Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Für neue Windräder braucht es nur vier E-Mails

Windpark-Initiator Nicolas Schweigert : Im Hintergrund sind die Windräder bei Schwegenheim zu sehen.
Windpark-Initiator Nicolas Schweigert : Im Hintergrund sind die Windräder bei Schwegenheim zu sehen.

Der Klimawandel ist das Thema unserer Zeit. Um Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, ist bei Römerberg ein neuer Windpark in Planung. Der Heiligensteiner Nicolas Schweigert hat den Stein ins Rollen gebracht. Um das Projekt in Gang zu bringen, hat er nur vier E-Mails und eine Powerpoint-Präsentation gebraucht.

„Wir machen viele Fahrradtouren nach Schwegenheim“, erzählt Nicolas Schweigert im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich habe mir nie erklären können, warum ich in Schwegenheim Windräder sehe und in Römerberg nicht.“ Der 31-Jährige suchte den Kontakt zum Römerberger Gemeinderat. Dort sagte man ihm, dass es schon drei Windräder gebe, die zu Römerberg gehören. Diese stehen zwischen Dudenhofen und Berghausen. Weitere Windräder zu bauen, sei nicht möglich, hieß es. Doch damit wollte sich Schweigert nicht zufrieden geben: „Wenn mir jemand sagt, etwas ist nicht möglich, versuche ich erst einmal, das Thema zu verstehen“, sagt er.

Er recherchierte und nahm Kontakt zum Verband der Metropolregion Rhein-Neckar auf. Dieser kümmert sich um grenzüberschreitende Plan- und Raumordnung. „Da habe ich erfahren, dass es von deren Seite kein Problem wäre, Windräder in Römerberg zu bauen.“ Die Gemeinde habe dies jedoch 2007 in einem interkommunalen Beschluss ausgeschlossen. „Das war vielleicht zu einer Zeit, als die Technologien und das Bewusstsein noch anders waren“, sagt Schweigert.

„Nicht planlos agieren“

Der 31-Jährige klemmte sich hinter das Projekt und entwickelte ein Konzept für den Bau weiterer Windräder in der Verbandsgemeinde. „Mir ist wichtig, dass nicht alles planlos mit Windrädern zugestellt wird, sondern bewusst entschieden wird, wo welche stehen“, betont er. In seinem Konzept habe er Bereiche definiert, die er „Sichtachsen“ nennt. Diese sollen von Bebauung befreit bleiben. So soll etwa der Blick in den Pfälzerwald nicht verbaut werden. „In Richtung Schwegenheim stehen aber schon Windräder. Da wäre es doch in Ordnung, wenn noch ein paar mehr hinzukämen“, findet der Römerberger. Mit seinem Konzept wandte er sich an Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne). „Er hat mich dann in den Klimaausschuss der Gemeinde eingeladen.“ Mit einer Powerpoint-Präsentation überzeugte Schweigert die Ausschussmitglieder über die Parteigrenzen hinweg vom Windparkprojekt.

Mittlerweile haben sich die Stadtwerke Speyer bereit erklärt, das Projekt umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit der Politik habe gut funktioniert, sagt Schweigert. „Der Vorschlag wurde gut aufgenommen. Es ist eine tolle Sache, dass sich Bürger hier aktiv einbringen können.“ Einzig die aktuelle Planung des Projekts, die vorsieht, das Vorhaben erst 2025 umzusetzen, dauere ihm zu lang.

Schweigert beschreibt sich als politisch engagierten Menschen, insbesondere in Umweltfragen. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Köln und Frankfurt, absolvierte zudem Auslandssemester in Shanghai und in Kroatien. Schon zu Studienzeiten in Köln gründete er beispielsweise den Clean-Up-Verein „Krake“ mit, den es immer noch gibt und der regelmäßig Müllsammelaktionen in der rheinischen Domstadt veranstaltet. Heute arbeitet er beim Pharma-Unternehmen Bayer. Er kümmert sich darum, wie das Unternehmen CO2-neutral werden kann. Umweltbewusstsein und die aktive Teilhabe der Bürger an der Transformation in eine dekarbonisierte Gesellschaft sind ihm wichtig. „Wir haben den Klimawandel noch nicht wirklich verstanden“, sagt Schweigert. Und ergänzt: „Wir sind erst in den Anfängen zu begreifen, was vollständige Dekarbonisierung bedeutet.“

„Besser, aber es reicht nicht“

Den neuen Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung bezeichnet er in Bezug auf den Umweltschutz als „besser, als das, was wir in den letzten Jahren hatten. Aber es reicht nicht.“ Vor allem müsse die konkrete Umsetzung immer vor Ort erfolgen. „Es allein aus Berlin zu machen, funktioniert nicht.“ Jeder könne einen Beitrag leisten, findet Schweigert. Das könne beispielsweise eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach sein.

Eine Solarpflicht auf Dächern sieht er kritisch. Viel besser wäre es, Anreize zu schaffen. Schweigert nennt etwa das Mieterstrommodell, das es Vermietern ermöglichen würde, auf dem eigenen Dach produzierten grünen Strom an die Mieter zu verkaufen. Dieser Strom müsse zwar günstiger sein als vom Versorger, aber über der Einspeisevergütung liegen. So entstünde eine Win-Win-Situation. „Wir leben in einer schönen Region mit vielen Möglichkeiten“, findet Schweigert. Eine Idee wären etwa Windräder im Pfälzerwald. Hier ist der Hobby-Fußballer pragmatisch: „In den Randgebieten könnte ich damit leben. Aber ich bin dagegen, dass der ganze Pfälzerwald mit Windrädern zugestellt wird.“ Die Argumente von Windkraftgegnern kann er nicht nachvollziehen: „Jede Katze tötet mehr Vögel als ein Windrad.“ Zudem fehlen ihm bei Gegnern der Windkraft oft die Alternativvorschläge.

Um Bürgern die von Schweigert betonte aktive Teilhabe zu ermöglichen, wäre es etwa denkbar, Investitionsmöglichkeiten in den Römerberger Windpark zu schaffen. Falls es diese Möglichkeit gäbe, der 31-Jährige würde sie nutzen. „Das ist doch eine tolle Sache“, sagt er. Früher hat Nicolas Schweigert aus seinem Kinderzimmer immer auf das Atomkraftwerk in Phillipsburg geschaut.“ In ein paar Jahren hätte er nichts dagegen, aus dem Fenster zu sehen und dann auf neu gebaute Windräder zu blicken.

Die Serie

Themen des Jahres 2021: Was haben Menschen in der Region mit den Ereignissen zu tun, die im Jahr 2021 Schlagzeilen gemacht haben? Die Serie blickt zurück – auf große Themen und darauf, was sie in der kleinen Welt des Speyerer Umlands bewegten.

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