Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Elternpaten: Familien helfen sich beim Ankommen

Lernen sich als Elternpaten kennen: Derya Eris (links) mit Tochter Mina und Daniela Wohninsland.
Lernen sich als Elternpaten kennen: Derya Eris (links) mit Tochter Mina und Daniela Wohninsland.

Wer umzieht, muss sich am neuen Wohnort erst mal einleben. Damit das neu zugezogenen Familien sowie solchen mit Migrationshintergrund leichter fällt, hat der Migrationsbeirat Bobenheim-Roxheim „Eltern helfen Eltern“ ins Leben gerufen. Eine Patenschaft läuft bereits.

Mit ihrem Mann und zwei Kindern ist Derya Eris vor rund einem Jahr von Mannheim in die Altrheingemeinde gezogen. Die 28-Jährige kam 2001 aus der Türkei nach Deutschland. In Bobenheim-Roxheim sei die Familie gut aufgenommen worden, sagt ihr Mann Fatih Eris. „Hier ist es einfach herrlich, gerade mit dem Silbersee, und es ist ruhiger, geregelter“, findet er. In Mannheim lebe man multikultureller und komme durch viele Angebote auch leichter in Kontakt – oft blieben die Menschen mit Migrationsgeschichte seiner Erfahrung nach aber mehr unter sich. Die Pandemie erschwert laut dem Familienvater das Ankommen im neuen Heim, weil es wegen der eingeschränkten Freizeitangebote weniger Kontaktmöglichkeiten gebe.

Wie es sich anfühlt, neu im Ort zu sein, weiß Daniela Wohninsland genau. Die 39-Jährige ist selbst vor 20 Jahren von Mannheim nach Bobenheim-Roxheim gezogen. „Hier können die Kinder abends auch mal länger draußen bleiben“, erklärt Wohninsland und erzählt, dass sie sich schon in verschiedenen Bereichen in der Schule engagiert habe. Aus dem Migrationsbeirat heraus sei sie dann angesprochen worden, ob sie sich eine Patenschaft mit einer anderen Familie vorstellen könnte. Sie stimmt zu.

„Reden über alles“

Zuerst schreiben sich die Frauen nur Nachrichten. Das sei für sie auf Deutsch noch leichter, erklärt Derya Eris. Ein- bis zweimal im Monat tauschen sie sich aus, über Familie, Schule und was sonst noch so bei den Hausfrauen los ist. „Wir reden eigentlich über alles, auch wenn der Tag mal nicht so gut war“, sagt Wohninsland. Derya Eris besucht zwei- bis dreimal pro Woche einen Online-Deutschkurs an der Abendakademie und freut sich, wenn sie Gelerntes in Gesprächen anwenden kann. Ihre Patin hat ihr auch ein paar Apps gezeigt, mit denen sich Sprachen leichter lernen lassen.

Auf dem Kontakt zwischen den Frauen und dem sprachlichen Austausch liegt momentan der Schwerpunkt ihrer Patenschaft. Ob sich eine Freundschaft entwickelt, wollen die beiden auf sich zukommen lassen. Für Verabredungen zum Spielen sei der Altersunterschied ihrer Kinder etwas zu groß. Die achtjährige Mina Eris geht erst in die zweite Klasse, Daniela Wohninslands zehnjähriger Sohn schon in die vierte. Gesehen hätten sich die Kinder aber schon einmal.

Gemeinsame Aktivitäten

Viele Eltern hätten keine Lust oder keine Zeit mehr, um sich ehrenamtlich zu engagieren, so Wohninslands Eindruck. Derya Eris hat mit anderen Familien mit Migrationshintergrund über die Elternpatenschaften gesprochen. „Sie können schon Deutsch und sagen deshalb, sie brauchen das nicht“, erklärt sie. Die 28-Jährige könnte sich vorstellen, dass über gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern Familien näher zusammen gebracht werden könnten.

Ihr Mann Fatih, der sich künftig noch stärker in das Patenprogramm einbringen will, hat noch eine ganz andere Idee, um Klischees zu bekämpfen: „Essen fruchtet immer, wenn man Menschen zusammen bringen will“, sagt er. Schließlich gehe es darum, Gemeinsamkeiten zu finden, und „bei Essen hat jeder das gleiche Bedürfnis.“ Ganz ohne Zwang könnte man zum Beispiel türkische Spezialitäten beim nächsten Schulfest anbieten oder ein offenes Abendessen organisieren, so seine Ideen.

Noch Fragen?

Wer sich für „Eltern helfen Eltern“ und die Arbeit des Migrationsbeirats interessiert, kann sich unter Telefon 01575 9028921 oder per E-Mail an migrationsbeirat@bobenheim-roxheim.de melden.

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