Rhein-Pfalz-Kreis
Die Wochenendkolumne: Von guten Nachbarn und falschen Dörfern
Nachbarschaft: Gepflegt
Es gibt legendäre Nachbarschaftsstreitereien zwischen Dörfern im Verlauf der Menschheitsgeschichte. Unter-Uncton und Ober-Uncton zum Beispiel. Irgendwie war man sich halt einfach nicht grün und wollte dem anderen deswegen eins auswischen. Maxdorfer und Lambsheimer sollen sich ja auch nicht so toll verstehen – hört man immer mal wieder. Aber was die Lambsheimer jetzt gemacht haben, setzt dem Ganzen die Krone auf. Da geben sie doch tatsächlich einem Nagetier auf ihrer Gemarkung Obdach, das den ganzen Tag über nichts besseres zu tun hat, als Holz zu nagen, einen Damm zu bauen und damit Wasser zu stauen. Das wäre ja nicht weiter schlimm, würde sich das Wasser dadurch nicht auch im Regenrückhaltebecken der Maxdorfer stauen. Dumm nur, dass die Maxdorfer das brauchen, um gegen ein 100-jähriges Regenereignis gewappnet zu sein. Sorgt also der Lambsheimer Biber dafür, dass die Maxdorfer bald nasse Füße bekommen? Na, das hoffen wir doch nicht. Man darf aber davon ausgehen, dass an Maxdorfer Stammtischen über einen Gegenschlag nachgedacht wird. Und da sind offenbar der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Gute Nachbarschaftsfehden wollen eben gepflegt werden.
Maxdorf: Geschnitten
Haben Sie sich am vergangenen Sonntag auch den Ludwigshafen-Tatort angeschaut? Waren auch Sie voller Hoffnung, es könnte endlich mal richtig in der Vorderpfalz ermittelt werden? Immerhin ist Lena Odenthals Heimatbasis Ludwigshafen. Und auf einmal hieß es auch noch, dass der Enkel des Opfers in Maxdorf wohnt. Doch schon ein paar Filmsekunden später wurden alle diese Hoffnungen jäh zerstört. Denn das Film-Maxdorf hatte mit dem echten ungefähr so viel gemein wie ein Big Mac mit einem Drei-Sterne-Menü. Was daran liegen mag, dass „Maxdorf“ wohl eher etliche Kilometer südlich lag, dem Vernehmen nach in der Ortenau. Und statt einem Biberdamm war ein Storchennest samt Bewohner zu sehen. Ach ja, und Nazis gibt’s im Dorf selbstverständlich auch. Spätestens da war klar, dass statt erfüllter Hoffnungen wieder mal verschwendete Lebenszeit als Bilanz zu notieren ist. Maxdorf darf sich also leider nicht in die Reihe von Metropolen wie New York, London oder Chicago einreihen. Schade. Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Und bis es so weit ist, bleiben uns immerhin noch die einschlägig bekannten Regionalkrimis in Buchform.
Stimmung: Gereizt
Gereizt war die Stimmung im Gemeinderat Mutterstadt, als es um die Zukunft des Geländes ging, auf dem das ehemalige VR-Bank-Gebäude noch steht. Leidenschaftliche Gefühlsausbrüche in politischen Debatten, wie etwa in Parlamenten in südlicheren Gefilden, liegen uns Deutschen ja per se fern – mehr als die eine oder andere geistlose Wortwahl („kleine Paschas“) hört man selten. Und wer die kommunalpolitische Atmosphäre im Mutterstadter Gremium verfolgt, weiß: Mehr als ein graues Wölkchen und ein leichter Windstoß wehen da normalerweise nicht durch den Ratssaal. Harmonie und Miteinander sind das vorherrschende Credo. Anders in dieser Woche: Die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans sollte beschlossen werden, denn die Bank möchte anstatt eines Lebensmittelmarkts, den sich auch die Gemeinde gewünscht hätte, lieber Wohnhäuser dorthin bauen. Walter Altvater (Grüne) fühlte sich „verarscht“ – und sagte das auch so. Diese Deutlichkeit wiederum erzürnte Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD), dessen Blutdruck Elias Weinacht (Grüne) mit seinen Wortbeiträgen weiter in die Höhe trieb. Als Berichterstatterin konnte man gar nicht so schnell mitschreiben und wurde selbst ganz aufgeregt. Was war denn hier los? Sind das die ersten Frühlingsgefühle? Was ist noch mal am 5. März?
Ein schönes Wochenende wünschen Reber und Treptow