Römerberg
Eine Demo für die Dorffeste
Andreas Ruhnke ist im Römerberger Vereinsleben tief verwurzelt. Beim FV Berghausen hat er die Aktion „FVB hilft“ angestoßen, aber auch bei der JSG Römerberg oder im Rauch- und Schießclub engagiert sich Ruhnke. „Die Feste sind für viele ein Lebensgefühl“, sagt er. Sein Lieblingsfest ist die Kerwe in Berghausen, bei der er diesmal ausnahmsweise nicht selbst als Helfer, sondern nur „vor der Theke“ dabei war. „Die Tradition sollte man erhalten“, ist Ruhnkes Überzeugung.
Das wird aber immer schwieriger, so zumindest der Eindruck des 54-Jährigen, der zwar in Ludwigshafen geboren wurde und die ersten sechs Lebensjahre in Limburgerhof verbrachte, aber längst eingefleischter Römerberger ist. „Nach und nach werden die Feste beschnitten, sei es von den Zeiten oder dass sie überhaupt stattfinden können.“ In Römerberg sollten zum Beispiel im kommenden Jahr die Zeiten für die Berghäuser Kerwe reduziert werden und am Dienstag schon um 22 Uhr Schluss sein. Das Hohlbrunnenfest habe aus Naturschutzgründen sogar schon ganz auf der Kippe gestanden. Hinzu kämen die vieldiskutierten Sicherheitsauflagen bei Veranstaltungen, die das Innenministerium des Landes beschlossen habe. „Die Vorschriften gehen total an der Realität vorbei“, findet Ruhnke. Er wünscht sich, dass die Landesregierung das Gesetz überdenkt.
Keine politische Aktion
Trotzdem legt der Römerberger Wert darauf, dass es sich bei der Demo vor der Kirche in Berghausen, die er für Samstag ab 11 Uhr angemeldet hat, nicht um eine politische Veranstaltung handelt. „Das ist eine Aktion der Bürger. Es geht rein um unser Lebensgefühl, unsere Fest und unsere Vereine“, sagt er. Ruhnke hofft, dass niemand versucht, die Demonstration parteipolitisch zu instrumentalisieren – insbesondere keine „undemokratischen Parteien“. Darauf werde er achten. Die Idee zu der Kundgebung sei ihm bei Gesprächen mit Gleichgesinnten beim FV Berghausen gekommen.
Er ist guter Dinge, dass die 100 bis 150 Teilnehmer, die er angemeldet hat, nicht zu hoch gegriffen sind. Über soziale Netzwerke, aber auch mit Bannern und Plakaten im Ort macht Ruhnke auf die Veranstaltung aufmerksam. Er habe alle Ortskartellvorsitzenden informiert und positive Rückmeldungen erhalten, sagt er. Diese sollen bei der Demonstration – neben Ruhnke selbst – auch sprechen. Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) ist zwar am Samstag verhindert, unterstützt Ruhnkes Anliegen aber. Über den Inhalt seiner Rede hüllt sich der Demo-Organisator noch größtenteils in Schweigen. Er wolle schließlich nicht alles vorwegnehmen. Die Teilnehmer der Veranstaltung will Ruhnke einbinden. So könnten sie auf Postkarten Anmerkungen schreiben, die er dann verlesen werde.
Eine Demonstration in einem Ort wie Römerberg, sei natürlich etwas ungewöhnlich. „Die Gemeinde war zunächst etwas verwirrt“, war Ruhnkes Eindruck, als er die Demo anmeldete. Über Orts- und Verbandsgemeinde landete sein Ansinnen schließlich bei der Kreisverwaltung. Die schickte dem Römerberger ein sechsseitiges Schreiben mit Auflagen zu. Darin geht es unter anderem um das Bereitstellen von Ordnern – sechs müssen es sein – oder um das Verbot von Glasflaschen. Ruhnke zeigt sich etwas verwundert angesichts der Bürokratie, die damit verbunden ist, sein Demonstrationsrecht auszuüben. „Aber ich wollte den offiziellen Weg gehen“, sagt er.

