässigen Winzer. Anderes Gewerbe gibt es hier dagegen kaum. Und Einkaufsmöglichkeiten sind – von Hofläden abgesehen – keine mehr vorhanden. Nicht einmal mehr eine Bäckereifiliale gibt es. Als idyllischer Wohnort inmitten von Reben und Feldern ist das Dorf aber nach wie vor sehr beliebt.
Das soll auch in Zukunft so bleiben. Dafür machen sich FWG, CDU und SPD, die derzeit im Gemeinderat vertreten sind und am 26. Mai wieder zur Kommunalwahl antreten, unisono stark. Doch vieles von dem, was sich die Fraktionen wünschen, muss an höherer Stelle entschieden werden.
Der Ausbau der Radwege ist ein zentrales Thema
Stichwort: Ausbau der Radwege. Parteiübergreifend wird seit Jahren darum gerungen, den Radweg Richtung Dirmstein zu verlängern. Der endet noch immer mitten in einer Kurve. Würde er entlang der Kreisstraße 24 bis zum Ortseingang weitergeführt, könnten Gerolsheimer die Einkaufsmöglichkeiten im Nachbarort auch mit dem Drahtesel auf sicherem und direktem Weg erreichen. Seit Jahren spreche er mit den Verwaltungen der Verbandsgemeinde und des Landkreises Bad Dürkheim über das Thema, sagt Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG). Erst zur Eröffnung des neuen Supermarkts in Dirmstein vor wenigen Monaten habe er das Thema bei der Verwaltung wieder angemahnt. Er verspricht: Rat und Gemeindespitze bleiben dran.
Beim gewünschten Radweg nach Lambsheim ist man immerhin schon etwas weiter. Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen. Jetzt hängt es an der Finanzierung, andere Projekte haben beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) erst mal Vorrang. Was die Sache nicht einfacher macht: Das Projekt fällt in den Zuständigkeitsbereich zweier Landkreise (Bad Dürkheim und Rhein-Pfalz).
In Gerolsheim gibt es zu wenig Parkplätze
Ebenfalls schon lange wird im Rat um ein Verkehrs- und Parkraumkonzept gerungen, das auf eine Initiative der SPD zurückgeht. Doch auch hier läuft ohne die übergeordneten Behörden nichts. Das Problem: In Gerolsheim ist man im Prinzip auf ein Auto angewiesen. Die Einwohner pendeln damit zur Arbeit in eine der umliegenden Städte und benötigen es auch zum Einkaufen. Weil inzwischen viele Haushalte mehr als einen Pkw haben, sind die Straßen und Gassen spätestens ab dem Nachmittag zugeparkt. „Viele stellen ihr Auto einfach auf die Straße, anstatt es aufs Grundstück zu fahren“, erläutert Weyer. Parkbuchten einzuzeichnen und Verbotsschilder aufzustellen, koste jedoch Geld. Und bringe nur dann etwas, wenn hinterher kontrolliert werde, ob die neuen Regeln auch eingehalten werden. Genau daran hake es noch, weil der Ordnungsdienst der Verbandsgemeinde hierfür nur über eineinhalb Stellen verfügt – bei 21 Ortsgemeinden. Eine weitere Stelle sei aber inzwischen ausgeschrieben. Sobald diese besetzt sei, wolle man das Thema wieder aufgreifen, kündigt der Ortschef an.
Dafür geht es in der Gerolsheimer Hauptstraße (L 520) voran: Nach einem Ortstermin hat der LBM laut Weyer signalisiert, dass eine Reduzierung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer zumindest im Bereich der Bushaltestellen möglich ist. Dort überqueren viele Grundschul- und Kindergartenkinder die Straße. „Wir wollten in der ganzen Straße ein Tempolimit haben, aber das geht nicht“, berichtet Weyer. Gerne würde die Gemeinde dort auch alternierende Parkbuchten ausweisen, um den Verkehr abzubremsen. Doch das sei mit Blick auf die vielen Einfahrten und die Bushaltestellen nicht so einfach. Am 14. Mai wird der Gemeinderat darüber und über das Tempolimit beraten.
