Otterstadt / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Erster Schritt zum grünen Strom vom Baggersee

Gehört der Ortsgemeinde Otterstadt und wird vom Angelsportverein und der Kiesfirma Rohr gepachtet: die Bannweide bei Otterstadt.
Gehört der Ortsgemeinde Otterstadt und wird vom Angelsportverein und der Kiesfirma Rohr gepachtet: die Bannweide bei Otterstadt.

Auf der Bannweide – einem Baggersee in den Rheinauen – soll eine schwimmende Photovoltaikanlage entstehen. Der grüne Strom soll nicht nur der Kiesfirma Rohr, sondern auch den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen.

Die Bannweide war früher eine Wiese, heute ist sie ein See. Er entstand in den 1960er-Jahren durch den Abbau von Kies und Sand. Das Gelände gehört der Ortsgemeinde Otterstadt, die es an den Angelsportverein und die Kiesfirma Rohr verpachtet hat. Die Firma mit Sitz in Waldsee verwirklichte mit den Stadtwerken bereits auf der Schlicht eine schwimmende Photovoltaikanlage. Der Strom wird für den energieintensiven Kiesabbau genutzt, der Überschuss fließt ins öffentliche Netz.

Ein ähnliches Projekt ist auf der Bannweide geplant. Im Dezember 2022 stellten Speyers Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Bühring und Mitarbeiter Mathias Reinhart einen ersten Entwurf der Idee vor. Das Projekt stieß damals auf großes Interesse – vor allem beim Angelsportverein, der sich um sein Revier sorgte. Anschließend liefen im Hintergrund Gespräche zwischen der Ortsgemeinde, den Pächtern – den Anglern und der Firma Rohr – sowie den Stadtwerken. Zuletzt wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Haupt- und des Bauausschusses öffentlich über eine Vereinbarung gesprochen – soweit das möglich war, weil Pachtangelegenheiten vertraulich behandelt werden.

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Zustimmung von Kommunalpolitik

Was deutlich wurde: Die Kommunalpolitiker stehen dem Projekt positiv gegenüber. Der Pachtvertrag mit der Firma Rohr wird bis 2050 verlängert, damit sich die Photovoltaikanlage lohnt. Die Konditionen bleiben bestehen, in vergangenen nicht öffentlichen Sitzungen sei lange über eine Abbaukontrolle diskutiert worden, sagte CDU-Fraktionschef Lothar Ritthaler, der nicht weiter ins Detail gehen durfte. Der CDU sei wichtig gewesen, dass die Firma eine Mindestpacht zahlen muss. Deren Höhe ist auch eine Vertragsangelegenheit, die nicht öffentlich ist.

Der Pachtvertrag mit dem Angelsportverein wird ebenfalls bis 2050 verlängert. Eckhard Sans (gkL) bedauerte, dass die PV-Anlage mit Rücksicht auf die Angler nicht so groß wie möglich gebaut werden soll. „Ich hätte mir von den Anglern eine andere Haltung gewünscht, dass sie offen für eine größere Anlage sind“, sagte Sans und argumentierte mit dem Mehr an grünem Strom, der mit mehr PV-Modulen hätte produziert werden können.

Anja Rausch, Mitglied des Angelsportvereins und Fischereiberaterin des Rhein-Pfalz-Kreises, bedankte sich später bei der Gemeinde für die Möglichkeit, im Vorfeld angehört worden zu sein. Sie sprach von einer Aufgabe, die die Angler ausfüllen wollten. Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) kann sich mit Bezug zur PV-Anlage vorstellen, dass die Angler als „Kümmerer vor Ort“ auftreten. Kiesunternehmer Axel Rohr und die Stadtwerke honorierten ebenfalls das entgegengebrachte Vertrauen der Gemeinde. „Wir hoffen, dass es ein schönes Projekt wird, und ich finde toll, dass wir über die Parteigrenzen hinweg Zustimmung erhalten haben“, sagte Rohr.

Planung noch am Anfang

Laut Stadtwerke gibt es derzeit noch keine Ausführungsplanung für die PV-Anlage. „Insgesamt befinden wir uns noch in einer sehr frühen Projektphase“, sagt SWS-Sprecherin Sonja Daum auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die Stadtwerke verstehen den Beschluss und den damit verbundenen Vertragsabschluss als Projektstart und können dementsprechend noch keine valide Aussage zum Investitionsvolumen treffen.

Daum erklärt jedoch, dass eine Solaranlage gemäß Wasserhaushaltsgesetz maximal 15 Prozent der Gewässerfläche bedecken darf. Der Wert bezieht sich auf den Mittelwasserstand. Das ist relevant, weil die Bannweide einen Zufluss zum Rhein hat und der Wasserstand entsprechend schwankt. Die PV-Anlage soll deshalb mit einer Verankerung unterhalb des Seegrunds befestigt werden, eine Uferverankerung sei ausgeschlossen.

Der SWS-Sprecherin zufolge hat die Bannweide eine Wasserfläche von rund 43 Hektar. Deswegen dürfte die PV-Anlage maximal etwa 6,5 Hektar groß sein. Damit könnte je nach Schwimmkörpersystem eine Leistung von rund 7 Megawatt erzielt und es könnten rund 2800 Haushalte versorgt werden. Pro Megawatt wird mit einem Investitionsvolumen von rund 1 Million Euro gerechnet, was bei einer Anlage mit 7 Megawatt Investitionskosten von zirka 7 Millionen Euro macht. Die Stadtwerke gehen aber aktuell davon aus, dass sie die möglichen 15 Prozent der Wasserfläche nicht vollständig ausschöpfen können, weil sie „bei der Planung weitere Restriktionen berücksichtigen“ müssten. Daum nennt den Abstand zum Ufer, der mindestens 40 Meter betragen muss, sowie die Nutzung des Gewässers durch die Kiesfirma Rohr und den Angelverein.

Als nächste Schritte wollen sich die Stadtwerke mit Planungsbüros austauschen. Es muss auch beurteilt werden, ob die PV-Anlage in der Bannweide verträglich ist. Denn das Gewässer liegt in einem Natura-2000- und Vogelschutzgebiet. Im späteren Genehmigungsverfahren ist für dieses Thema die Obere Naturschutzbehörde (SGD Süd) zuständig. „Nach unserem bisherigen Kenntnisstand ist eine schwimmende PV-Anlage in einem solchen Gebiet bisher in Rheinland-Pfalz noch nicht umgesetzt worden“, sagt Daum. Der Baustart ist daher noch offen.

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