Mutterstadt
Platznot in den Grundschulen
Alle Jahre legen die Rektoren der beiden Mutterstadter Grundschulen dem Schulträgerausschuss der Gemeinde ihren Jahresbericht vor. Sie geben einen allgemeinen Überblick über das Schulleben, nutzen aber auch die Gelegenheit, auf Nöte hinzuweisen. Ein Umstand bereitet Jutta Ziegler, Rektorin der Pestalozzi-Grundschule, und Christian Schuster, Rektor der Mandelgraben-Schule, große Sorgen: der fehlende Platz in ihren Schulen.
„Mit Sorge blicke ich auf die Schulanmeldungen fürs kommende Jahr“, sagt Jutta Ziegler. Es seien bereits jetzt schon 78 Kinder angemeldet worden, was sehr wahrscheinlich auf vier erste Klassen herauslaufe. Zudem werde mittlerweile in allen Klassenstufen Deutsch als Fremdsprache für Kinder mit Migrationshintergrund angeboten. Doch wo, fragt sie sich. Auch werde Platz für die Schulsozialarbeit und für Elterngespräche benötigt. Übergangslösungen wie etwa die Mitnutzung der Räume des alten Bauhofs fallen nun weg, denn der wird schon bald abgerissen.
Drei Zuschussgeber, drei Richtlinien
Zum Hintergrund: Die Pestalozzi-Schule wird derzeit umfassend renoviert und erweitert. Nach dem Abriss des Bauhofs und weiterer anliegender Gebäude wird der Kindercampus entstehen: Die evangelische Kita wird auf das Gelände umziehen und vergrößert. Die Nachmittagsbetreuung der Grundschule wird ausgeweitet, eine Mensa für Kita- und Schulkinder soll entstehen. Ein Neu- und Umbau soll Raum für das alles schaffen.
Aber die Raumnot sei jetzt akut: „Ich habe so sehr gehofft, dass der Neubau schon früher fertig wird“, sagt Ziegler. Doch diese Hoffnung mussten die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD) und der stellvertretende Bauamtsleiter Stefan Bummel ihr nehmen, denn die Planungen gestalten sich kompliziert. Grund ist, dass die Richtlinien von drei Zuschussgebern erfüllt werden müssen. Es sind die Töpfe für die Schulbauförderung, die Kita-Förderung und für die Städtebauförderung. So müssten zum Beispiel die jeweiligen zuschussfähigen Raumvorgaben jedes Fördertopfes abgestimmt und angepasst werden. „Hinzu kommen bei den zu erwartenden Auftragssummen die Anforderungen europaweiter Ausschreibungen. Die Modalitäten dafür müssen exakt eingehalten werden, um spätere Zuschuss-Rückforderungen zu vermeiden“, erklärt Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) auf Anfrage.
Durchhalten ist angesagt
Er betont, dass der Gemeinde die prinzipielle Platznot in der Pestalozzi-Grundschule bewusst sei, auch in Hinblick auf die prognostizierte Zunahme der Schülerzahlen im so genannten Schulentwicklungsplan. Genau aus diesen Gründen werde die Grundschule ja auch um vier Klassenräume und vier Betreuungsräume sowie weitere Funktionsräume erweitert. Doch bis es soweit ist, sei Durchhaltevermögen gefragt. Im kommenden Jahr sollen die endgültigen Fertigungsplanungen und Genehmigungsverfahren laufen. „Wir gehen derzeit von einem Baubeginn Anfang 2023 aus, sodass mit einer Nutzung zum Schuljahresbeginn 2024/25 zu rechnen ist“, informiert Bürgermeister Schneider.
Abhilfe sollte bisher ein Container-Klassenraum, der derzeit für die Betreuung genutzt wird, schaffen. Doch was tun, wenn der nun nicht mehr ausreicht? Für einen weiteren ist auf dem Schulhof der Pestalozzi-Schule kein Platz mehr. Für diese Eventualität möchte die Kommune im kommenden Jahr einen weiteren Container für die Mandelgraben-Grundschule anschaffen. Mit Anpassung der Schulbezirke sollen die Schüler dann auf die beiden Grundschulen verteilt werden, erklärt Schneider.
Mandelgraben-Schule auch erweitern?
Doch auch die Schüleranmeldungen für die Mandelgraben-Grundschule steigen. Die Einrichtung wird laut Rektor Schuster im Schuljahr 2021/22 seit längerer Zeit wieder komplett dreizügig sein und somit zwölf Schulklassen haben, doch es gibt derzeit nur elf Klassenräume. Als die Mandelgraben-Schule Ganztagsschule wurde, sei ein Klassenraum „mit erheblichem finanziellen und zeitlichen Aufwand“ zur Bibliothek umgewandelt worden. „Die soll aber unbedingt erhalten bleiben“, bittet Schuster. Hinzu komme, dass die Schule der angrenzenden Kita Haus des Kindes Platz zur Verfügung stelle, denn auch diese Einrichtung braucht mehr Räume als vorhanden. Und die Raumnot könnte mit dem neuen Kita-Gesetz und dem Anspruch auf längere Betreuung noch größer werden. Anderseits benötige seine Schule eigentlich mehr Räume, um den Corona-Schutzverordnungen gerecht zu werden: So dürften zum Beispiel in den Arbeitsgemeinschaften die Kinder verschiedener Klassen nicht mehr gemischt werden, mit der Folge das für einige Klassenstufen die AGs nicht mehr stattfinden.
Der Container, der im kommenden Jahr aufgestellt werden soll, entlaste nach Meinung von Schuster nur kurz- bis mittelfristig. Für ihn ist langfristig die Erweiterung der Mandelgraben-Schule notwendig: „Als Ganztagsschule haben wir einen deutlich erhöhten Raumbedarf für die Bildung von Arbeits-, Hausaufgaben- und Lerngruppen sowie AGs“, sagt er.
Dem jedoch könnte wiederum die Statistik für Mutterstadt zuwiderlaufen: „Laut vorliegenden Prognosen des Statistischen Landesamtes stagnieren die Einwohnerzahlen mittelfristig und damit die der Kinder“, informiert der Bürgermeister – langfristig gingen sie sogar zurück.