Nachfrage nach Bauplätzen ist ungebrochen
Ihren Kindergarten Naseweis hat die Gemeinde bereits vor einigen Jahren erweitert, der ältere Gebäudeteil wurde saniert. Die Einrichtung ist mit 73 Kindern gut belegt. „Das soll auch so bleiben“, sagt Weyer. Die steigende Nachfrage von Eltern nach Ganztagsbetreuung könnte allerdings den nächsten Anbau erforderlich machen: „Da müssen wir uns rechtzeitig Gedanken machen.“
Für Nachwuchs für Kindergarten und Grundschule könnte der weitere Zuzug junger Familien sorgen. Die Nachfrage nach Bauplätzen sei ungebrochen hoch, berichtet der Bürgermeister. Bauplätze dürfte die Gemeinde aktuell jedoch nur noch auf einem Areal im Westen am Schützenhaus ausweisen, was mit Blick auf die zu erwartende Lärmproblematik keiner will. Viel besser wäre dafür laut Weyer eine freie Fläche am Friedhof geeignet, die sich auch leicht erschließen lasse. „Dort könnten wir das jüngste Neubaugebiet erweitern“, sagt Weyer. Er ist überzeugt: „Die Bauplätze wären sofort weg.“ Doch dazu müssten die beiden Flächen im Flächennutzungsplan getauscht werden, und da spiele die übergeordnete Baubehörde nicht mit.
Eine Besonderheit ist das gemeindeeigene Elektrizitätswerk, das seit einigen Jahren von den Stadtwerken Frankenthal betreut wird. Die Hälfte des Gewinns fließt in den Haushalt der Gemeinde. Jüngst wurden die Preise erhöht. Das Stromgeschäft sei in den vergangenen Jahren immer komplizierter geworden, sagt Weyer. „Die Regularien werden immer strenger, und die Gewinne immer kleiner.“
Erich Weyer ist seit 15 Jahren Ortsbürgermeister von Gerolsheim und will es bleiben
Amtsinhaber Erich Weyer (FWG) geht ohne einen Gegenkandidaten in die Wahl um das Amt des Ortsbürgermeisters. Seit 15 Jahren sitzt er in Gerolsheim auf dem Chefsessel. Auch bei der Kommunalwahl 2014 hatte Weyer keinen Herausforderer. Mit 84,3 Prozent der Stimmen war er damals wiedergewählt worden.
Auch diesmal schicken weder die CDU noch die SPD einen Kandidaten ins Rennen. Bei der Entscheidung, ob er eine vierte Amtszeit anstreben soll, habe er sich viel Zeit gelassen, sagt Weyer. Nicht zuletzt wegen seines Alters. Ausschlaggebend dafür, noch einmal fünf Jahre dranzuhängen, seien die Unterstützung der Wählergruppe und die gute Zusammenarbeit im Rat gewesen, berichtet der 71-Jährige. „Jeder kann mit jedem, und so soll es auch weiter sein.“ Das gute Miteinander mit den anderen Fraktionen sei wichtig, um für ein kleines Dorf wie Gerolsheim etwas zu erreichen, betont er. Dazu benötige man eine starke Kommune und einen starken Gemeinderat.
Weyer setzt auf solide Finanzen
2004 trat Erich Weyer die Nachfolge von Sozialdemokrat Adolf Buch an, der zuvor 25 Jahre lang Ortsbürgermeister gewesen war. „Dass es bei mir selbst einmal 20 Jahre werden könnten, hätte ich damals nie gedacht“, meint Weyer. Kommunalpolitisch aktiv ist der Protestant seit 1984. Seither sitzt er in seinem Heimatdorf ununterbrochen im Gemeinderat, auch dem Rat der Verbandsgemeinde Leiningerland gehört Weyer an.
Als Ortschef setzt er auf solide Finanzen. Sein Motto: „Man kann nicht mehr gestalten, als man Geld zu verwalten hat.“ Wichtig ist ihm der Erhalt der gemeindeeigenen Gebäude. Besonders im Blick hat er den Kindergarten, der vor einigen Jahren erweitert und im älteren Teil saniert wurde: „Der ist mit 73 Kindern aktuell gut belegt, und das soll auch so bleiben.“
Der Amtsinhaber hat zwei erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder. Als Hobbys nennt der pensionierte Dreher und Fertigungsplaner Singen – beim Männergesangverein ist Weyer Basssänger –, Turnen und Radfahren. Aufgegeben hat er inzwischen den Weinbau, die Wingerte sind verpachtet. „Das war eine der Bedingungen meiner Frau für eine vierte Amtszeit“, sagt Weyer und lacht.
Was die drei Parteiverbande für den Ort erreichen wollen
Die Freien Wähler sind in Gerolsheim die stärkste politische Kraft. Im Gemeinderat haben sie die absolute Mehrheit. Mit Erich Weyer stellen sie nicht nur den Ortsbürgermeister, sondern mit Klaus May und Hermann Fried auch beide Beigeordnete. Gelingt es CDU und SPD, der Wählergruppe einen oder sogar mehrere Sitze abzunehmen?
