Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Handharmonika trotzt Pandemie: Mit Musik motivieren

Das jüngst zusammen mit der Blaskapelle gespielte Konzert sollte eigentlich ein Neustart nach der Pandemie sein.
Das jüngst zusammen mit der Blaskapelle gespielte Konzert sollte eigentlich ein Neustart nach der Pandemie sein.

Auch den 1. Handharmonika-Club Mutterstadt plagen Corona-Sorgen. Übungs- und Probebetrieb sind eingeschränkt, Veranstaltungen fallen aus. Und doch wird – wie schon seit 88 Jahren – mit musikalischem „Handspiel“ einiges auf die Beine gestellt.

„Es war nur eine kleine Gruppe von Handharmonikaspielern, die sich am 11. Oktober 1933 im Gasthaus ,Zum Bürgerbräu’ (1976 abgerissen) trafen. Ihr Ziel war es, eine Musikgemeinschaft zu gründen, deren Name vom Instrument her schnell gefunden war: 1. Handharmonika-Club Mutterstadt.“ So wird über die Gründung in der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum des HHC berichtet.

Der erste Vorsitzende war Valentin Baltz, ihm gelang 1934 auch die Aufnahme des Vereins in den Deutschen Harmonikaverband. Auf Baltz folgte im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Männern als Vorsitzende, unter ihnen auch der Altbürgermeister Ewald Ledig (CDU). Seit 2007 führt Wendelin Magin den Verein an. Erst vor wenigen Wochen wurde er für zwei Jahre wiedergewählt: „Jetzt mach ich, wie Kanzlerin Angela Merkel, die 16 Jahre auch noch voll“, kommentiert er seine Wiederwahl mit einem Augenzwinkern.

Augenblicklich hat der Verein 154 Mitglieder, der Anteil von Männern und Frauen ist nahezu ausgeglichen, das Durchschnittsalter beträgt 54,2 Jahre. Flaggschiff des 1. HHC ist ein rund 25-köpfiges Orchester mit Spielerinnen und Spielern zwischen 18 und 82 Jahren, das normalerweise beim traditionellen Konzerttermin alle zwei Jahre einem Motto folgend sein großes musikalisches Spektrum zum Besten gibt. 2016 sei dies „Rock ’n Rondo“ gewesen, 2018 „Pop-Art“, erinnert sich Magin. In den Jahren zwischen den großen Konzerten im Palatinum lädt der HHC zu Themenabende ein, bei denen die Gäste im Pfarrer-Jakob-Fuchs-Haus unter anderem schon zu „Tangoträumen“, „Jazz & Swing“, oder „Latin fever“ in geselliger Runde das Tanzbein schwingen konnten. „Das wird sehr gerne angenommen“, erzählt der Vorsitzende. Ein weiterer fester Bestandteil des HHC-Konzertprogramms ist ein Ensemble, das 2007 gegründet wurde und in vierstimmiger Besetzung plus dem von Magin intonierten Bass zum Beispiel bei Feierstunden befreundeter Vereine oder bei Veranstaltungen der Städtepartnerschaften auftritt.

Fast alles möglich mit Akkordeon

Mit einem Repertoire von Bach bis Bossa-Nova bereichert das Duo Moni & Rolf (Monika Keller und Rolf Dörner) Ausstellungseröffnungen, Buchvorstellungen, Jubiläen oder Gottesdienste. Zwar auch Beerdigungen, aber dies natürlich nicht hauptsächlich. Noch heute wird intern darüber gelacht, wie Wendelin Magin einst das Duo etwas ungeschickt vorstellte. Dabei kam es so rüber, als seien Beerdigungen das Hauptgeschäft.

Mit einem Akkordeon könne man eben fast alles interpretieren: Klassik, Latein, Rock oder den für Frankreich so typischen Musette-Stil, meint Magin und: „Man kann auch jeden Gassenhauer spielen.“ Aus dem Mutterstadter Kulturkalender ist der HHC jedenfalls kaum wegzudenken. Zu jährlichen Ereignissen wie Waldfesten, der Kerwe oder dem Lindenfest spielt der Verein regelmäßig mit einem bunten Reigen an Unterhaltungsmusik auf, bei seinen Konzerten dagegen mit einem Extra-Programm. „Da lassen wir uns etwas Besonderes einfallen“, sagt der 68-jährige. Sehr froh ist er, mit Vladimir Korol seit 2010 einen erfahrenen Dirigenten an der Hand zu haben. Der in Norilsk (Russland) geborene Musik-Dozent dirigiere mit Inbrunst, seine Taktführung sei absolut „fein und sauber“.

Die vergangenen fast zwei Jahre unter Corona-Bedingungen bezeichnet Magin als „mühsame Zeit“. Sofern überhaupt möglich, gab es Proben in der Walderholung, Unterricht fand dank vorhandenem CO2-Messgerät eins zu eins, Stammtische und Adventsfeiern aber nur online statt. Das jüngst zusammen mit der Blaskapelle gespielte Konzert „Accordion meets Brass Orchestra“ sollte eigentlich ein Neustart nach der Pandemie sein. Musiker sollten wieder zusammengebracht, so motiviert und damit für alle ein Zeichen gesetzt werden, dass es wieder vorwärts geht. „Ein paar Karotten vor die Nase halten“, drückt es Magin im Spaß aus. Gefördert wurde die Veranstaltung aus Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und des Bundesmusikverbands Chor und Orchester mit dem Programm Impuls, mit dem Amateurmusiker im ländlichen Raum nach der Corona-Pandemie unterstützt werden sollten.

Hochzeitsbrunch verpasst

Um dafür begünstigt zu werden, hat Magin sich ins Zeug gelegt. Weil die Bewerbungsfrist am letzten Tag im Mai endete, hat er sogar auf ein Frühstück anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Christoph, der Schlagzeuger beim HHC ist, verzichtet. Die Unterlagen mussten pünktlich zusammengestellt werden, es ist schließlich geglückt.

Wie es jetzt allerdings weitergeht, sei wieder offen. Proben wurden erneut freiwillig bis Mitte Januar eingestellt. „Dann schauen wir, wie die Lage ist“, bedauert der Vereinschef diesen Schritt und die Tatsache, dass der Schwung, den das Konzert gebracht hatte, vorerst wieder raus ist. Es bleibt jedoch die Hoffnung, dass ein für 2022 angesetzter gemeinsamer Themenabend mit dem Harmonika-Club Rheingold Käfertal nicht nur ein Plan in der Schublade bleibt.

Noch Fragen?

Ob Akkordeon, Klavier oder Keyboard – der HHC lädt Klein und Groß zum Reinschnuppern ein, denn momentan läuft der Ausbildungsunterricht. Akkordeonunterricht gibt Martina Gerber: dienstags von 10 bis 12 Uhr und 16.30 bis 20.30 Uhr sowie freitags von 17 bis 19.30 Uhr im Albert-Schweitzer-Haus in Limburgerhof. Keyboard und Klavier lehrt Jürgen Becker: mittwochnachmittags im Mutterstadter Haus der Vereine, Schulstraße 8. Aktuelle Infos unter www.hhc-mutterstadt.org oder unter Telefon 06236 465688.

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