Land und Leute
Die Wochenendkolumne: Von Welterklärern und heißer Luft
Ratssitzung: Dauert
Der Hersteller eines beliebten Schoko-Erdnuss-Riegels bewarb sein Produkt mal mit dem Satz „Wenn’s mal wieder länger dauert“. An was die kreativen Köpfe hinter diesem Spruch gedacht haben, als er ihnen einfiel, ist leider nicht bekannt. Gut möglich aber, dass sie mal bei einer Ortsgemeinderatssitzung in Birkenheide waren und es dann bedauert haben, keinen dieser Schoko-Erdnuss-Riegel dabeigehabt zu haben. Diese Versorgungsnachlässigkeit hat auch der Verfasser dieser Zeilen bedauert, der allen Warnungen zum Trotz schlicht unterversorgt in die Ratssitzung am Montagabend ging. Ein schwerer Fehler. Denn als um 22.17 Uhr die Vorstellung zu Ende war, knurrte der Magen doch sehr. Aber wenn das wirklich allseits so bekannt ist, dass im Birkenheider Rat erhöhter Redebedarf herrscht und die Sitzungen ausgewalzt werden, warum versorgt dann keiner die Besucher mit Schoko-Erdnuss-Riegeln? Am Ende fällt noch jemand wegen Unterzuckerung vom Stuhl. Und dann fände sich die Sitzung nicht einfach nur im „Land und Leute“ wieder.
Heisse Luft: Weht
Bleiben wir noch ein bisschen in Birkenheide, wo die Mitglieder des Gemeinderats am Montag wirklich alles gegeben haben, um mal wieder im „Land und Leute“ zu erscheinen. Zum Beispiel die Freien Wähler, die zu Beginn der Sitzung nicht nachvollziehen konnten, warum die Verwaltung kurzfristig noch zwei Punkte auf die Tagesordnung nahm und als Tischvorlage präsentierte, weil sie es nicht auf die lange Bank schieben wollte. Nein, das gehe so ja nicht. Da habe man ja keine Zeit, sich zu beraten. Ob man das nicht verschieben könne. Bürgermeisterin Juliane Popp (CDU) kam den Freien Wählern entgegen, bot eine Pause vor den beiden Punkten an. Und Verbandsbürgermeister Paul Poje (CDU) merkte an, dass das Vorgehen, die Tagesordnung kurzfristig zu ergänzen, durchaus nicht unüblich sei. Aber sei’s drum. Als es an die beiden Punkte – Ertüchtigung des Stromverteilerkastens im Dorfgemeinschaftshaus und eine weitere Leitung für den Rauchabzug in der Schulturnhalle – ging, brauchte auf einmal niemand mehr eine Pause. Nicht einmal die FWG. Und beim Stromverteilerkasten stimmten sogar alle dafür. So viel heiße Luft wäre wirklich nicht notwendig gewesen am Anfang. Die Temperatur im Dorfgemeinschaftshaus Birkenheide war durchaus angenehm.
FWG: Erklärt
Apropos FWG. Die Freien Wähler taten sich am Montag nicht nur im lokalpolitischen Geschäft hervor, sondern erklärten in Person der Fraktionsvorsitzenden Emmi Seitz auch gleich mal das große Ganze. Denn schließlich sei ja bekannt, dass Deutschland die Welt finanziere. Oha. Eine steile These. Aber vielleicht haben die Freien Wähler da Einblicke in das globale Konstrukt, die einem Normalsterblichen verborgen bleiben. Und vielleicht können sie das in der nächsten Ratssitzung im Februar auch noch mit Fakten belegen. Aber vielleicht geht’s da einfach nur um Birkenheide. Die Gemeinde hat ja schließlich genügend Themen und Probleme, mit denen sich die Ratsmitglieder auseinandersetzen müssen.
Ortsranderholung: Beschäftigt
Ein Thema, das in der Verbandsgemeinde Maxdorf hohe Wellen geschlagen hat, ist die Ortsranderholung. Besser gesagt, die Aussagen, die in der Sitzung des Sozialausschusses der Verbandsgemeinde getätigt und in der RHEINPFALZ wiedergegeben wurden. Dazu die Diskussion: Wer macht mit wem Ortsranderholung? Wer ist raus? Und warum? Auch im Ortsgemeinderat Birkenheide war die Empörung groß. Doch eine Tatsache wundert den Verfasser dieser Zeilen. Denn eines hat er – das ergab eine Spontanabfrage von Bürgermeisterin Juliane Popp – allen Ratsmitgliedern voraus: Im Gegensatz zu den Lokalpolitikern war er bei der Sitzung des Sozialausschusses der Verbandsgemeinde live und in Farbe anwesend.
Abschluss: Gelächelt
Zum Abschluss kurz nach Birkenheide. Da gab’s für die Presse tatsächlich Geschenke. Zuerst einen Kalender vom Verbandsbürgermeister, und dann, um 22.17 Uhr, als der öffentliche Teil für die Medienvertreter endlich beendet war, auch noch eine Flasche Wein als Aufmerksamkeit zu Weihnachten. Da hat man sich trotz der vorgerückten Stunde und des wirklich knurrenden Magens mit einem Lächeln auf den Lippen auf den Heimweg gemacht.
Ein schönes Wochenende
wünscht Christian Treptow