Land und leute
Die Wochenendkolumne: Von langen Sitzungen und schlauen Pol-Bewohnern
Notration I: Geholfen
In der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Maxdorf wurde viel über einen Katastrophenfall geredet und was dann zu tun ist. Was macht die Verwaltung? Wohin können sich die Menschen wenden? Nun, einen Notfall ganz anderer Art hatte der Autor dieser Zeilen in der vergangenen Sitzung des Ortsgemeinderats Birkenheide für dieses Jahr, die doch einige Spuren von Länge enthielt. Trotz aller Warnungen war der Autor ohne Notration in die Sitzung gegangen. Besonderes Mitleid hat das offenbar bei der FDP in der Verbandsgemeinde hervorgerufen. Jedenfalls gab’s von Michael Schimbeno vor der Sitzung des Verbandsgemeinderats ein tolles Überlebenspaket – mit Müsliriegeln, Studentenfutter und Nüssen. Dafür noch mal recht herzlichen Dank. Jetzt kann eigentlich nix mehr schief gehen.
Notration II: Geteilt
In Sachen Überlebenshilfe bei sehr langen Ratssitzungen hat die Fußgönheimer Verwaltung mit Jochen Schubert (FWG) an der Spitze am Mittwochabend sogar noch einen draufgesetzt. Neben dem vor einer Woche heraufbeschworenen Schoko-Erdnuss-Riegel gab es zusätzlich einen Energydrink, der einen laut Werbung fliegen lässt. Auch hierfür recht herzlichen Dank. So viel Fürsorgepflicht vonseiten der Lokalpolitiker gegenüber der Presse ist etwas ungewohnt. Aber eine nette Geste. Ein bisschen merkwürdig waren allerdings die mitunter hungrigen und sehnsüchtigen Blicke der Fußgönheimer Ratsmitglieder. Für die Zukunft: Ich teile gerne.
Notheizung: Geholfen II
Apropos Ortsgemeinderat Birkenheide. In diesem Zusammenhang war vor einer Woche an dieser Stelle von viel heißer FWG-Luft die Rede. Nun, heiße Luft gab’s auch im Verbandsgemeinderat in der Mehrzweckhalle Fußgönheim. Aber die war völlig beabsichtigt und auch nötig. Denn die Freiwillige Feuerwehr sorgte mithilfe einer neu angeschafften Notheizung Wohlfühltemperaturen in der Halle und übte damit gleich für den Katastrophenfall. Den Praxistest haben Gerät und Wehr bestanden. Bleibt zu hoffen, dass die Floriansjünger die Heizung nie bei einem echten Notfall rausholen müssen.
Schubert: Geweissagt
Im Laufe der Filmgeschichte sammeln sich legendäre Zitate, beziehungsweise Ankündigungen. Unvergessen ist zum Beispiel Marlon Brando in „Der Pate“ mit: „Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann.“ Oder Arnold Schwarzenegger in „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ mit: „Ich komme wieder.“ Unter diesen Legenden ist seit dieser Woche auch der Name Jochen Schubert zu finden. Der Ortsbürgermeister von Fußgönheim kündigte vor der Sitzung des Verbandsgemeinderats am Dienstag dem Verfasser dieser Zeilen an: „Egal, wie lange es heute dauert, morgen dauert es länger.“ Damit spielte Schubert auf die Sitzung seines eigenen Ortsgemeinderats in Fußgönheim an, der am Abend darauf tagte. Und da hatte er nicht zu viel versprochen: Handgestoppte 3:11 Stunden dauerte die Sitzung. In den Stand eines Propheten muss man Schubert deswegen trotzdem nicht erheben. Denn der Ortsbürgermeister hatte immerhin den Vorteil, die Sitzung durch eigene Beiträge zu beeinflussen.
