Rhein-Pfalz Kreis Grundwerte nicht aus dem Blick verlieren

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Mutterstadt. Mit der Nachricht des Tages haben die Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) den gestrigen Tag begonnen: Donald J. Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten. Dabei markiert der 9. November nicht erst seit gestern einen politischen Wendepunkt: In Deutschland fand 1938 die Reichspogromnacht statt und vor 27 Jahren am 9. November fiel die Mauer. Landtagsabgeordnete aus Mainz nutzen deshalb den Tag, um mit Schülern über vergangene und aktuelle Politik zu diskutieren.

Es herrscht Stille im Klassenzimmer, niemand weiß, was er oder sie fragen, oder besser gesagt: wo man anfangen soll. Rund 25 Schüler der neunten und zehnten Klassen der IGS Mutterstadt haben sich am Mittwochmorgen in Raum A30 versammelt, um mit dem Landtagsabgeordneten Johannes Zehfuß (CDU) über aktuelle Politik und Demokratie zu sprechen. Dann hebt einer der Zehntklässler die Hand. „Was halten Sie denn von Trump, Herr Zehfuß?“, sagt er und spricht damit aus, was wohl alle am gestrigen Morgen besonders beschäftigt hat. Nachdenklich, aber bestimmt antwortet der Landwirt aus Böhl-Iggelheim: „Wir haben die Wahl zu akzeptieren, denn sie beruht auf einem demokratischen System, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht jedem gefällt.“ Zudem müsse man eh erst einmal abwarten, wie es weitergehe. „Die Suppe wird nie so heiß gegessen, wie sie gekocht wird“, fügt der CDU-Mann, der seit 2011 einen Sitz im Landtag hat, noch hinzu. Mit seiner direkten, sympathischen Pfälzer Art kommt er gut bei den Schülern an. Nach dem zögerlichen Start läuft es dann auch mit den Fragen der Schüler, die sich rund um die politisch brisanten Themen von heute drehen: Klimawandel, EU-Skepsis, Brexit und die Flüchtlingspolitik beschäftigen auch die jungen Leute an der IGS in Mutterstadt. „Wie geht man mit der Unzufriedenheit gegenüber der EU um?“, fragt ein Schüler. „Wie finden Sie die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin?“. Eine andere Schülerin interessiert sich für Zehfuß’ Meinung zur AfD und den enormen Zulauf, den die Partei in den vergangenen Jahren verzeichnen konnte. „Für mich ist das schockierend, diese Anti-EU-Haltung und die Skepsis gegenüber Fremden, die dort vertreten wird“, erklärt Zehfuß vorsichtig. „Bei allem, was die EU macht, und auch wenn man einige Dinge durchaus kritisch betrachten kann, ist sie doch die Basis für unseren heutigen Wohlstand“, sagt er. Und den Wohlstand, den wir hätten, müsse man durchaus honorieren: „Uns geht es heute bombig“, sagt er dazu. Wie war es in Deutschland möglich, dass die Nazis in Deutschland so viele Menschen ansprechen konnten? Zehfuß erzählt, wie Adolf Hitler es mit einfachen Parolen und Massenmedien es geschafft hatte, „die schwärzesten und dunkelsten Seiten in den Menschen hervorzubringen“. In einem Appell an die jungen Leute ruft er schließlich dazu auf, Haltung zu zeigen, aktiv zu werden und Dinge kritisch zu hinterfragen. „Man muss sich Pflöcke schaffen, die man fest in den Boden einrammt“, sagt der Landwirt und verpackt seine Botschaft in ein simples Bild. „Eure Grundwerte sind Eure Pflöcke, die dürft ihr niemals aus den Augen lassen und müsst immer wieder schauen, dass ihr euch nicht zu weit davon entfernt“, gibt er den Schülern mit auf den Weg. Nur zwei Stunden später geht es dann schon wieder um Politik, Demokratie – und ja, auch um Trump. Immer noch am gleichen Ort, diesmal aber mit SPD-Mann Martin Haller, der nach seinem Kollegen Zehfuß vor einer zweiten Schülergruppe spricht. „Auch wir haben über alles gesprochen, was den Schülern wichtig war“, sagt Haller auf Anfrage. „Dabei war es wirklich bunt: Von Weltpolitik und Trump, über Innen- und Landespolitik hatten sie Fragen gestellt.“ Der Dialog sei lebendig und die Stimmung sehr angenehm gewesen. Überhaupt kommt das Dialog-Format, das seit 2003 jährlich stattfindet, bei beiden Seiten gut an: „Es war total klasse“, sagt Haller. „Als Politiker nimmt man von solchen Treffen immer viel mit.“ Und auch die Schüler freut’s: „Es war cool, dass sie sich für uns Zeit genommen haben und Fragen beantwortet haben“, sagt Neuntklässlerin Lara aus Schifferstadt. „Das sollte öfter so sein.“ Auch ihre Klassenkameradin Chantal aus Limburgerhof lobt: „Toll, dass wir über Themen gesprochen haben, die sonst etwas zu kurz kommen.“ Zehfuß besuchte gestern danach noch die Peter-Gärtner-Realschule plus in Böhl-Iggelheim und war bereits am Montag im Lise-Meitner-G8-Gymnasium in Maxdorf zum Gespräch mit den Schülern.

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