Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Grüner Strom vom Baggersee

Dient der Kiesgewinnung und ist ein beliebtes Angelgebiet: die Bannweide bei Otterstadt.
Dient der Kiesgewinnung und ist ein beliebtes Angelgebiet: die Bannweide bei Otterstadt.

Das Kies-Unternehmen Rohr will in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Speyer auf der Bannweide bei Otterstadt eine schwimmende Photovoltaikanlage errichten. Der Ortsgemeinderat steht dem Projekt positiv gegenüber. Die Anlage könnte 33 Prozent des jährlichen Strombedarfs der Otterstadter decken. Es gibt allerdings ein paar Hürden.

Es ist ein Millionenprojekt der Stadtwerke Speyer, das in Otterstadt auf großes Interesse stößt. Zu einer Sondersitzung des Ortsgemeinderats sowie des Bau- und des Umweltausschusses kamen am Mittwochabend rund 20 Zuhörer ins Remigiushaus, darunter zahlreiche Mitglieder des Angelsportvereins und Vertreter der Unternehmensgruppe Rohr, die ihren Sitz in Waldsee hat. Die Firma baggert seit vielen Jahren Kies und Sand aus der Bannweide – einem in den Rheinauen gelegenen See, der in den 1960er-Jahren durch den Abbau dieser Rohstoffe entstanden ist. Er gehört der Ortsgemeinde, die ihn an die Firma Rohr und den Angelsportverein verpachtet. Vor ein paar Monaten kam die Unternehmensgruppe auf die Stadtwerke Speyer (SWS) zu. Die Stadtwerke sind nach Angaben ihres Geschäftsführers Wolfgang Bühring permanent auf der Suche nach Flächen, auf denen Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden kann. Auf der Schlicht bei Waldsee – auch ein See, der durch den Kiesabbau entstanden ist – verwirklichen die beiden Projektpartner derzeit bereits eine schwimmende PV-Anlage.

Derzeit im Bau: eine schwimmende Photovoltaik-Anlage auf einem erweiterten Teil der Schlicht bei Waldsee.
Derzeit im Bau: eine schwimmende Photovoltaik-Anlage auf einem erweiterten Teil der Schlicht bei Waldsee.

Nun ist eine weitere auf der Bannweide angedacht. Mit der Anlage soll das Kieswerk vollständig mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgt werden, der Überschuss fließt ins öffentliche Stromnetz und kommt damit den Bürgerinnen und Bürgern zugute. Die PV-Anlage soll nach ersten Plänen der Stadtwerke rund 5,8 Hektar groß werden – das entspricht acht Fußballfeldern – und bedeckt damit knapp 14 Prozent der Wasseroberfläche. Sie muss gemäß den gesetzlichen Vorgaben 40 Meter Abstand zu den Ufern haben. Laut SWS-Vertreter Mathias Reinhart hätte die Anlage eine Gesamtleistung von 7,4 Megawatt. Der Jahresstromverbrauch in Otterstadt liege bei rund 6,2 Millionen Kilowattstunden, davon entfallen etwa 384.000 Kilowattstunden auf die Kiesbaggerei in der Bannweide.

Skepsis bei den Anglern

Nach Angaben der Stadtwerke könnten mit der Anlage in dieser Größe – rein rechnerisch – 33 Prozent der Haushalte in Otterstadt mit Strom versorgt werden. Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) merkte an: „Die Anlage ist gewaltig. Es stellt sich die Frage, wie man da noch angeln kann?“ Hintergrund seiner Anmerkung ist, dass der Angelsportverein (ASV) dem Vorhaben skeptisch gegenüber steht. Anja Rausch, Mitglied des ASV und Fischereiberaterin beim Rhein-Pfalz-Kreis, wies darauf hin, dass der Wasserstand in der Bannweide vom Rheinpegel abhängig ist und dadurch bei Hochwasser starken Schwankungen unterliege. „Das sollte berücksichtigt werden“, sagte Rausch. SWS-Vertreter Mathias Reinhart erklärte, dass eine solche Anlage mit Seilen und Ketten im Seeuntergrund verankert werde und der Höhenunterschied dadurch ausgeglichen werden könnte.

Ob und wann das Projekt verwirklicht werden kann, ist noch unklar. Denn für eine solche PV-Anlage braucht es laut Frank Juchem, Bauamtsleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen, einen Bebauungsplan und eine Änderung des Flächennutzungsplans. Er schätzt, dass es an die zwei Jahre dauern könnte, bis überhaupt geklärt ist, ob das Vorhaben zulässig ist oder nicht. Ein großes Fragezeichen gibt es auch beim Naturschutz. Ortsbürgermeister Zimmermann erzählte von einer ersten Einschätzung eines Mitarbeiters der Oberen Naturschutzbehörde bei der SGD Süd. Der Behördenvertreter habe sich eher ablehnend geäußert, weil die Bannweide in einem Natur- und Vogelschutzgebiet liegt.

Politik einstimmig dafür

Die Otterstadter Kommunalpolitiker begrüßten das Vorhaben dagegen einhellig und stimmten weiteren Gesprächen mit allen Beteiligten zu. Lothar Daum (BIO) und Eckhard Sans (grüne kommunale Liste) finden es gut, dass mit den PV-Modulen auf dem Wasser keine landwirtschaftlichen Flächen verbraucht werden. Sans hob zudem hervor, dass die Anlage das Algenwachstum hemmen könnte, weil sie den See beschatten und sich das positiv auf den Sauerstoffgehalt und damit auf den Fischbestand auswirken würde. Zudem wies er darauf hin, dass die PV-Module aufgrund des kühlen Untergrunds optimal arbeiten könnten und dadurch die Effizienz gesteigert werde. Lothar Ritthaler (CDU) stimmte dem zu und sprach von einem „gewissen Charme“, den die PV-Anlage mit ihrem Nutzen habe.

SPD-Vertreterin Heike Schneider wollte bei der Größe der Anlage wissen, ob das Umladen des gewonnenen Kieses auf Schiffe in der Bannweide noch möglich sei. Geschäftsführer Axel Rohr bejahte das und verdeutlichte, dass die Bannweide für sein Unternehmen eine große Rolle spiele – auch unter Umweltgesichtspunkten. Denn von dem Gewässer aus starten pro Woche ein bis zwei Schiffe mit bis zu 2000 Tonnen Material und fahren über den Rhein und Neckar nach Stuttgart. Ein Lastwagen könne dagegen nur 22 bis 23 Tonnen laden, sagte Rohr. Somit wären mehr Fahrzeuge beziehungsweise Fahrten notwendig, um die Gesamtmenge zu transportieren. Philipp Jaspers (FDP) wollte wissen, ob das Unternehmen seinen Strombedarf auch an die Sonnenscheindauer anpassen könne, die jahreszeitenbedingt variiert. Axel Rohr antwortete, dass er sich vorstellen kann, den Arbeitsalltag anzupassen und im Sommer mehr und länger Kies und Sand abzubauen als im Winter.

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