Gesprächstherapie: Gebraucht
An dieser Stelle ist es angebracht, Abbitte zu leisten. Und zwar beim Gemeinderat Birkenheide. Vor einer Woche noch wurde an dieser Stelle über dessen Hang zu leicht länglichen Sitzungen berichtet. Die handgestoppten 2:47 Stunden der dortigen Sitzung bleiben allerdings doch ein gutes Stück hinter den 3:11 Minuten der Sitzung in Fußgönheim zurück. Was jetzt mehrere Fragen aufwirft: Woher kommt diese Neigung zu ausgedehnten Sitzungen? Warten zu Hause so wenige Freuden? Oder brauchen die Ratsmitglieder in den beiden Orten diese ausgeprägten Stuhlkreise? Quasi als Gesprächstherapie? Denn gesprochen wird viel. Nicht immer zur Sache und nicht immer für alle hörbar. Und für Außenstehende mitunter äußerst anstrengend. Aber bald ist ja Silvester. Der passende Zeitpunkt für gute Vorsätze.
Wetter: Gewatschelt
Und? Hat es Sie schon hingehauen? Wir Menschen aus der sonnenverwöhnten Pfalz, aus der Toscana Deutschlands, haben es ja nicht so mit Schnee und eisigen Temperaturen. Wir sind eher so gemäßigtes Wetter gewohnt. Mit dem für unsere Verhältnisse doch recht harschen Wintereinbruch muss also erst mal umgegangen werden können. Und da wir angesichts vereister Flächen und vereinzelter Schneeflocken mehr so hilflos bleiben, sind wir sehr dankbar, dass der Wetterdienst Wetter Online eine Pressestelle hat, die bei dem Thema gerne hilft. So viel vorneweg: Der Pinguin-Style ist angesagt. Aber nur wenn sie nicht die Möglichkeit haben, sich bei Eis und Schnee an einer Häuserwand entlangzuhangeln. „Wenn Sie sich bei Glätte auf zwei Beinen fortbewegen, sind Konzentration und etwas Körperbeherrschung erforderlich. Auf dem Bürgersteig ist es am sichersten, sich möglichst nah an der Häuserwand entlangzubewegen“, heißt es in der Pressemitteilung. Ganz entscheidend sei die Gangart. „Ein Vorbild für den sicheren Gang auf Glatteis ist der Pinguin“, teilt uns Wetter-Online mit. Und dazu eine genaue Anleitung: Es ist wichtig, langsam und mit kleinen Schritten eher zu watscheln als zu gehen. Der Fuß sollte nicht nur mit der Ferse, sondern komplett beziehungsweise flach aufgesetzt werden. Er sollte außerdem leicht nach außen gedreht werden, um das Körpergewicht zur Seite zu verteilen. Alles klar? Dann watscheln Sie mal fröhlich los zu Ihrem Winterwochenend-Spaziergang. Gangnam-Style war gestern. Der Rhein-Pfalz-Kreis macht den Pinguin.
Kreistag: Gekämpft
Robin Hood – ein Held? Pfff. Der wahre Held des Rhein-Pfalz-Kreises heißt Jürgen Creutzmann. Durch seinen Kämpfergeist und seine Hartnäckigkeit ist es jetzt passiert. Die Müllgebühren sinken. Der Kreisbürger jubelt. Und der Kreispolitiker und Freidemokrat feiert sich im Kreistag. Eine Rede lang. Dann kommt schon das ABER: Die Gebühren für den Restmüll sinken. Richtig. Das Abholen des Bioabfalls wird jedoch teurer. Und das wird dem Held der Stunde denn auch schonungslos unter die Nase gerieben. Vom Landrat, vom zuständigen Beigeordneten, vom Grünen-Vertreter. Doch solche Einwände prallen bei einem echten Helden einfach ab. Die nächste Rede ist vorbereitet, der nächste Kampf ist angesagt. Jetzt gehts nicht mehr nur um Müll. Jetzt kämpft der Superman aus Dudenhofen gegen den immer reicher werdenden Rhein-Pfalz-Kreis. Uns bleibt nur noch die Jungs von Ersten Allgemeinden Verunsicherung zu zitieren:
Echte Helden kennen keine Gnade,
Echte Helden, Ta-ta-taa-ta.
Tja, echte Helden, oh no! sie kennen keine Gnade.
Echte Helden gehen nie zu Bade. - oh yeah!
Ein schönes Wochenende
wünschen Enzenauer und Treptow