Römerberg
Freilaufende Hunde: Wildtiere in der Falle
Zwischen ihrem Grundstück und dem Sportgelände befinde sich ein bewaldeter Hang, in dem viele Wildtiere lebten, berichten Bettina Sigl-Schall und Harald Schall. „Es gibt Dachs- und Fuchsbauten, Eichhörnchen und es halten sich auch Rehe, insbesondere Jungtiere hier auf. Diese Tiere können wir fast täglich beobachten, nachts mit einer Wildkamera.“ In diesem Sommer versorgte die Familie die Tiere aufgrund der Trockenheit auch mit Obst und Wasser. Doch schon seit längerem fallen den Schalls auch immer wieder verletzte Tiere auf: „Im Mai 2020 sahen wir an unserer Grundstücksgrenze zu diesem Hang ein junges Reh, das am Vorderlauf verletzt war. Ob dieses Tier überleben konnte, wissen wir nicht“, berichten sie. Im vergangenen Jahr hätten sie ein Reh mit einer großflächigen Verletzung am Rücken beobachtet. Und auch dieses Jahr machten sie eine ähnliche Beobachtung: „Am 13. August konnten wir auf Aufnahmen der Wildkamera einen Dachs erkennen, der ebenfalls am Vorderlauf verletzt war und diesen nicht mehr benutzen konnte“, erzählen sie. „Dieser Dachs besucht uns seit Jahren regelmäßig auf der Suche nach Nahrung. Seit wir Obst und Wasser bereitstellen, erschien dieses Tier jede Nacht. Bis zum 13. August. Seitdem haben wir ihn nicht mehr gesehen.“ Die Schalls gehen davon aus, dass sich der Dachs nicht mehr mit Nahrung versorgen konnte und mittlerweile tot ist.
Freilaufende Hunde
„Es ist schon sonderbar, dass in diesem kleinen Gebiet von wenigen hundert Quadratmetern so viele verletzte Tiere vorkommen“, findet das Ehepaar. „Wundern muss es uns aber nicht, da wir täglich freilaufende Hunde erleben und das Geschrei der Halter, wenn der Hund nicht mehr hört.“ Einen Zusammenhang könnten sie zwar nicht beweisen, doch hätten sie erst vor einigen Tagen einen nicht angeleinten Hund mitten im Hanggelände fotografiert. Da es für den Weg unterhalb des Hangs keine Anleinpflicht gebe, hoffen die Römerberger, die Hundebesitzer zu sensibilisieren und auf die Wildtiere in dem Gebiet aufmerksam zu machen – auch durch einen Aushang.
Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) bestätigt, dass die Römerberger Gefahrenabwehrverordnung eine Anleinpflicht für Hunde nur in der Ortsbebauung festlegt. „Außerhalb der Ortsbebauung gilt, dass der Hund bei der Annäherung anderer Personen an die Leine zu nehmen ist“, sagt Hoffmann. Dieser Teil der Verordnung sei nach einem Angriff eines freilaufenden Hundes auf eine Joggerin aufgenommen worden. Sind keine Menschen in der Nähe, dann ließen offenbar einige Hundebesitzer ihre Tiere von der Leine und diese scheuchten dann Wild im Hang auf. Hoffmann glaubt, dass die Einzäunung des Fußballplatzes des FV Berghausen die Situation noch verschärft hat. Wild das sich nun in der Hanglage „zwischen den beiden Hohlen“ aufhält, habe nur noch Fluchtmöglichkeiten am schmalen nördlichen und südlichen Ende der Fläche. Dass Schilder, die zum freiwilligen Anleinen auffordern, etwas ändern, glaubt der Bürgermeister nicht. Er habe nun das Ordnungsamt beauftragt zu prüfen, ob die Anleinpflicht auf das Gebiet bis zu den Sportplätze ausgedehnt werden kann. „Falls notwendig, wird der Gemeinderat darüber beraten und abstimmen“, kündigt Hoffmann an.
Er habe vor einigen Tagen auch im Bereich der angrenzenden Riedwiesen, der Mittelgewanne und der Grubäcker eine Begehung mit Jagdpächter Bernhard Sona gehabt, berichtet der Bürgermeister weiter. „Er hat mir bestätigt, dass einigen Hundehaltern anscheinend trotz Hinweisplakate nicht bewusst ist, dass ihr Hund sich gerade in einer Schutzzone für Haar- und Niederwild aufhält. Er bitte dann immer die Halter, ihre Tiere anzuleinen.“ Nach seinen Kenntnissen empfehle die untere Naturschutzbehörde, die Hänge licht zu gestalten und möglichst zu beweiden, sagt Hoffmann. Dies würde helfen, dass die Wildtiere nicht so nahe an der Wohnbebauung Schutz suchen und bei Flucht fast in der Falle sitzen. „Auch das werde ich prüfen lassen“, kündigt er an.