Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hobbyforscher deutet Ortsnamen neu

Ist fasziniert von der Geschichte seines Heimatorts Otterstadt: Thomas Horn, der ein T-Shirt mit seinem favorisierten ursprüngli
Ist fasziniert von der Geschichte seines Heimatorts Otterstadt: Thomas Horn, der ein T-Shirt mit seinem favorisierten ursprünglichen Ortsnamen trägt.

Otterstadt wurde im Jahr 1020 erstmals schriftlich in einer Urkunde erwähnt. Allerdings waren dort schon früher Römer, Hunnen, Alemannen und Franken ansässig. Thomas Horn begeistert sich für deren Spuren, findet immer wieder Überbleibsel aus deren Zeit und hat eine eigene Theorie, was der Ortsname Otterstadt bedeuten könnte.

Thomas Horn hat mit zwölf Jahren in den Rheinauen seinen ersten Mammutzahn gefunden. „Ich habe in der Schule einen Geschichtslehrer gehabt, der toll erzählen konnte. Das hat mich fasziniert“, erinnert sich der heute 60-Jährige. Er ist als Sondengänger und Heimatforscher ehrenamtlich aktiv und hat in den vergangenen 40 Jahren nach eigenen Angaben weit mehr als 10.000 Überbleibsel aus den vergangenen Jahrtausenden gefunden, darunter auch Metall aus der Jungsteinzeit.

Dass Kelten, Römer, Hunnen, Alemannen und Franken auch in Otterstadt waren, belegen verschiedene Grabfunde, wie in der Keltenstraße aus der Römerzeit und am Hochweg aus der Frankenzeit. Diesen Nachweis hat Horn erbracht. Der Otterstadter berichtet auch von einem römischen Hortfund von Bronzegefäßen und der Entdeckung eines karolingischen Prunkschwerts im Jahr 1957, auch im Angelhof. Das Schwert wurde von einem Bagger ausgegraben und gilt als Sensation. „Ein sagenhaftes Schwert mit einer Klinge aus Damaststahl, der Knauf des Griffs aus massivem Silber, verziert mit feuervergoldeten Schmuckblechen aus Silber und Bronze und vermutlich roten Almandin-Steinen. In ganz Deutschland lechzt man nach solchen Funden und in Otterstadt liegen sie“, schwärmt Horn. Er fragt sich, warum solche wertvollen Stücke gerade hier gefunden werden, und vermutet, dass die Besitzer sie verloren haben, als sie bei Otterstadt den Rhein überquerten.

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Glück und Zufall spielen mit

Horn sucht mit Genehmigung der Landesarchäologie in Speyer, der er seine Funde vorlegen und dokumentieren muss. Der 60-Jährige hat ein geschultes Auge und das nötige Quäntchen Glück. „Meine Mutter ist mit mir mal auf die Suche gegangen und hat gesagt, dass sie nichts findet. Ich habe ihr gesagt, dass sie mit ihrem Fuß zur Seite treten soll. Sie stand auf einem Mammutzahn“, sagt der Otterstadter und schmunzelt. Er hat ein Gespür dafür, wo es Schätze gibt. „Ich kann mich in die Zeit zurückversetzen und die Aura von dem spüren, der etwas verloren hat“, sagt Horn und fügt hinzu: „Manchmal meine ich, dass ich früher gelebt habe, weil mich so viele Zufälle zu meinen Funden leiten.“ Ein Bronzebeil entdeckte er auf einem Acker, und zwar in dem Teil, der gerade abgeerntet worden war. „Ich lief fünf Meter im Zickzack und hatte es gefunden“, sagt der 60-Jährige, der für die Suche einen Metalldetektor verwendet.

Thomas Horn ist gelernter Werkzeugmacher und hat jahrelang in einem Bereich gearbeitet, den er als „Schatzgräberei im Großen“ bezeichnet. Der Otterstadter war in der Kiesbranche beschäftigt, erst bei einer Firma in der Bannweide, dann bei einer, die den Rohstoff im Otterstädter Altrhein fördert. Im Bereich Auriegel, Bannweide und Koller seien beim Kiesabbau viele Objekte der Römer und Franken gefunden worden. „Sie wurden aus Unkenntnis weggeworfen oder sind verschollen“, sagt der Otterstadter, der sie nur vom Hörensagen kennt. Er berichtet auch von Überresten von Tieren aus der Eiszeit – von Mammuts, Wisenten, Nashörnern und Büffeln –, aber auch von auffällig vielen Metallfunden und Tongefäßen.

