Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Handharmonika-Club gerät in die Kritik

Zwei Räume im alten Schulgebäude werden nun von den Viertklässlern der Pestalozzi-Grundschule genutzt, außerdem wurde ein Schulc
Zwei Räume im alten Schulgebäude werden nun von den Viertklässlern der Pestalozzi-Grundschule genutzt, außerdem wurde ein Schulcontainer aufgestellt.

Die vierte Klassenstufe einer Mutterstadter Grundschule muss das letzte Grundschuljahr im alten Schulgebäude und in einem Container verbringen. Das sorgt für Unmut.

Grund für den Umzug ins alte Schulgebäude in der Schulstraße ist, wie berichtet, der Platzmangel in der Pestalozzi-Grundschule, der sich früher als gedacht ergeben habe, erklärt Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD). Aufgrund stärker als erwartet steigender Schülerzahlen, auch durch Zuzüge, gibt es schon in diesem Schuljahr vier erste Klassen, für die aber aktuell ein Raum fehlt. Derzeit entsteht mit dem Umbau der Pestalozzi-Schule und dem Bau einer neuen Kita mit Hort und Mensa der neue Kindercampus auf und am Schulgelände. Laut Bürgermeister Schneider werden nach Fertigstellung acht zusätzliche Räume entstehen, vier für Klassen und vier für die Betreuung.

Bis es soweit ist (wahrscheinlich zum Schuljahr 25/26), musste aber eine Lösung für die akute Platznot gefunden werden. „Für einen weiteren Container auf dem Schulgelände fehlt der Platz, auch aufgrund der Baustelle“, sagt der Bürgermeister. Eine fast schon perfekte Lösung sei es, in das alte Schulgebäude auszuweichen, wurde es doch bis vor etwa 40 Jahren auch als solches genutzt. Mittlerweile ist es als „Haus der Vereine“ Treff vieler Aktiven für Veranstaltungen und Übungsstunden.

„Zumutung für Schüler“

Die Gemeinde hat laut Schneider die Vereine gefragt, ob Räume für den Schulbetrieb zur Verfügung gestellt werden können. Zwei Räume kamen in Frage, also wurde noch zusätzlich ein Schul-Container angeschafft, damit alle drei vierte Klassen an diesem Standort zusammen unterrichtet werden können. Jener Container steht im Hof des alten Schulgebäudes.

Doch schon nach den ersten Schultagen am Ausweichstandort macht sich Unmut breit. Barbara Lauinger, eine Angehörige eines Schulkinds, ärgert sich darüber, dass wegen des mangelnden Platzes nicht nur die Lehrer und Eltern, sondern vor allem die Kinder mal wieder die Leidtragenden sind und ausziehen müssen. „Aber der Supergau in diesem Geschehen ist, dass eine vierte Klasse das kommende Schuljahr, das letzte in der Grundschule, in einem Container verbringen soll“, meint sie. Das sei eine Zumutung, vor allem weil es nach ihren Informationen im alten Schulgebäude noch einen weiteren, dritten Raum für den Schulbetrieb gebe. Gemeint ist der Übungsraum des 1. Handharmonika-Club (HHC) Mutterstadt. Für Barbara Lauinger übersteige es „die Grenze zur Unverschämtheit“, dass der Verein nicht bereit wäre, den Raum den Kindern und der Schule zu überlassen. Das sei nicht gerecht. „Die Kinder hatten es die letzten Jahre schwer genug“, sagt sie und fragt: „Wo ist das Problem einiger Hobby-Musiker von ihrem Ross runter zu steigen und den Schülern ein vernünftiges Umfeld zur Bildung zu überlassen?“

Bürgermeister widerspricht

Gegen diese Vorwürfe und Behauptungen wehren sich der Bürgermeister und auch der Vorstand des Vereins vehement. „Dass die Vereine die Räume zur Verfügung gestellt haben, war ein großes Entgegenkommen“, sagt der Bürgermeister. Einige Vereine sind zusammengerückt, sodass zwei Räume frei geworden sind. Auch der Übungsraum des HHC sei als Schulraum in Erwägung gezogen worden, denn aus Sicherheitsgründen müsse ein solcher im Erdgeschoss liegen. Gemeinde und Verein seien gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass eine Umnutzung zu aufwendig gewesen wäre.

Der HHC nutzt den Raum im Erdgeschoss seit den 1980er-Jahren und hat diesen im Laufe der Zeit für seine Bedürfnisse umgebaut. So wurde zum Beispiel die Decke abgehängt und ein Schallschutz eingebaut. Der vorschriftsmäßige Umbau des Raums (auf Kosten der Gemeinde) zum Schulraum wäre aufwendig geworden, so Schneider. Und es habe einen weiteren Grund gegeben, warum man sich dagegen entschieden hat: „Die Vereinsmitglieder kommen zu den Übungsstunden mit zum Teil sehr schweren Instrumenten, die in einen Ausweichraum im ersten Obergeschoss gebracht werden müssten. Viele HHC-Musiker sind nicht mehr die Jüngsten, zwar gebe es einen Fahrstuhl, dennoch: Es wäre kompliziert“, sagt der Bürgermeister. Auch weil der Ausweichraum nicht akustisch gedämmt und so das Üben der Musiker weithin zu hören gewesen wäre. „Dass der HHC-Raum nicht zum Schulsaal wird, hat also nichts mit einem hohen Ross oder Nichtwollen des Vereins zu tun“, betont Bürgermeister Schneider.

„Reine Stimmungsmache“

Besonders erschüttert war der HHC selbst von dem Bild, das in den Aussagen wiedergegeben wurde. „Die Art und Weise, wie hier Stimmung gegen den HHC gemacht wird, haben weder ich in meiner 15-jährigen Amtszeit noch mein Vorgänger erlebt. Und ich muss heftig widersprechen“, erklärt der HHC-Vorsitzende Wendelin Magin und spricht von Polemik, die typisch sei „für den Zeitgeist der sozialen Medien“. Er verweist auf die Erläuterung der Umstände seitens des Bürgermeisters. Des Weiteren erklärt er, dass sich „diese sogenannten Akkordeon-, Klavier- und Keyboard–Hobbymusiker“ mit ihrer Vereinsarbeit für die musikalische Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen und für die Vielfalt in der Musikszene engagieren.

Die Gemeinde Mutterstadt ist sich laut Bürgermeister Schneider bewusst, dass der Umstand für Kinder, Lehrer und Eltern nicht einfach ist. Auch darum habe man Schule und Elternvertreter bei der Umsetzung von Anfang mit ins Boot geholt, betont er. Die Pädagogen seien zu dem Schluss gekommen, dass es für die Kinder und auch für den Unterricht besser sei, die ganze Klassenstufe und nicht nur einzelne Klassen auszulagern. „Dem Rat der Experten sind wir gefolgt, was aber bedeutete, dass noch ein Container angeschafft und aufgestellt werden musste“, erläutert Schneider, der im Übrigen kein Raum zweiter Klasse sei. Er sei klimatisiert und voll ausgestattet.

All das und auch die Umstände mit dem HHC-Raum seien den Lehrern und Eltern am Donnerstag vor Schulstart bei einem Vororttermin erklärt worden. Schneider hätte sich gewünscht, dass die Gelegenheit genutzt worden wäre, um solche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Auch sei bei dem Termin darüber informiert worden, dass die Smart-Boards (digitale Tafeln) leider nicht rechtzeitig geliefert wurden. „Klassische Schultafel sind aber vorhanden“, sagt Schneider und widerspricht dem Gerücht, dass diese fehlen würden.

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