BOBENHEIM-ROXHEIM
Interview: Wassersportler Wolfgang Bohn über die Folgen des Silbersee-Gerichtsurteils
Herr Bohn, wie ist die Stimmung im WSV nach dem Urteil der Koblenzer Richter?
Für uns ist das Ganze ein Desaster, denn dieses Urteil hat unsere jahrelangen Bemühungen um einen Einklang von Wassersport, Naherholung und Naturschutz am Silbersee zunichte gemacht. Seit 1989, also seit über 30 Jahren, bemühen wir uns nun schon um eine ausgewogene und sinnvolle Gesamtlösung auf der Scharrau und am Silbersee. Der vom Gemeinderat beschlossene Bebauungsplan hat dafür gute Rahmenbedingungen geschaffen. Und ich möchte der Firma Willersinn attestieren, dass sie dabei kooperativ und kompromissbereit war. Am Ende stand aber offensichtlich nur noch das Pro und Contra in Sachen Hotelbau im Vordergrund. Wir vom WSV haben drei Jahre lang erfolgreich um Zuschüsse für unser künftiges Gelände gekämpft. Zugesagt war ein sechsstelliger Betrag. Und wir mussten schon einige Investitionen tätigen. Dass das Gesamtkonzept für den Silbersee gekippt wurde, ist für unseren Verein sehr belastend. Wir hatten einen 25-jährigen Pachtvertrag mit Willersinn in Aussicht, das wäre ein echter Meilenstein gewesen.
Wie gehen Sie jetzt mit der neuen Situation um, wie haben die Mitglieder reagiert?
Wegen dieser prekären Situation haben uns bereits etliche Mitglieder verlassen. Wir liegen aktuell bei rund 280. Davor waren wir immer deutlich über 300. Als bekannt wurde, dass der BUND gegen den Bebauungsplan klagen würde, hat der WSV-Vorstand sofort einen Aufnahmestopp beschlossen. Wir wollten gegenüber den an einer Mitgliedschaft Interessierten fair bleiben. Dieser Aufnahmestopp ist mittlerweile aufgehoben mit der Vorgabe, dass neue Mitglieder unterschreiben müssen, dass sie vom WSV über dessen ungewisse Zukunft informiert wurden. Wie es weitergeht, kann ich nicht sagen, im Grunde können wir nur abwarten, wie sich die Gesamtsituation weiterentwickelt. Derzeit können wir keinen Terminplan für unsere Regatten und Veranstaltungen 2021 aufstellen.
Was folgt daraus für Sie persönlich?
Ich habe in Sachen Silbersee und Scharrau seit 1989 fünf Anläufe miterlebt und mitgestaltet. Diesmal waren wir wirklich kurz vor dem Ziel. Dass es nicht erreicht wird, stimmt mich natürlich sehr unzufrieden und traurig. Die Entwicklung und die Ereignisse der letzten Jahre haben mich viel Kraft gekostet. Ich bin seit 1966 Mitglied und lange Jahre Vorsitzender. Wenn Sie mich jetzt nach der Lehre aus dieser Sache fragen, würde ich sagen: Mit Fanatikern kann man keine demokratisch legitimierten Kompromisse schließen. Ich selbst werde bei der nächsten Jahreshauptversammlung des WSV nicht mehr für den Vorsitz kandidieren. Wir haben aber bereits einen Interimsvorstand gebildet, der sehr gut arbeitet. Personell kann es also solide weitergehen. Auch die Finanzen unseres Vereins sind geordnet. Ob der Wassersportverein eine Zukunft hat, ist ungewiss.