Bobenheim-Roxheim
Flugplatz-Streit mit Worms: Jetzt will’s die Gemeinde wissen
Bürgermeister Michael Müller (SPD) berichtet auf Anfrage aus einer nicht öffentlichen Ratssitzung, in der erörtert wurde, wie die Gemeinde in Sachen Fluglärm weiter verfahren soll, nachdem die Skyport Equity GmbH von Reinhard Ritter nun Mehrheitseigner der Flugplatz GmbH ist. „Wir befürchten einen weiteren Anstieg von Flugbewegungen und damit noch mehr Lärm“, zitiert Müller den Beigeordneten und Umweltdezernenten Jens Becker (SPD).
Ritter sollte ursprünglich den Verkehrslandeplatz Worms von der Stadt beziehungsweise ihrer GmbH pachten, doch dann formierte sich in Bobenheim-Roxheim vehementer Widerstand gegen den Motorenlärm von Flugzeugen, welche vor der Landung die Platzrunde über Bobenheim drehen, sowie von Hubschraubern. Auch wurde die Sicherheit infrage gestellt. Am Verhandlungstisch wurde kein Kompromiss erzielt, deshalb kündigte Bobenheim-Roxheim 2021 die Pachtverträge ihrer Grundstücke auf dem Flugplatzgelände, um Druck auf Worms auszuüben. Der Flugbetrieb läuft seitdem allerdings weiter. Im Jahr darauf beantragte die Wormser Flugplatz GmbH bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt die Enteignung der Kommune am Altrhein.
Während die Gemeinde die Wormser Zugeständnisse und Veränderungen, etwa in der für Flugplatznutzer geltenden Gebührenstruktur, nicht für ausreichend hält, um den Lärm zu reduzieren, sieht die Stadt die Bobenheim-Roxheimer Wünsche als nicht erfüllbare Maximalforderungen an. Bürgermeister Müller formuliert seinen Kompromissvorschlag so: „An Sonn- und Feiertagen und an Werktagen zwischen 13 und 15 Uhr darf man beispielsweise nicht den Rasen mähen. Dann soll auch am Himmel Ruhe herrschen. Das halten wir für transparent, kontrollierbar und ahndbar.“ Betriebspausen in diesem Umfang lehnt der Flugplatzbetreiber ab. Sein Zugeständnis ist, dass in der genannten Mittagspausenzeit nicht wiederholt die Platzrunde geflogen werden darf.
Müller: „Post von unserem Anwalt“
„Im Frühjahr 2024 teilte die SGD unserem Rechtsanwalt mit, dass sie das Enteignungsverfahren nicht weiter betreiben wird und die Angelegenheit nach Worms zurückgibt“, berichtet Müller. Die Landesbehörde will, dass weiter verhandelt wird. Ein laut Müller von ihm initiiertes Gespräch im November im Wormser Rathaus sei ergebnislos verlaufen. Dann verkündete die Stadt den Verkauf von Flugplatzanteilen an Skyport Equity und den Wechsel in der Geschäftsführung von Michael Baumann zu Reinhard Ritter. Laut Baumann war der Plan der Verpachtung nicht mehr umzusetzen, weil Bobenheim-Roxheim als Grundstückseigentümer nicht zugestimmt hätte.
Der Stadt Worms kündigt Bürgermeister Müller nun „Post von unserem Rechtsanwalt“ an. Denn die Verwaltung werde sich jetzt nach dem einstimmigen Ratsbeschluss an die Überprüfung der Genehmigungslage machen. Sie wolle wissen, welche Flieger und Hubschrauber erlaubt sind und welche Maschinen tatsächlich fliegen und wie oft. Der Landeplatz sei vor rund 70 Jahren in Betrieb gegangen, so Müller, und die letzte Genehmigung stamme aus den 1990er-Jahren. „Da waren die Gyrokopter noch nicht zugelassen.“ Diese Tragschrauber seien wegen ihrer Lautstärke für die Bobenheim-Roxheimer die Luftfahrzeuge, die am meisten nervten. Die Hoffnung ist also, dass sich anhand der Genehmigung oder jüngerer Vorschriften etwas finden lässt, um wenigstens diese Lärmquelle einzudämmen.