Mutterstadt
Falkendrama mit Happy End? – Eine Familie hilft bei der Aufzucht
Schon seit den 80er-Jahren kommen Turmfalken im Frühjahr auf das Anwesen. Früher stand auf der Grundstücksgrenze die Außenwand einer alten Scheune der Nachbarn. Dort brüteten die Turmfalken in einer Öffnung der Giebelwand, erzählt Renate Hörtel, die Mutter der Familie. Nachdem dort umgebaut wurde, war die Nistmöglichkeit nicht mehr da. Tochter Marion ist Mitglied der Ornithologischen Beobachtungsstation Altrhein (ORBEA) und beim NABU und fragte dort um Rat. Nach Rücksprache mit den Nachbarn wurde dann ein Nistkasten aufgehängt, der auf das Anwesen der Hörtels schaut. Und tatsächlich kamen die Falken zurück und kommen auch regelmäßig im Januar oder Februar wieder. „Ich freue mich jedes Jahr, wenn sie wieder da sind“, sagt Renate Hörtel. Turmfalken sind standorttreu und haben auch feste Partnerschaften. Wildlebende Falken können bis zu 18 Jahre alt werden.
In diesem Jahr hatte das Falkenpaar fünf Junge. Von weitem sah das alles zuerst recht gut aus. Das Anwesen der Hörtels ist recht groß und im Wesentlichen eine Wiese, wo die Falken auch nach Kleintieren jagen. Vergangenen Samstag lugten die eine Woche alten Küken vorsichtig nach draußen. Am Donnerstag waren dann zwei Küken aus dem Nest gefallen. Sie waren schon deutlich größer, aber wirkten auch schwach und etwas apathisch. Doris Hörtel hat sie gefunden und untergebracht. Sofort war klar, dass die Hörtels ihre Falken-Küken retten wollen.
Untergebracht sind die beiden Kleinen in einem großen Käfig, wo sie auch vor Feinden geschützt sind. Darin ist auch eine Art Behelfsfalkenhorst aus Pappe, in dem sich die beiden sicher fühlen können. Marion Hörtel holte sich Rat bei Fachleuten und telefonierte mit Maik Heublein von der Wildvogelwarte des NABU in Haßloch. Turmfalken jagen Mäuse, und bei der Jagd sind sie leicht zu erkennen. „Der Turmfalke kann als einziger Greifvogel in der Luft lange stehenbleiben, der besondere Flügelschlag beim sogenannten Rütteln, ist ganz typisch“, erklärt Marion Hörtel. Natürlich wären Mäuse die beste Ernährung für die Küken. Von Marion Hörtel bekommen sie Hühnchenfleisch, das sie nach Empfehlung der Experten mit einem Mineralpulver präpariert, damit die Küken Nährstoffe für gute Knochen und Gefieder bekommen.
Und dann kommt die Katze ins Spiel
Jetzt wird es kurios: Als hätte sie gehört, dass Mäuse gebraucht werden, kommt am nächsten Tag die Katze von Doris Hörtel nach Hause. Sie heißt Piper und sie hat offenbar ein Mäusenest ausgehoben und Babymäuse mitgebracht. „Wir haben die kleinen Mäuse verfüttert und die Küken haben sie viel leichter als das präparierte Fleisch geschluckt – ruckzuck am Stück waren die weg“, sagt Marion Hörtel. Am dritten Tag Pflege wirken die beiden auch schon viel lebendiger und halten auch mehr Abstand vor Menschen. Vorher waren sie dazu zu schwach.
Inzwischen hat Doris Hörtel vorsichtig ins Nest geschaut und eine traurige Entdeckung gemacht: Die drei anderen Küken liegen tot darin. Woran sie gestorben sind, ist unklar. Einer der Fachleute habe gemeint, denkbar sei eine Vergiftung durch Mäuse, die Gift gefressen haben, sagt Marion Hörtel. Das würde auch erklären, warum die Falkenmutter an der Vogeltränke getrunken habe. Dieses Verhalten zeigen Falken eigentlich nicht, sie decken ihren Flüssigkeitsbedarf mit dem Blut ihrer Beute.
Falkner Maik Heublein habe angeboten, die beiden jungen Falken zu übernehmen, sie mit anderen Falken aufzuziehen und später auszuwildern. „Eine Falken-Kinderstube ist wichtig, da lernen die Kleinen von den Eltern wichtige Verhaltensweisen zum späteren Überleben“, erklärt Marion Hörtel. Sie will die Küken bald zum Falkner bringen. So haben die beiden geretteten Falkenkinder doch noch die Chance, groß zu werden und in Freiheit Mäuse zu jagen. Es sei auch möglich, dass das Falkenpaar dann eine zweite Brut versucht. Das werden die Hörtels dann auch im Auge behalten, um zu helfen, falls nötig.
