Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Alter Bauhof: Die Abrissbagger rücken an

Der 50-Tonnen-Bagger hat bereits ganze Arbeit geleistet.
Der 50-Tonnen-Bagger hat bereits ganze Arbeit geleistet.

Wer einige Jahre nicht mehr in Mutterstadt war, wird es an vielen Stellen nicht wiedererkennen. Die Gemeinde hat sich in einem Jahrzehnt quasi neu erfunden: Nun sind schon wieder die Abrissbagger am Werk. Der alte Bauhof muss weichen.

Vorsichtig, langsam, ja fast zärtlich schließt sich die riesige Schaufel des 50-Tonnen-Baggers und klaubt einen langen Holzbalken aus der Ruine, die einst Teil des alten Bauhofs war. Es ist, als würde King Kong Mikado spielen. Und das richtig gut. Zum Glück! Es wäre fatal, wenn der Rest des Hauses in sich zusammenfallen würde, zwei Arbeiter stehen dort oben und delegieren den Baggerführer über Funk an besonders kniffligen Stellen. Vor gut einer Woche ist der Bautrupp der Firma Korz aus Enkenbach-Alsenborn mit schwerem Gerät angerollt und hat auf dem 2700 Quadratmeter großen Areal neben der Pestalozzi-Grundschule ihre zerstörerischen Spuren hinterlassen. Dächer wurden abgetragen, Mauern sind gefallen und geben die Räume und Hallen preis, die viele Jahre von Bauhofmitarbeitern genutzt wurden.

Die sind seit vergangenem Jahr in den großen Neubau im Gewerbegebiet Fohlenweide gezogen. Hier, mitten im Wohngebiet, wurde es einfach zu eng für den Bauhof, Mutterstadt ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen und wird es auch in Zukunft. Für knapp sechs Millionen Euro hat die Gemeinde auf 8000 Quadratmetern Werkstätten, Hallen und einen großen Verwaltungskomplex gebaut – ein Bauhof für die Zukunft.

Mehr Pflichtaufgaben

Mit dem Umzug wurde Platz geschaffen für das nächste Zukunftsprojekt: den Kindercampus. Auf einer zusammenhängenden Fläche sind dann Grundschule und der vergrößerte evangelische Kindergarten samt Hort und neuer Mensa vereint. Über zehn Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt. Auf der Fläche des alten Bauhofs soll das neue Kindergarten-Gebäude mit Spielplatz und Mensa entstehen. Für 2022 sind für diese Bauarbeiten etwa zwei Millionen Euro in den Haushalt der Gemeinde eingeplant. Noch einmal 1,1 Millionen Euro lässt sich die Gemeinde die Schulerweiterung auf dem jetzigen Schulhof kosten – es wird ein Anbau mit 1100 weiteren Quadratmetern für Schulräume. Für weitere 1,5 Millionen Euro wird die veraltete Schulturnhalle noch in diesem Jahr saniert. Dafür gibt es 1,12 Millionen Euro Zuschuss vom Land, den Bescheid darüber hat Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag persönlich im Rathaus vorbeigebracht.

All das ist dringend notwendig: Zum einen gibt es immer mehr Kinder in der Gemeinde, schon jetzt platzen Tagesstätten und Grundschulen in Mutterstadt aus allen Nähten. Zum anderen steigen die Ansprüche an einer längeren Betreuung – in der Kita und in der Grundschule. Das neue rheinland-pfälzische Kita-Zukunftsgesetz ist bereits in Kraft und verbrieft einen Rechtsanspruch für Kinder ab zwei Jahren auf eine durchgehende siebenstündige Betreuung mit Mittagessen. Der Anspruch auf eine Nachmittagsbetreuung in der Grundschule ist geplant. Es sind weitere Pflichtaufgaben, die die Gemeinde erfüllen und finanzieren muss. Um Platz für Kindercampus auf einem zusammenhängenden Areal zu bekommen, werden auch drei angrenzende Wohnhäuser fallen, zwei hat die Gemeinde dafür erwerben müssen.

