Mutterstadt
Erinnerungen an eine schreckliche Nacht: Der Bombenangriff vor 80 Jahren
Es war schon eine Stunde lang dunkel, als am 1. Februar 1945 in Mutterstadt das Brummen der ersten Flugzeuge zu hören war. Dann war das Vorauskommando eines Bomberverbands über dem Dorf und warf die „Christbäume“, so nannte man die hell leuchtenden Zielmarkierungen. Kurz darauf folgte ein schwerer Angriff mit Spreng- und Brandbomben. 38 Menschen starben in dem Inferno, 33 davon in einem Luftschutzraum in der Friedensstraße.
Als die Sirenen heulten und vor dem Luftangriff warnten, hofften die Menschen in solchen Kellerräumen auf Schutz. Doch dem Volltreffer einer schweren Bombe hielt dieser Raum nicht stand. Auch 14 Soldaten fanden den Tod. Die Zerstörung des Dorfes war gewaltig: Die Zeppelinstraße, die Friedrich-Ebert-Straße, Teile der Ringstraße und viele weitere Orte wurden schwer getroffen. Wohnhäuser, Straßen und ganze Straßenzüge lagen in Trümmern. Noch Jahre später waren viele Gebäude nicht wiederaufgebaut, sei es aus finanziellen Gründen oder wegen fehlender Baumaterialien. Die Gemeinde verzeichnete insgesamt 96 zerstörte Wohnhäuser und 163 obdachlose Familien.
Frieden ist nicht selbstverständlich
Neben den materiellen Schäden sind es vor allem die menschlichen Verluste, die berühren, hieß es bei der Gedenkveranstaltung. Uli Valnion, Sänger und Liedermacher aus Mutterstadt, spielte und sang einleitend das nachdenklich stimmende Lied „Wenn die Lichter wieder brennen“ von Louis Fürnberg. Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) begrüßte anschließend die über 50 Gäste, die auf den Alten Friedhof gekommen waren, insbesondere diejenigen, die den Luftangriff miterlebt haben und dabei Freunde und Bekannte verloren. „Die Gemeinde Mutterstadt trauert auch 80 Jahre danach um die Zivilpersonen, die durch Kriegseinwirkungen ums Leben kamen, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Wir erinnern heute an diese Menschen. Ihre Namen zu nennen, ist Ausdruck unserer Anteilnahme und unseres Respekts“, sagte er. Leva erinnerte außerdem daran, dass sein Amtsvorgänger Hans-Dieter Schneider vor zehn Jahren hervorhob, wie dankbar wir für den Frieden sein können, in dem wir heute leben.
„Dieser Frieden“, so Leva, „war lange selbstverständlich. Doch die Welt hat sich verändert. Heute ist Krieg nicht mehr nur eine dunkle Erinnerung an die Vergangenheit, er ist wieder näher gerückt. In der Ukraine und in vielen anderen Teilen der Welt leben Menschen in genau der Angst, die auch die Mutterstadterinnen und Mutterstadter in jener schrecklichen Nacht des 1. Februar 1945 empfunden haben müssen.“ Deshalb sei dieser Gedenktag nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern auch eine Mahnung.