16 Sitze sind bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai zu vergeben. Beim Urnengang im Jahr 2014 hat die FWG noch einmal leicht zugelegt und mit neun Sitzen ihre absolute Mehrheit verteidigt. Auf Seiten der Opposition gab es einen Platztausch: Die SPD verlor ein Mandat an die CDU. Sie hat seither drei Sitze, die Union kommt auf vier.
Entscheidungen fallen meist einstimmig
Thematisch sind die politischen Gruppen nicht weit auseinander. Große Meinungsunterschiede gab es in den vergangenen fünf Jahren nicht, die meisten Entscheidungen fielen einstimmig. „Ich brauche im Rat keine Streiter, sondern Mitstreiter“, sagt Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG). Vieles von dem, was sich die Fraktionen wünschen, muss ohnehin woanders entschieden werden, wie etwa der Ausbau des Radwegs nach Dirmstein oder der Neubau eines Radwegs nach Lambsheim.
CDU fordert Lärmschutz für A 6
In Richtung Heßheim gibt es bereits einen Radweg, die Union würde aber gerne die Beleuchtung am Ortsausgang verbessern. „Die Abfahrt auf den Radweg ist ziemlich gefährlich“, sagt CDU-Chef Herbert Müller. Die Christdemokraten wollen sich auch weiter für einen Anschluss an die A 6 sowie für Lärmschutz an der Autobahn stark machen. Letzter Punkt findet sich auch im Programm der SPD.
Die beiden Oppositionsparteien beklagen, dass die Wege auf dem Friedhof in keinem guten Zustand seien. Und: Eine Toilette sei in der Leichenhalle zwar vorhanden, von außen frei zugänglich sei diese aber noch nicht. Die CDU regt zudem eine zentrale Ablagemöglichkeit für Blumen an den Wiesengräbern an.
SPD: Tempo 30 im ganzen Dorf
SPD-Ortsvereinsvorsitzender Volker Rossel wünscht sich, dass der Palmberg endlich als Naherholungsgebiet erschlossen wird. Das sehen auch die anderen Parteiverbände so. „Leider wird uns die Errichtung einer Schutzhütte mit Verweis auf ein Vogelschutzgebiet verwehrt“, sagt Rossel. Gegen den Neubau einer 200 Meter langen Halle der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten direkt daneben gebe es dagegen keine Einwände seitens des Kreises.
Weil mit Hauptstraße (L 520) und Hintergasse/Untergasse (K 24) beide Ortsdurchfahrten keine gemeindeeigenen Straßen sind, geht auch beim Verkehrs- und Parkraumkonzept ohne die übergeordneten Behörden nichts. Im Gespräch ist derzeit, ob zumindest auf einem Abschnitt der Hauptstraße die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer reduziert werden kann. Auch um einen Schilderwald zu vermeiden, machen sich die Sozialdemokraten für eine einfache Lösung stark: Tempo 30 im ganzen Dorf.
FWG möchte neue Bauplätze am Friedhof
Ein Punkt, den vor allem die FWG anspricht, ist die Ausweisung neuer Bauplätze am Friedhof. Doch dafür müsste zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden, wofür es aktuell kein grünes Licht gebe, wie Ortsbürgermeister und FWG-Chef Erich Weyer berichtet.
Was alle Gruppierungen eint: Der Schulstandort Gerolsheim soll langfristig erhalten werden. Notwendige Sanierungsarbeiten müsse die Verbandsgemeinde auf den Weg bringen.
Diese Kandidaten wollen in den Ortsgemeinderat
- FWG: 1. Erich Weyer, 2. Mathias Vogel, 3. Reinhold Kuales, 4. Gerald Binder, 5. Klaus May, 6. Janina Suski, 7. Roger Daut, 8. Lars Wahl, 9. Simone Ulrich, 10. Dirk Schreiber, 11. Max Ketisch, 12. Peter Palm, 13. Katja Kuales, 14. Robert Binder, 15. Jürgen Pfeilschmidt, 16. Peter Frielingsdorf.
- CDU: 1./2./3. Herbert Müller, 4./5./6. Gaby Müller, 7./8./9. Eva Vogel, 10./11./12. Gerd Walter Keller, 13./14. Tamara Müller, 15./16. Otto Trinkel.
- SPD: 1./2. Volker Rossel, 3./4. Irmgard Gurdan, 5./6. Hans Jürgen Heil, 7./8. Georg Zeilfelder, 9. Marcus Wild, 10. Jürgen Schinkenmaier, 11. Ingrid Rossel, 12. David Abel, 13. Anita Zeilfelder, 14. Gerald Kerstein, 15. Ursula Schinkenmaier.