Kontrolliertes Chaos

Doch erst einmal sind die Bauhofgebäude und -hallen fällig. Schaut man sich jetzt auf dem Hof um, herrscht Chaos. Aber nur scheinbar. Es ist ein kontrolliertes Chaos, in dem der etwa zehn Mann starke Trupp schwer arbeitet: auf einem Haufen Eisen, auf dem anderen Holz und wieder an einer anderen Stelle wurde Bauschutt in riesige gelbe Container verfrachtet.

Bevor die grobe und massive Bausubstanz dran war, mussten die Schadstoffe beseitigt und entsorgt werden. Jede Baudekade hat bei Ausbau und Erweiterung ihre giftigen Spuren hinterlassen. „Schwermetalle, Asbest, Lacke oder künstliche Mineralfasern aus Dämmstoffen – all das musste fachgerecht entsorgt werden“, berichtet Architekt Axel Bedner, der von der Gemeinde für die Bauplanung beauftragt wurde.

Giftige Altlast

1962/63 wurde der Bauhof an dieser Stelle gebaut, Ende der 1970er-Jahre musste erweitert werden. „Auch das Bauamt war bis zum Bau und Umzug des Rathauses zu Beginn der 80er-Jahre dort untergebracht“, erinnert sich Stefan Bummel. Nun liegt alles in Schutt und Asche. Asbest sei im Verhältnis zur Schuttmasse wenig gefunden worden, aber dafür sei es in vielen Baumaterialien beigemischt gewesen – zum Beispiel im Fliesenkleber. „Asbest war früher so eine Art Allheilmittel gewesen“, sagt der stellvertretender Fachbereichsleiter Bauen und der Architekt ergänzt: „Kurioserweise waren die meisten Altlasten in dem Erweiterungsbau“, erzählt Bedner. Allein das Schadstoffgutachten hat laut Bummel 35.000 Euro gekostet, denn heute sind die Anforderungen an den Umweltschutz weitaus höher als damals.

Überhaupt: Anforderungen erfüllen – das glich bei der Planung des Kindercampus einer Sisyphusarbeit, weiß Bummel. Drei Fördertöpfe hat die Gemeinde für die Finanzierung angezapft: für die Schulbauförderung, die Kita-Förderung und die Städtebauförderung. „Um das Geld zu bekommen, mussten drei Richtlinien beachtet werden, das war sehr kompliziert“, sagt er. Zudem mussten die Aufträge wegen der hohen Auftragssummen europaweit ausgeschrieben werden. Vorschriften über Vorschriften galt es zu beachten. Und sind sie dann endlich erfüllt, ist alles umgesetzt, geplant, gebaut und das symbolische Band zur Eröffnung durchschnitten – „ist es nicht unwahrscheinlich, dass unser Kindercampus schon nicht mehr den neu erlassenen Gesetzen genügt“, sagt Bummel aus Erfahrung. 2024/25 soll der Kindercampus eröffnet werden, der Abriss in acht Wochen erledigt sein. Mit dem Kita-Neubau soll im ersten Halbjahr 2023 begonnen werden. Alles in allem erstreckt sich der Campus dann auf einer Fläche von 9000 Quadratmetern.

Auf dem Gelände das alten Bauhofs soll das neue Kita-Gebäude entstehen, wie es das Architektenbüro Bedner geplant hat.
Auf dem Gelände das alten Bauhofs soll das neue Kita-Gebäude entstehen, wie es das Architektenbüro Bedner geplant hat.
Auch der alte Komplex mit Büros und Hallen ist zum Teil schon abgetragen.
Auch der alte Komplex mit Büros und Hallen ist zum Teil schon abgetragen.
Hier war der Bauhof noch in Betrieb
Hier war der Bauhof noch in Betrieb
x