Schifferstadt
Eindrücke aus dem Silicon Valley: Von wegen Work-Life-Balance
Das Silicon Valley im Süden der San Francisco Bay in Kalifornien ist ein bedeutender Standort für IT- und Hightech-Unternehmen. Die Erfolgsgeschichte vieler großer Firmen – darunter Intel, Apple, Hewlett-Packard, Google, Netflix und Ebay – hat dort begonnen. Das Start-up-Mekka war deshalb im März das Ziel einer Wirtschaftsexpedition des Instituts für Jugendmanagement Stiftung in ihrem Programm Master MINT.
Bewerben konnten sich für diese von der Stiftung geförderte Reise Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wir haben dort selbst ein Forschungsprojekt durchgeführt, in dem wir alles dokumentiert haben“, sagt Daniel Birk, der sich schon seit langem mit den Themen Wirtschaft und Vertrieb beschäftigt sowie bereits sein eigenes Unternehmen gegründet hat. Zusammen mit seinen Mitschülern Timo Bleh und Alyoscha Rommel betreibt er seit diesem Jahr mit StudentCreates eine Full-Service-Agentur für Social Media Marketing.
Unternehmen in USA „viel besser vernetzt“
Deshalb hatte er auch einen besonderen Blick darauf, was die Firmen im Silicon Valley anders und vielleicht auch besser machen als deutsche Unternehmen. „Man hat dort eine andere Kultur“, sagt der Zwölftklässler und bezieht sich dabei besonders auf die Kooperationsbereitschaft. „Man arbeitet dort mehr miteinander als gegeneinander“, hat er beobachtet. Dies gelte zumindest für die kleineren Unternehmen. Sie seien viel besser vernetzt als es in Deutschland der Fall sei.
Als Beispiel nennt Daniel Birk den Bielefelder Baukonzern Goldbeck, der mit einer Forschungs- und Entwicklungseinheit im Silicon Valley vertreten ist. Diese Präsenz und die Vernetzung sind wohl einer der Gründe dafür, dass Goldbeck den Auftrag für den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg bekommen hat. Mit großem Interesse hat der 18-Jährige deshalb mit den Mitarbeitern gesprochen und zählt die Einblicke, die er bei Goldbeck bekommen hat, zu den Highlights der Reise. Auch die Besuche bei Apple und Google seien besonders informativ gewesen, fügt er hinzu.
Leidenschaft wichtiger als Erfahrung
Statt nach einer Work-Life-Balance suchten die Arbeitnehmer im Silicon Valley eher nach einer Work-Work-Balance, beschreibt Daniel Birk die Einstellung, die er bei den Gesprächspartnern feststellen konnte. Diese zeichne sich vor allem durch eine höhere Motivation aus. Und diesen Aspekt möchte der Jung-Unternehmer auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitern mehr in den Mittelpunkt rücken. „Diese Einsatzbereitschaft, dass sie dafür brennen, ist für uns wichtiger, als dass sie schon Erfahrung mitbringen“, sagt Birk. Aktuell hat StudentCreates rund sieben Mitarbeiter auf Minijob-Basis und plant, in absehbarer Zeit weitere Schüler und Studierenden einzustellen.
Wie positiv Synergieeffekte sich auswirken können, hat die Gruppe unter anderem im HanaHaus erfahren. Dies ist ein sogenannter Co-Working-Space, der von SAP-Mitbegründer Hasso Plattner konzipiert wurde und in der Atmosphäre eines großen Cafés einen offenen Arbeitsbereich bietet, den Start-ups, Freiberufler und Studenten nutzen können. So lassen sich schnell und unkompliziert Kontakte knüpfen. „Das funktioniert sehr gut“, zeigt sich Daniel Birk begeistert.
Zu Besuch bei Elite-Universitäten
Zum Programm der Reise gehörten auch Besuche in den Universitäten Berkeley, Stanford und Santa Clara einschließlich der Möglichkeit, sich mit Professoren und Studierenden auszutauschen. Diese Gespräche haben laut Daniel Birk neue Perspektiven eröffnet und Möglichkeiten aufgezeigt, die er und seine Mitgründer ganz konkret in der eigenen Firma umsetzen können.
Perfektion sei dabei am Anfang nicht der richtige Weg, lautet eine weitere Erkenntnis, die der Schüler in Kalifornien gewonnen hat. „Wichtig ist, dass der Kunde den größtmöglichen Nutzen hat.“ Bei den Firmen im Silicon Valley habe man gemerkt, dass der Kunde mehr im Mittelpunkt stehe als bei so mancher deutschen Firma. Und dieses Grundprinzip möchte auch Daniel Birk künftig noch mehr berücksichtigen.
Reisen nach Boston und Stanford geplant
Neben zahlreichen Ideen und Anregungen für sein Unternehmen hat der Zwölftklässler aber auch ganz persönlich einiges mitnehmen können. So habe die Wirtschaftsexpedition seine Motivation gesteigert, nach dem Abitur noch einmal nach Stanford zu gehen, um sein Netzwerk auszubauen. Eine Sprachreise auf den Campus der Harvard-Universität nahe Boston, von der sich der Limburgerhofer ebenfalls weitere Kontakte und neue Einblicke erhofft, steht für den Sommer auf dem Programm. Denn er ist überzeugt: „Es ist gut, sich aus dem gewohnten Umfeld zu begeben und von außen einen Blick auf die eigene Lebensweise und die Firma zu werfen.“