Türen öffnen im Advent RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Blick in die Spielesammlung von Spieleautor Klaus Geis

Klaus Geis ist glücklich in Mitten seiner Spielesammlung. Wobei: „Ich will nicht sammeln, ich will spielen“, betont er.
Klaus Geis ist glücklich in Mitten seiner Spielesammlung. Wobei: »Ich will nicht sammeln, ich will spielen«, betont er.

Türen öffnen im Advent: Viele Kinder bekommen Spiele unter den Weihnachtsbaum gelegt. Nur Kinder? Nein. Auch Erwachsene haben Spaß an Brettspielen. Wie Klaus Geis. Der Mutterstadter hat Hunderte Spiele in seiner Sammlung. Er erfindet auch selbst Spiele. Und klar: Auch an Heiligabend wird mit der Familie gespielt. Nach ganz eigenen Regeln.

Wenn Klaus Geis die Tür zu einem bestimmten Raum im Keller seines Hauses in Mutterstadt öffnet, kommt man aus dem Staunen fast nicht mehr raus. Es sollte einen zwar bei einem Spieleautor und -verleger nicht verwundern, aber man braucht trotzdem ein paar Sekunden, bis man den Mund wieder selbstständig schließt. In der Mitte des Raumes steht ein Regal. In U-Form. Und darin sind – Spiele. Hunderte.

Der Mutterstadter hat vorgewarnt. Etwa 500 bis 600 Spiele – so genau weiß er das nicht – befinden sich in seiner Sammlung. „96 Prozent davon habe ich gespielt“, sagt er. Von abendfüllenden Taktikmonstern sei er in der jüngeren Vergangenheit etwas abgekommen. Und in dem Fundus seien eben auch ein, zwei „Bollerspiele“, wie er es nennt, dabei. „Aber mein bester Freund geht bald in Altersteilzeit. Da habe ich die berechtigte Hoffnung, dass die dann auch mal gespielt werden“, sagt Geis und lächelt verschmitzt.

Vielspieler im wahrsten Sinne des Wortes

Geis bezeichnet sich selbst als Vielspieler. „Und das im wahrsten Sinne des Wortes“, betont er. Hauptsache, es mache Spaß und spreche ihn an. Da sei es dann auch egal, ob ein Karten-, Würfel- oder Taktikspiel auf dem Tisch stehe. Ein Lieblingsspiel hat er aber – „Acquire“. „Ich habe 1000 Partien gespielt. Mindestens“, sagt er. Worum es geht? „Man muss Hotelketten bauen, ein Wirtschaftsspiel.“ Bei „Acquire“ habe er sogar mal mit zwei Freunden bei einem Turnier in London teilgenommen. „25 Leute aus aller Herren Länder waren dabei“, erinnert er sich. Das Ziel des Trios sei gewesen, einen unter die besten zehn Spieler zu bringen. „Am Ende waren wir auf den Plätzen eins, drei und vier.“ Er sei auf Platz vier gelandet. „Das bekomme ich heute noch zu hören“, erzählt Geis und lacht.

Selbstverständlich steht das Spielen bei Klaus Geis und seiner Familie auch in der Adventszeit und an Weihnachten im Mittelpunkt. „Wir haben an Heiligabend feste Rituale“, sagt Geis. Singen, Geschichten vorlesen, dann gehe es an die Bescherung. „Im Anschluss gibt es leckeres Raclette. Und dann wird gespielt. 1 Uhr oder 2 Uhr wird’s bestimmt. Wir spielen einfach so lange, bis wir keine Lust mehr haben.“ Und das alles ohne Liste oder Punkte. „Entscheidend ist der Spaß.“ Dafür kann es aber vorkommen, dass die Familie die Regeln etwas abändert. „Ein Spiel ist tot, wenn man die Regeln nicht verändern kann“, ist Geis überzeugt. Aber: „Alle müssen mit der Regeländerung einverstanden sein.“ Selbstverständlich führt der erfahrene Vielspieler durch die Runde.

Der Ruhige, der Revoluzzer und der Pienser

Da drängt sich die Frage auf, was beim Erfinder von „Ebbes“ und „Dubbe“ zum Spielen auf den Tisch kommt. Nun, seine beiden bisherigen Eigenkreationen bleiben dabei außen vor. Es seien dann eher Spiele für die ganze Familie, bei denen alle – auch die Enkelin – mitmachen können. „Fun Facts“ oder „Top 10“ nennt Geis als Beispiele. „Oder ,Planet unknown’. Das bekomme ich hoffentlich zum Geburtstag“, sagt Geis und lacht.

