Waldsee Geopfalz und Ortsbürgermeisterin äußern sich zu Kritik und Bedenken

Nordöstlich des Wolfgangsees (im Bildhintergrund) liegen unter Tage die Bohrziele für die Tiefengeothermie.
Nordöstlich des Wolfgangsees (im Bildhintergrund) liegen unter Tage die Bohrziele für die Tiefengeothermie.

Tiefengeothermie soll Speyer, Schifferstadt, Waldsee und Otterstadt langfristig mit Wärme versorgen. Verantwortliche nehmen auf RHEINPFALZ-Anfrage Stellung zu Bürger-Bedenken.

Kritikpunkt Kommunikation

Geopfalz erklärt, man habe schrittweise über das Tiefengeothermie-Projekt informiert, beginnend mit direkt Betroffenen wie Grundstückseigentümern und Anliegern. „Selbstverständlich ist es unser Ziel, im nächsten Schritt die gesamte Bevölkerung in Waldsee umfassend zu informieren“, teilt Geopfalz mit. Eine Informationsveranstaltung für die gesamte Bevölkerung sei bewusst nach den Sommerferien geplant worden, um Urlaubern die Teilnahme zu ermöglichen. Aufgrund begrenzter Kapazitäten der Kulturhalle und einem erwarteten großen Andrang sei die Veranstaltung am Montag, 1. September, um 16 Uhr und 19.30 Uhr auf Waldseer mit Hauptwohnsitz und Anmeldung beschränkt. „Damit soll gewährleistet werden, dass niemand abgewiesen wird, der in Waldsee wohnt, und die Veranstaltung geordnet ablaufen kann“, so Geopfalz. Weitere Formate seien vorgesehen. Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) betont, dass sich das Projekt in einem frühen Stadium befinde, ein Standort für den Bohrplatz mit der Anlage noch nicht feststehe und der Genehmigungsprozess noch nicht begonnen habe.

Haftung und Schadensregulierung

Zum Thema Haftung kündigt Geopfalz seismologische Überwachung und Haftpflichtversicherungsschutz für Personen-, Sach- und Vermögensschäden von 100 Millionen Euro jährlich an. Im Bundesberggesetz gilt der Grundsatz der Beweislastumkehr und die Bergschadensvermutung. Das heißt, dass grundsätzlich vermutet wird, dass der Betreiber der Geothermieanlage Schäden verursacht hat, die „durch Senkungen, Hebungen, Pressungen oder Zerrungen der Oberfläche oder durch Erdrisse oder durch Erschütterungen“ entstanden sein können. Geopfalz müsste in einem solchen Fall auf eigene Kosten beweisen, dass der Schaden nicht durch den Betrieb der Geothermieanlage verursacht wurde. Ein Beweissicherungsverfahren vor Beginn der Arbeiten sowie der Anschluss an eine Schlichtungsstelle sollen schnelle Schadensregulierungen gewährleisten. Gebäudeversicherungen der Eigentümer blieben unberührt.

Bohrtechnik und Pilotcharakter

Die Bohrungen erfolgen laut Geopfalz nach etablierten Standards, die sich in zahlreichen Projekten in Deutschland und Europa bewährt hätten. Zwar werde in Waldsee eine spezielle Bohrgeometrie eingesetzt, diese sei jedoch keine unerprobte „Testtechnik“, sondern lediglich eine neue Kombination etablierter Technologien, sagen die Experten. Die Bezeichnung als „Demonstrationsprojekt“ bedeute, dass hier ein innovatives und zukunftsweisendes Konzept umgesetzt werde – nicht, dass die Gemeinde oder die Bürger Versuchspersonen seien. Das gesamte Vorhaben unterliege strengen Genehmigungsverfahren und werde durch die zuständigen Fachbehörden begleitet. Zudem finde eine kontinuierliche seismische Überwachung statt. Die dabei erhobenen Messdaten würden den Behörden übermittelt und gewährleisteten somit eine transparente Kontrolle. Die Forschung übernehme eine beobachtende und beratende Rolle. Ziel ist es, mit Tiefengeothermie die Versorgungssicherheit der kommunalen Wärme zu stärken und eine bezahlbare, klimaneutrale Wärmeversorgung zu gewährleisten, teilt Geopfalz mit.

Nähe zu Wolfgangsee, Landschaftsschutzgebiet und Grundwasser

Der Schutz von Grundwasser, Wolfgangsee und Landschaft hat laut Geopfalz oberste Priorität. Es besteht dem Unternehmen zufolge keine direkte Verbindung zwischen dem tiefen Reservoir, in dem das heiße Thermalwasser zirkuliert, und dem oberflächennahen Grundwasser. Die Bohrungen würden nach einem bewährten Standardverfahren in sogenannter Teleskopbauweise ausgeführt: Dabei würden Stahlrohre nacheinander eingebaut und mit Spezialzement hinterfüllt. So entstünden mehrere voneinander unabhängige Barrieren, die zuverlässig verhinderten, dass Tiefenwasser mit dem Grundwasser in Kontakt komme.

Auch an der Oberfläche sei für Sicherheit gesorgt. Der Bohrplatz sei versiegelt, und alle Flüssigkeiten, die beim Bohren und später im Betrieb austreten könnten, würden in geschlossenen Systemen aufgefangen und fachgerecht entsorgt. Weder Bohrflüssigkeiten noch Betriebsmittel könnten in den Untergrund gelangen – selbst bei Starkregen oder Überflutungen. Zusätzlich werden besondere Maßnahmen zum Lärm- und Lichtschutz getroffen, um die Belastung für Mensch, Tier und Umwelt so gering wie möglich zu halten, so Geopfalz. Darüber hinaus unterliege das gesamte Projekt strengen Genehmigungsverfahren durch Berg-, Wasser- und Umweltbehörden. Diese legten bereits in der Planungsphase klare Auflagen fest, überwachten die Einhaltung während der Arbeiten und führten regelmäßige Kontrollen durch.

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