Rhein-Pfalz Kreis Katastrophe im Schutzraum

Mutterstadt. Vor 70 Jahren haben alliierte Bomber Mutterstadt angegriffen. Bei einer Gedenkfeier hat Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) mit Vertretern aus Rat und Verwaltung am Sonntag an das schreckliche Ereignis erinnert. Viele Menschen sind bei dem Angriff getötet oder verletzt worden. Zudem hatte das Bombardement schwere Schäden angerichtet.
Es war schon eine Stunde lang dunkel, als am 1. Februar 1945 in Mutterstadt das Brummen der ersten Flugzeuge zu hören war. Dann war das Vorauskommando eines Bomberverbands über dem Dorf und warf die „Christbäume“, so nannte man die hell leuchtenden Zielmarkierungen. Kurz darauf folgte ein schwerer Angriff mit Spreng- und Brandbomben. 38 Menschen starben in dem Inferno, 33 davon in einem Luftschutzraum in der Friedensstraße. Als die Sirenen heulten und vor dem Luftangriff warnten, hofften die Menschen in solchen Kellerräumen auf Schutz. Doch dem Volltreffer einer schweren Bombe hielt dieser Raum nicht stand. Im vorderen Bereich überlebte als einzige die kleine Waltrud Steiger (später verheiratete Bader). Sie saß auf dem Schoß einer Frau, die von einem herabstürzenden Stahlträger getötet wurde, erzählen Zeitzeugen. Sehr viele Opfer hatte die Familie Massott zu beklagen. Die Angehörigen, die im Keller den Tod fanden, sind auf dem alten Friedhof in einem gemeinsamen Familiengrab bestattet. Hier legte der Bürgermeister im Namen aller Bürger einen Kranz nieder. Besonders schwer getroffen wurden damals die Zeppelinstraße, Ringstraße, Ebertstraße, Friedensstraße Ecke Bleichstraße sowie die Mälzerei und die Mühle. Nach den Unterlagen der Gemeinde wurden 96 Häuser völlig zerstört, 163 Familien wurden obdachlos. Viele weitere Anwesen im Ort hatten schwere Schäden davongetragen. Es dauerte zum Teil Jahre, bis die Ruinen abgetragen und durch neue Häuser ersetzt waren. 1948 hätten immer noch zwei Anwesen in der Ringstraße in Schutt gelegen. An der Kreuzung Neustadter Straße und Gartenstraße sei ein Haus noch 1945 wieder aufgebaut worden, sagte Schneider. Für viele zerstörte Gebäude habe es aber lange an Material für den Wiederaufbau gefehlt. Wie Bürgermeister Schneider sagte, gibt es Fotos im Gemeindearchiv, die Totalschäden in der Zeppelinstraße zeigen, wo es auch Gebäude der Gemeinde gegeben hat. Dokumentarische Fotos seien durch die Alliierten lange verboten gewesen. Warum der Angriff erfolgte, weiß heute niemand mehr. Als strategisches Ziel war die kleine Gemeinde völlig bedeutungslos. Zwar habe es Richtung Oggersheim und Richtung Schifferstadt Flugabwehrstellungen gegeben, aber die seien unbedeutend gewesen, meint Konrad Heller, der einen älteren Verwandten hat, der bei einer Stellung Dienst tun musste. Die meisten Opfer jener Nacht waren Zivilisten. Es starben auch 14 Soldaten, die in der Gemeinde einquartiert waren und von denen einige auf dem alten Mutterstadter Friedhof begraben sind. Der Krieg forderte in Mutterstadt insgesamt 62 Menschenleben, fast alles Zivilisten, viele Frauen und Kinder, berichtete Schneider. Pfarrer Heiko Schipper und Pastoralreferentin Katharina Wagner sprachen gemeinsam mit den Anwesenden ein Gebet.