Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel FDP geht mit Marohn in Landratswahl: Mit Kritik am Kreis gepunktet

Ralf Marohn geht bei der Landratswahl am 23. Februar für die FDP ins Rennen.
Ralf Marohn geht bei der Landratswahl am 23. Februar für die FDP ins Rennen.

Für Ralf Marohn liegt bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises einiges im Argen, was er als Landrat anpacken würde. Was das ist, führte er bei der Mitgliederversammlung der Kreis-FDP in Neuhofen aus. Gekommen waren nicht viele, aber jene die da waren, kürten den 57-Jährigen einstimmig zu ihrem Kandidaten für die Wahl im Februar 2025.

Der Plan für einen Umzug der Kreisverwaltung in ein neues Kreishaus in Schifferstadt – das sei für ihn der Auslöser für eine Kandidatur gewesen, sagte Ralf Marohn am Mittwochabend vor 17 FDP-Mitgliedern aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, die zur Mitgliederversammlung nach Neuhofen gekommen waren. Nach langer und reiflicher Überlegung habe er entschieden, bei der Wahl eines neuen Landrats für den Rhein-Pfalz-Kreis am 23. Februar anzutreten – die Zustimmung der Liberalen im Kreis vorausgesetzt. An was sich der 57-jährige Neuhofener Ortsbürgermeister dabei besonders stört, ist nicht der Umzug an sich, sondern dass der Kreis die Immobilie anmieten will anstatt selbst zu bauen, was seiner Ansicht nach einen zweistelligen Millionenbetrag sparen würde. Die harsche Reaktion von Landrat Clemens Körner (CDU) auf seine Kritik, die er im Kreistag geäußert hatte, bestärkt Marohn: „Ich habe anscheinend in ein Wespennest gestochen.“ Sein Eindruck sei, dass der Landrat nicht mehr über das Thema reden wolle.

Kreishaus als Auslöser

Für Marohn ist der Umgang mit dem Thema Kreishaus auch ein Symptom für vieles, was im Argen liegt bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises. Der Zustand erinnere ihn an das Gefühl des Stillstands, das er auch 2017 hatte, als er erfolgreich für das Amt des Neuhofener Ortsbürgermeisters kandidierte. Die Kreisverwaltung sei für ihn „eine Behörde, bei der die Effizienz nicht mehr gegeben ist“. Der Hackerangriff vor mehr als zwei Jahren könne nicht mehr als Entschuldigung für alles dienen. Dieser hätte auch eine Chance sein können, beim Neuaufbau der IT-Infrastruktur vieles zu digitalisieren. Doch noch immer fehlten beispielsweise digitale Akten, wodurch auch Homeoffice erschwert werde und es so wiederum schwieriger sei, als attraktiver Arbeitgeber um Fachkräfte zu werben.

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Kommentar

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Gegenentwurf als Chance

Marohn präsentierte sich vor dem überschaubaren Kreis der FDP-Mitglieder als Gegenentwurf zu den anderen Kandidaten mit ihren Vorgeschichten als Kreisbeigeordnete. FDP-Kreisvorsitzender Konrad Reichert hatte bei seinen einleitenden Worten bereits angemerkt, es sei Zeit, dass „jemand von außen“ als Landrat kandidiert. Mehrfach zitierte Reichert aus einem RHEINPFALZ-Kommentar zu den Zuständen in der Ausländerbehörde, dass der amtierende Landrat ein „Trümmerfeld“ hinterlasse. „Ein Weiter-So darf es nicht geben“, findet Reichert.

Er bescheinigte Marohn, gleichzeitig als Neuhofener Bürgermeister Verwaltungserfahrung zu besitzen und als Leiter eines Unternehmens, das sich auf Beratung in deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen spezialisiert hat, kundenorientiert und in effizienten Organisationsstrukturen zu denken. Das Führen vieler Mitarbeiter sei ihm ebenfalls nicht fremd.

Als Macher präsentiert

Auch Marohn selbst präsentierte sich als Macher, der in Neuhofen etliche große Projekte nicht nur angestoßen, sondern auch realisiert und den Ort wieder attraktiv für junge Familien gemacht habe. Strukturiert wie die Gemeinde – für deren Entwicklung er sich 2017 eine Prioritätenliste erstellt habe – will er auch den Kreis managen. Neben den bekannten Problemen in der Verwaltung wie Kfz-Zulassung, Ausländerbehörde und Bauabteilung will Marohn einen Schwerpunkt auf die Wirtschaftsförderung legen – auch hier fiel wieder das Wort „Trümmerfeld“. Vernachlässigt worden sei außerdem bislang der Tourismus, der im Bewusstsein der Verantwortlichen nicht präsent sei. Dabei zögen beispielsweise die Badeseen jeden Sommer Tausende Menschen an, und auch die Radwege entlang des Rheins seien beliebt.

Bei den anwesenden FDP-Mitgliedern rannte Marohn mit seiner Kritik offene Türen ein, wie an deren Gesichtern während seinen Ausführungen unschwer abzulesen war. Die 100 Prozent Zustimmung bei der Kandidatenkür war dann nur noch Formsache. „Ich glaube an die Stärke des Sacharguments“, beantwortete Marohn die Frage eines Mitglieds, wie er damit umgehen will, dass er möglicherweise nicht überall im Kreis bekannt ist. Erleichterung und Freude über die Bereitschaft des Neuhofeners zur Kandidatur sprach aus den Wortbeiträgen der anwesenden Liberalen. „Jetzt wissen wir endlich, wen wir wählen sollen“, freute sich einer.

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