Römerberg
Fünf neue Windräder sind angepeilt
Der Ausdruck „geplant“ ist im Zusammenhang mit weiteren Windenergieanlagen in Römerberg eigentlich fast etwas zu hoch gegriffen. „Wir stehen ganz am Anfang des Projekts und reden über ungelegte Eier“, machte Lutz Gubernator von Weag, dem Projektpartner der Speyerer Stadtwerke (SWS), am Dienstagabend im Römerberger Ortsgemeinderat klar. Etliches, was das Projekt gefährden könnte, sei noch nicht geprüft worden – zum Beispiel ob es Hürden beim Thema Artenschutz gebe. Und auch wo genau wie viele Anlagen stehen werden, ist noch im Fluss. „Der Plan ist ein Idealplan. Ich kann nicht zusichern, dass es genauso gebaut wird“, sagte Gubernator. Die politischen Rahmenbedingungen hält er aber ebenso wie der Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Bühring derzeit für günstig.
Wünschenswert wären für Gubernators fünf Anlagen südwestlich von Heiligenstein. Viele Alternativen zu dem eingezeichneten Standort gibt es allerdings nicht, wie er auf die Anmerkung von Günter Walburg (CDU), die Windräder würden doch sehr dicht am Ortsteil Heiligenstein gebaut, zugeben musste. Denn es muss nicht nur genügend Abstand zur Wohnbebauung gewährleistet sein, sondern auch zum Schwegenheimer Windpark, der sich in südwestlicher Richtung anschließt.
Eine große Hürde auf dem Weg zu weiteren Windrädern in der Region sind die komplizierten Eigentumsverhältnisse in dem ins Auge gefassten Gebiet: 154 Parteien, mit denen Nutzungsverträge geschlossen werden müssten, gebe es dort, erläuterte Gubernator. Darunter seien auch viele Erbengemeinschaften. Fast alle seien schon angeschrieben und an mehr als 100 auch schon Verträge verschickt worden. Das Problem für die Projektpartner: Es reicht nicht, wenn die Fläche für das Windrad-Fundament erworben oder gepachtet wird. In einem Umkreis von 100 Metern um den Mittelpunkt einer Anlage müssten alle Eigentümer zustimmen. Wenn ein Einzelner ausschere, ziehe das unter Umständen schon Umplanungen nach sich. Dass durch solche Projekte Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden, sei leider nicht ganz zu vermeiden.
250 Meter hoch
Gewaltig sind die Ausmaße der Bauwerke, die in Römerberg entstehen könnten. Stand jetzt würden die SWS und Weag Anlagen mit einer Nabenhöhe von knapp 170 Meter planen. Eine vergleichbare Höhe haben laut Gubernator auch die Türme im Windpark Hatzenbühl, die Weag und SWS betreiben. Der Rotor soll hingegen in Römerberg deutlich größer sein und einen Durchmesser von mehr als 160 Metern haben. Die Gesamthöhe der Windräder liegt so bei fast 250 Metern. Die Leistung wäre doppelt so hoch wie bei den Hatzenbühler Anlagen und würde 6 Megawatt betragen. Fünf Windräder, die jeweils rund 12,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren könnten, würden nach Gubernators Rechnung mehr als den kompletten Stromverbrauch der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen decken. Rund 35 Millionen Euro würden SWS und Weag investieren. Sie wollen für das Projekt eine eigene Betreibergesellschaft gründen, die ihren Sitz in Römerberg hätte.
Letzteres hätte für Römerberg den Vorteil, dass die Gemeinde die komplette Gewerbesteuer für den Betrieb der Windenergieanlagen einstreichen würde. Außerdem würde Römerberg von Zahlungen profitieren, die der Betreiber nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz an die Gemeinden im Umfeld des Windparks entrichten muss. Auch Bürger sollen sich beteiligen und beispielsweise über Sparbriefe finanziell profitieren können.
Was den Zeitplan betrifft, so gehen Gubernator und Bühring davon aus, dass frühestens Ende 2022 die Genehmigungsanträge eingereicht werden können. Baubeginn könnte Mitte 2024 sein, so dass die Anlagen in vier Jahren in Betrieb gehen würden. Allerdings sei dieser Zeitplan „sehr sportlich“, es könnte also durchaus auch länger dauern.
Info-Abende geplant
Den Stein ins Rollen gebracht habe übrigens ein Römerberger Bürger, der den Bau weiterer Windkraftanlagen auf der Gemarkung der Gemeinde angeregt hat, berichtete Bühring. Ziel der Stadtwerke sei, eine Gesamtversorgung der Kundschaft mit grüner Energie aus der Region zu schaffen. Ein neuer Windpark in Römerberg wäre auf diesem Weg ein zentraler Baustein. Um nicht nur den Gemeinderat, sondern die gesamte Bürgerschaft frühzeitig mitzunehmen, soll es schon bald Informationsveranstaltungen in der Rhein-Pfalz-Halle zu dem Thema geben.
Um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, muss auch noch etwas Vorarbeit geleistet werden. So besteht aktuell noch eine rund 15 Jahre alte interkommunale Vereinbarung. Darin hatten Speyer, die damalige VG Dudenhofen und die noch eigenständige Gemeinde Römerberg festgeschrieben, ihre Windkraftanlagen dort zu konzentrieren, wo heute nahe der B9 drei Anlagen der Firma Juwi stehen. Damit auf der jetzt ins Auge gefassten Fläche gebaut werden darf, soll laut Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) ein Teilflächennutzungsplan im Vorgriff auf einen neuen Flächennutzungsplan für die Verbandsgemeinde erstellt werden. Sowohl die VG als auch die anderen Ortsgemeinden müssten ihr Plazet geben.