Schiffslandestelle gefunden

2006 entdeckte er bei der Arbeit im Koller im Badischen selbst Reste von Brettern und Balken, die mit Dübeln und Löchern versehenen waren. „Dabei kamen auch zerbrochene Mühlsteine, Pfostensteine und Dachziegeln, sehr viele Tonscherben und Metallreste zum Vorschein“, erinnert sich der 60-Jährige, der die Funde der Landesarchäologie meldete. Von dort hieß es, dass die Holzteile von einem römischen Schwerlastschiff stammten. Eine Altersuntersuchung habe ergeben, dass die Holzteile aus dem 2. Jahrhundert nach Christus waren.

Den Speyerer Archäologen war laut Horn sofort klar, dass diese Funde auf eine römische Schiffslandestelle hindeuten – „ein antiker Rheinübergang mit der versunkenen Fähre und den dazugehörigen Gebäuden“, beschreibt es Horn. Nach seinen Angaben hält es die Landesarchäologie für möglich, dass es auf der Pfälzer Seite in der Bannweide und im Auriegel ebenfalls eine Anlegestelle gab. Das erkläre auch die vielen Funde in dem Bereich, weil die Gegenstände beim Überqueren im Wasser verloren gingen, sagt Horn.

Er ist sich sicher, dass dieser Übergang, der an der engsten Stelle einer Rheinschleife lag, mehrere Jahrhunderte benutzt wurde. „Von dort gibt es auch heute noch nur einen Weg nach Otterstadt – die Kollerstraße“, sagt Horn. Er glaubt, dass diese eine sehr alte Handelsstraße ist, die sich im heutigen Otterstadt in alle Richtungen verzweigte und zur Römerstraße führte. Diese überregionale Heerstraße verlief damals nahe der heutigen B9, sagt der 60-Jährige. Ihm zufolge beträgt die Entfernung vom Rheinübergang zur Heerstraße fünf Kilometer. „Weil die Händler mit Ochsenkarren unterwegs waren und damit nur eine Tagesleistung von 15 bis 18 Kilometern zurücklegen konnten, mussten sie aufgrund der Entfernung zur nächsten Siedlung oder Stadt am Rheinübergang übernachten und konnten dort handeln oder sich versorgen“, sagt Horn, der auch einen Hof nahe des heutigen Remigiushauses vermutet.

Ortsnamen zerlegt

Aufgrund seiner über Jahre gemachten Funde überlegte sich der 60-Jährige, wie der Otterstadter Ortsname entstanden sein könnte. Die Entdeckung des Rheinübergangs sei für ihn der Schlüssel gewesen, sagt Horn. Nachdem er die Schriften vom bereits verstorbenen Heimatforscher Rainer Friebe gelesen hatte, deutete er den Otterstadter Ortsnamen mit seinem erworbenen historischen Hintergrund neu. „Friebe verweist in seinen Schriften darauf, dass Sprachen und Dialekte im Laufe der Zeit verschleifen und verwaschen“, sagt Horn und nennt als nahe liegende Beispiele „Alta Rippa, Altrippa, Altripper“ oder „Walachesheim, Waldsheim, Waldsem, Waldsee“.

In der Urkunde, in der Otterstadt vor 1001 Jahren erstmals erwähnt wurde, ist von „Odderstaterumarcha“ die Rede. Horn hat das Wort zerlegt und kommt nach einer langen Recherche sowohl in Büchern als auch im Internet zu dem Schluss, dass „Odd Statum Archa“ nicht auf den Gründernamen oder die schlammige Lage im Rheingebiet schließen lässt, sondern übersetzt so viel heißen könnte wie „abseits gelegener Handelsplatz mit Gemarkung“. „Odd“ stehe für „abseits“, „Statum“ für Handelsplatz und „Archa“ für Gemarkung. „Diese Bezeichnung hat wahrscheinlich seinen Ursprung in der römischen Bezeichnung für den Rheinübergang, wurde im Volksmund übernommen und führte im Laufe der Zeit durch Wortverschleifung der verschiedenen Sprachen und Dialekte zur ersten schriftlichen Erwähnung Odderstaterumarcha“, erklärt Horn seine Theorie.

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