Bobenheim-Roxheim
Frankenthaler Verein darf wieder an den Silbersee
Es sei der Vermittlung des SPD-Landtagsabgeordneten Martin Haller und des Frankenthaler Oberbürgermeisters Nicolas Meyer (FWG) zu verdanken, dass ein neuer Pachtvertrag zustande gekommen sei, sagt Willersinn-Geschäftsführer Benedikt Eberhard. Künftig dürfen also nicht mehr nur die Aktiven des Wassersportvereins (WSV) Roxheim auf dem Baggersee trainieren und Liegeplätze nutzen, sondern auch wieder der Kanu- und Segel-Club Frankenthal (KCF), so wie es bis 2019 war.
Das freut den KCF-Vorsitzenden Eberhard Niehaus, denn die vergangenen Jahre ohne Zugang zum Silbersee seien schwer gewesen. An Regatten habe man nur teilnehmen können, weil der Roxheimer Wassersportverein Ausrichter gewesen sei. „Der Verein hat noch ein Gelände am Kollersee bei Otterstadt“, so Niehaus, „aber für unsere Kanuten, die ihre Boote im Frankenthaler Vereinsheim aufladen, ist das ziemlich weit weg.“ Außerdem sei der Silbersee für Segeljollen besser geeignet. Der rund 100 Jahre alte Club hat laut Niehaus wegen der Einschränkungen viele Mitglieder verloren. „Vor zehn Jahren waren es noch 400, im Moment sind wir bei 250.“ Die Einigung mit Willersinn und die neuen Perspektiven seien deshalb sehr erfreulich.
Konflikt im Zusammenhang mit Hotelbauplänen
Was genau dazu geführt hatte, dass sich die Firma und der frühere KCF-Vorstand um Karl Schmerenbeck überwarfen, darüber wird eher gemunkelt als offen gesprochen. Jedenfalls war die Geschäftsleitung nicht mehr gut auf den KCF zu sprechen und duldete dessen Vereinsaktivitäten am und auf dem Gewässer nicht mehr. Längerfristige Pachtverträge gab es für KCF und WSV nicht – aus wasserrechtlichen Gründen und weil ein Bebauungsplan für den Silbersee aufgestellt werden sollte. Deshalb war den Vereinen das Zugangsrecht zum See immer nur für ein Jahr gewährt worden.
Auf der Scharrau wollte Willersinn ein Hotel bauen und den Vereinen neue Standorte zuweisen, am Badestrand sollte der Gastronomiebereich verbessert werden, und um den ganzen See herum wollte man einen Spazierweg ausweisen. Als der Bebauungsplan vom Gemeinderat verabschiedet war, klagte dagegen der Umweltverband BUND – mit Erfolg.
Zeit vergangen, neue Akteure
Dem WSV machte zunächst die Planungsunsicherheit, später dass Scheitern des Bebauungsplans zu schaffen. Denn der hätte den Bau neuer Anlagen erlaubt und dem Verein eine sichere Zukunft ermöglicht. „Wir hatten einen 25-jährigen Pachtvertrag mit Willersinn in Aussicht, das wäre ein echter Meilenstein gewesen“, sagte im Sommer 2020 der frustrierte damalige WSV-Vorsitzende Wolfgang Bohn.
Mittlerweile sind sowohl bei den Wassersportvereinen als auch im Unternehmen Willersinn andere Personen am Ruder. „Es ist Zeit vergangen, es wurden Gespräche geführt, Martin Haller und Nicolas Meyer haben vermittelt“, sagt Benedikt Eberhard. „Wir möchten mit den beiden Vereinen gut zusammenarbeiten.“ Für dieses Jahr kann der KCF seinen Wasserzugang auf der Halbinsel Scharrau nur eingeschränkt nutzen, denn die Zaunanlage, die Willersinn 2020 errichtete, um sich gegen Vandalismus zu schützen, teilt das Grundstück, das der Club wieder nutzen will. „Da arbeiten wir an einer Lösung“, versichert Eberhard, gibt aber zu bedenken, „dass die Wasserbehörde wieder mitredet“.
Idee für Folgenutzung der Scharrau gesucht
Was den vom Oberverwaltungsgericht vor vier Jahren gekippten Bebauungsplan betrifft, sei man ebenfalls auf der Suche nach einer Lösung. Wie berichtet, hat der Gemeinderat von Bobenheim-Roxheim mehrheitlich einen zweiten Aufstellungsbeschluss gefasst, aber um die eigentliche Planung kümmert sich so wie zuvor eher der Seeeigentümer als die Verwaltung oder der Rat. Eberhard: „Wir sind noch in der Findungsphase.“ Gebraucht wird bekanntlich eine gute Idee für die wirtschaftliche Nutzung der Scharrau und des ehemaligen Hofguts nach dem Ende der Auskiesung. Die neue Idee müsse aber „für alle verträglich sein“, sagt Eberhard.
Der erste Plan war zwar mit den Bobenheim-Roxheimern mittels Bürgerbefragung und städtebaulichem Vertrag sowie mit den Wassersportvereinen abgestimmt gewesen, aber er stand im Konflikt mit dem Natur- und Artenschutz. Das konnten der BUND und seine Mitstreiter von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz vor Gericht nachweisen.