Spielen, das hat für Klaus Geis immer eine besondere Bedeutung. „Man lernt sich beim Spielen besser kennen. Da zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen“, ist er überzeugt. In seiner Spielerunde gebe es zum Beispiel einen „Ruhigen“. „Der gewinnt immer, ohne dass man es merkt.“ Der „Revoluzzer“ müsse immer bei den Regeln nachfragen. „Wegen ihm fangen wir immer eine halbe Stunde später an.“ Und er selbst sei der „Pienser“. „Ich lamentiere gerne“, gesteht Geis. Zu dieser ganz speziellen Gruppe habe er auch schon eine Idee für ein Spiel in seiner Entwicklungskiste.

„Spielen ist etwas Elementares“

„Es gibt viele schöne Dinge auf der Welt. Aber spielen ist etwas Elementares, das unser Leben durchdringt. Von Anfang an“, erläutert er. Gehe man spielerisch durchs Leben, habe man es einfacher. „Wenn man alles durchplant bis ins Letzte, hat man keine Freiräume mehr. Wenn man sich diese Freiräume lässt, kann man sie spielerisch erobern.“ Deswegen kämpfe er auch darum, dass das Spielen immer mehr ins Bewusstsein der Leute komme.

Die Advents- und Weihnachtszeit ist für Klaus Geis die schönste Zeit des Jahres. Und das nicht nur, weil so viel gespielt wird. An Nikolaus, einen Tag vor seinem Geburtstag, schlüpft Klaus Geis selbst in ein Nikolauskostüm und besucht Kinder in einem Heim.

Wunschzettel und Tipps

Bei neuen Spielen sei er vom Kaufen abgekommen. Stattdessen komme es ihm entgegen, dass sein Geburtstag und Weihnachten so dicht beieinander liegen. Auf seinem Wunschzettel stünden nur Spiele und Bücher, sagt Geis. Und er zählt die Spiele auf: „,Planet unknown’, ,Heat – Pedal to the Metal’, ,Noobs’, ,Inside Job’.“

Und er hat selbstverständlich auch Tipps, falls jemand noch eine Lücke bei den Geschenken für die Lieben hat. „Für Kinder ,Zauberberg’ und ,Drecksau’. Für Taktiker muss ich wieder auf ,Planet unknown’ zurückkommen. Und für die Party ,Fun Facts’ und ,Top 10’.“

Service an Heiligabend

Ein kleiner Geheimtipp könnte das Spiel sein, das Geis noch geschwind aus einem der Regale zieht. Ohne eine Runde spielen geht kein Termin bei ihm. „Can’t stop“ von Sid Sackson kommt auf den Tisch. Bergsteiger wetteifern an diversen Seilen darum, wer zuerst den Gipfel erreicht. Dafür muss man würfeln und zwischendurch Basislager errichten. Geis’ Spielekarton sieht nach der Originalversion aus. Mittlerweile ist das Spiel knallig bunt geworden. Aber wer auf Spiele mit etwas Risiko steht und auch gerne mal zockt, der wird hieran seine Freude haben.

Selbstverständlich freue er sich auch darüber, wenn die Leute der Familie oder Freunden „Ebbes“ oder „Dubbe“ unter den Weihnachtsbaum legen. Die kann man bei ihm über die Homepage seines Verlags Palatia Spiele bestellen. Und Leuten, die kurz entschlossen sind, bietet er an: „Man kann auch am 24. Dezember noch bei mir vorbeikommen und das Spiel abholen. Bis 14 Uhr.“

500 bis 600 Spiele lagern in den Regalen. So genau weiß er das nicht.
500 bis 600 Spiele lagern in den Regalen. So genau weiß er das nicht.
Zum Abschluss wird selbstverständlich noch gespielt: „Can’t stop“.
Zum Abschluss wird selbstverständlich noch gespielt: »Can’t stop«.
„Entscheidend beim Spielen ist der Spaß“, sagt Klaus Geis.
»Entscheidend beim Spielen ist der Spaß«, sagt Klaus Geis.
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